Man muss kein Prophet sein, um die taktische Marschroute von Inter Mailand für das Finale der Champions League vorherzusagen. Ein Offensiv-Feuerwerk wird die Truppe von Trainer Jose Mourinho sicherlich nicht abfeuern.

"Mourinho ist dafür bekannt, dass er seine Mannschaft aus einer defensiven Grundhaltung heraus schnell kontern lässt", weiß Bayern-Torwart Jörg Butt. Der Nationalspieler sollte am Samstag also hellwach sein, um gegen die Top-Stürmer Diego Milito und Samuel Eto o zu bestehen.

Ab auf die Tribüne

Beim Abschlusstraining am Freitag zeigte Butt auf jeden Fall schon einmal seine Klasse. Reihenweise entschärfte er bei einer Flankenübung die Direktabnahmen seiner Mitspieler.

Diese hatten ihr Zielwasser wohl im Mannschaftshotel gelassen, denn Arjen Robben, Ivica Olic, Miroslav Klose und Co. nahmen eher die azurblauen Sitze im Estadio Santiago Bernabeu als das Tor unter Beschuss.

Sonderapplaus für Gomez

Trainer Louis van Gaal nahm das ganze aber gelassen hin und mahnte lediglich einmal zu mehr Konzentration. Mit einer Pfeife bewaffnet ließ er immer wieder Flanken und Ecken von links und rechts in den Strafraum treten.

Besonders treffsicher zeigte sich dabei Mario Gomez, der dafür auch Beifall von den Kollegen einheimste. Viel nützen wird ihm das aber nichts. Er wird gegen Inter zunächst wohl auf der Bank Platz nehmen.

Denn van Gaal hat in seinem System derzeit keinen Platz für zwei echte Stürmer. "Das ist bei uns schwierig, weil wir viel mit Positionswechseln agieren", erklärte der Niederländer zuvor auf der Pressekonferenz.

Badstuber saugt Eindrücke auf

Das komplett öffentlich Training brachte auch keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse. Musste es aber auch nicht, da van Gaal sicherlich wieder seine Gewinnerelf mit Hamit Altintop als Ersatz für den gesperrten Franck Ribery aufbieten wird.

Es war für viele Spieler mehr eine Kennenlernstunde mit einem der wohl schönsten und imposantesten Fußball-Stadien der Welt. So schaute Holger Badstuber beim Betreten des perfekt hergerichteten Rasens auch erst einmal andächtig ins weite Rund.

Aus Madrid berichtet Michael Reis