Er schien es nicht erwarten zu können. Für 13 Uhr war am Dienstag die Vorstellung von Jupp Heynckes und Hermann Gerland beim FC Bayern an der Säbener Straße angekündigt.

Letzterer schaute aber schon eine halbe Stunde vor Beginn im Mediencenter vorbei, sah zu wie etliche Kamerateams sich auf die Live-Berichterstattung vorbereiteten.

"Geht es schon los, Hermann?", fragte ein Journalist. Gerland schüttelte den Kopf, aber ihm wäre es lieber gewesen, dass es so wäre. Für fünf Spiele soll der bisherige Trainer der Drittliga-Mannschaft des FC Bayern Jupp Heynckes assistieren.

"Musste meine Frau nicht fragen"

"Ich bin stolz darauf, dass ich das machen darf", sagte der 55-Jährige, der bei seinem Kurzbesuch vorher noch einen Anzug trug, bei der Pressekonferenz aber im gestreiften T-Shirt auftrat. Die Lockerheit war nicht nur an der Kleidung zu erkennen.

Denn trotz der Anwesenheit von "Don Jupp" gehörte die Show Gerland, der mit seinem Auftritt voller gekonnter Sprüche eine Empfehlung für Thomas Hermanns' "Quatsch Comedy Club" abgegeben hat. "Ich musste meine Frau nicht fragen", erzählte er, nachdem wenige Augenblicke vorher sein Chef Heynckes von der Rücksprache mit seiner Gattin berichtet hatte.

"Etwas leiser als in der 3. Liga"

Wenn dann müsse er sie fragen, wenn er den FC Bayern verlassen wolle, "doch dann gibt es wohl kein Okay von ihr", so Gerland. Auch die sportlichen Verantwortlichen der Münchener würden ihren "Tiger" nicht gehen lassen. Gerland gehört seit Jahren zu den wichtigsten Figuren innerhalb des Clubs.

Zahlreiche Spieler im In- und Ausland sind durch seine Schule gegangen. Wenn Gerlands Gangart auch oft sehr streng und hart ist, seine Schützlinge danken es ihm. Auch die Profis will er nicht schonen, aber der gebürtige Bochumer gelobt seine Aufgabe ruhiger anzugehen als bei den Amateuren: "Ich werde natürlich etwas leiser sein als in der 3. Liga."

Scholl ist Gerlands Nachfolger

Seine Aufgabe bei der "Zweiten", die in der 3. Liga auf einem ungefährdeten 6. Platz rangiert, übernimmt der bisherige U13-Trainer Mehmet Scholl. "Endlich hat die Mannschaft einen richtigen Trainer", sagte der Ex-Bayern-Star im Gespräch mit Gerland. In Sachen Humor gibt es ein verdientes Unentschieden.

Aber Gerland wäre nicht Gerland, wenn er einen gelungenen Konter auf Lager hätte: "Dann bin ich ja beruhigt und habe eine ruhige nächste Saison vor mir." Gelacht wurde viel beim FC Bayern. Trotz der doch ungewissen sportlichen Lage - die direkte Champions-League-Qualifikation ist in Gefahr.

Gerland, der schon 1991/92 als Bayern-Assistenzcoach, damals von Sören Lerby, fungierte, will dabei helfen, die Saison versöhnlich zu beenden. Die Rollen sieht er klar verteilt: "Jupp ist der Chef, ich werde ihm assistieren." Danach will er wieder zurück zur seiner Zweiten, die ihm Mehmet Scholl topfit übergeben soll...

Fatih Demireli