Leverkusen - So ein mitreißendes Derby haben die Zuschauer in der BayArena schon lange nicht mehr gesehen. Am Ende siegte Borussia Mönchengladbach verdient mit 6:3 in Leverkusen. Nach vier Siegen in den vier Pflichtspielen zuvor erwischte Bayer 04 einen rabenschwarzen Tag.

Wie es zu dem Debakel der "Werkself" gegen den rheinischen Rivalen kommen konnte, versucht Mittelfeldspieler Hanno Balitsch im exklusiven Interview mit bundesliga.de zu erklären.

bundesliga.de: Herr Balitsch, Bayer Leverkusen hat 3:6 gegen Borussia Mönchengladbach verloren. Für die Fußballfans war das ein tolles Spiel, nur nicht für die Anhänger und Mannschaft von Bayer 04.

Hanno Balitsch: Das kann man so stehen lassen. Ein neutraler Zuschauer, der ins Stadion gekommen ist, um sich gut zu unterhalten, ist sicher auf seine Kosten gekommen. Wir haben viele Tore und viele Torszenen gesehen. Es waren schöne Tore dabei. Aber aus unserer Sicht waren die Tore falsch verteilt. Man muss aber auch zugeben, dass der Auswärtssieg der Gladbacher verdient war.

bundesliga.de: Das war Fußball total, fast frei von taktischen Fesseln. Wie konnte das Spiel so aus den Fugen geraten?

Balitsch: Das lag daran, dass sich die Gladbacher sehr weit zurück gezogen haben und es uns schwer gemacht haben, uns Torchancen zu erarbeiten. Dann haben sie eiskalt und zielstrebig gekontert. Sie haben fast jede Torchance genutzt, das war ganz auffällig. Wir wollten das Heimspiel unbedingt gewinnen, lagen dann zurück und mussten aufmachen. So kam es auf beiden Seiten zu einem offenen Schlagabtausch mit dem besseren Ende für die Borussia.

bundesliga.de: Welche Fehler muss sich Bayer 04 vorwerfen? Lag es am Abwehrverhalten?

Balitsch: Nein, so pauschal kann man das nicht sagen. Wir hatten nicht die Aggressivität auf dem Platz wie am letzten Wochenende in Dortmund. Wir waren nicht so präsent in den Zweikämpfen wie in Dortmund. Das muss man kritisch anführen. Man hatte das Gefühl, dass der Ball im Zweifel vor die Füße der Gladbacher springt. So Tage gibt es manchmal. Die Defensive ist das eine. Wir hatten aber auch über weite Strecken des Spieles nicht die Mittel, um uns dagegen aufzulehnen und die sehr tief stehende und aggressiv spielende Gladbacher Mannschaft in Verlegenheit zu bringen.

bundesliga.de: Woran liegt das, vielleicht schon am Substanzverlust nach den beiden "englischen Wochen" zum Saisonstart?

Balitsch: Nein. Nach dem 2. Spieltag sollte man das nicht anführen. Das wäre fahrlässig. Es gibt einfach solche Tage. Der Gegner verteidigt geschickt und kontert exzellent. Die Taktik von Michael Frontzeck ist perfekt aufgegangen. Wir müssen daraus lernen und uns darauf einstellen, dass sich mit Sicherheit noch häufiger die Gegner zurückziehen werden. Wir müssen uns dann eine Taktik zurecht legen, um solche Mannschaften zu schlagen.

bundesliga.de: Bayer 04 hatte die ersten vier Pflichtspiele in drei Wettbewerben alle gewonnen. War das nach den ersten Erfolgen der erste Dämpfer zur richtigen Zeit?

Balitsch: Das war sicher ein Dämpfer. Wir hätten gerne vor der Länderspielpause den perfekten Saisonstart hingelegt. Das ist uns nicht gelungen. Das ist schon ein bisschen ernüchternd, gerade das Ergebnis in einem Derby. So ein 3:6 wollte keiner mitmachen. Aber wir müssen das jetzt akzeptieren. Wir werden uns davon aber nicht von unserem Weg in der Bundesliga abbringen lassen.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie selbst mit Ihren ersten Wochen als Neuzugang in Leverkusen?

Balitsch: Ich bin zufrieden. Ich bekomme meine Einsatzzeiten, bin dran an der Mannschaft. Ich habe in Simferopol 90 Minuten durchgespielt. Ich bin in beiden Bundesliga-Spielen reingekommen. Ich habe das Gefühl, dass ich die Aufgabe, für die ich geholt wurde, erfüllen kann. Ich bin hungrig auf mehr und werde mich weiter anbieten und gucken, ob es noch zu mehr kommt.


Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski