Augsburg - Um kurz vor halb sechs rissen die Spieler von Hannover 96 erleichtert die Arme in die Luft. Nach dramatischen 90 Minuten plus fünfminütiger Nachspielzeit und inklusive drei Platzverweisen feierten die Niedersachsen den erlösenden 2:1-Sieg - den ersten Dreier der Rückrunde.

Auch bei Doppeltorschütze Lars Stindl war die Freude wenige Augenblicke nach dem Schlusspfiff riesig. Im Gespräch mit den Journalisten ordnete der 96-Kapitän den Erfolg ein und blickte voraus auf den finalen Akt kommende Woche gegen den SC Freiburg.

Frage: Lars Stindl, wie groß ist der Stein, der Ihnen nach dem ersten Sieg in der Rückrunde vom Herzen gefallen ist?

Lars Stindl: Wir sind überglücklich. Das hat man auch an der Freude der Truppe nach dem Spiel gesehen. Wir haben endlich diesen ersten Dreier, nachdem wir so lange darauf hingearbeitet haben. Und in diesem absoluten Wahnsinnsspiel sind wir endlich dafür belohnt worden.

"Von der Einstellung her sensationell"

Frage: Wie beurteilen Sie den Spielverlauf?

Stindl: Wir sind in der ersten Halbzeit in Führung gegangen und hatten sogar die klareren Chancen. Selbst haben wir nicht viel zugelassen. Augsburg hatte zwar mehr Ballbesitz, aber das wussten wir von vorneherein. Die eine oder anderer Kontersituation hätten wir vielleicht klarer ausspielen müssen. Nach dem 2:1 war es sensationell, wie sich unsere Verteidiger in jeden Ball hineingeworfen haben. Wir wollten diesen Sieg unbedingt und haben ihn uns auch verdient.

Frage: Kam es am Ende nur noch auf den Kampf an?

Stindl: Es war positionstechnisch ein bisschen wild, aber von der Einstellung her war es sensationell. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir wissen, dass es der erste wichtige Schritt war und ich hoffe, dass wir den am kommenden Wochenende vergolden können.

"Den Sieg hart erarbeitet"

Frage: Ist solch ein Spiel mit drei Platzverweisen typisch für diese Phase der Saison?

Stindl: Es ging um alles. Die Augsburger wollten auch gewinnen. Es gab ein paar Nickligkeiten, es war ein hitziges Spiel. Aber wir haben gut dagegengehalten und die eine oder andere Situation ruhig geklärt. Vielleicht hätten wir noch einen Tick cooler sein können, aber Kompliment an die Truppe. Den Sieg haben wir uns hart erarbeitet.

Frage: Bei all dem Kampf war Ihr Treffer zur 1:0-Führung nach der Vorarbeit von Hiroshi Kiyotake und Jimmy Briand durchaus sehenswert herausgespielt.

Stindl: Hiroshi Kiyotake hat eine unglaubliche Qualität im Fuß und Jimmy Briand ist ein cleverer Spieler mit viel Erfahrung. Er trifft oft die richtigen Entscheidungen. Die beiden haben das Tor vorgelegt und ich musste nur noch einschieben.

"Haben alles in der eigenen Hand"

Frage:Nach dem Schlusspfiff hat die ganze Mannschaft zusammen mit Hiroki Sakai gefeiert. Mussten Sie ihn nach seinem verschuldeten Elfmeter und dem Platzverweis besonders aufbauen?

Stindl: Er ist ein unglaublicher Typ und ein disziplinierter Fußballer, der immer alles gibt. Er hatte natürlich die eine oder andere unglückliche Situation. Deshalb haben wir uns so für ihn gefreut und nach dem Schlusspfiff noch mal mit ins Boot geholt.

Frage: Der SC Freiburg hat überraschend gegen den FC Bayern München gewonnen (Spielbericht), sodass nun Hannover und Freiburg vor dem direkten Duell am letzten Spieltag punktgleich auf den Plätzen 15 und 14 liegen. Wie beurteilen Sie die Situation vor dem Saisonfinale?

Stindl: Wir wollten uns eine gute Ausgangslage schaffen. Es ist nicht optimal gelaufen, bezüglich des Freiburger Ergebnisses. Aber trotzdem haben wir alles in der eigenen Hand. Das wollten wir und dafür haben wir alles gegeben. Wir werden uns auch ein bisschen darüber freuen, aber ab Dienstag liegt der volle Fokus auf dem nächsten Spiel.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz