Hamburg – Er ist ohne Frage derzeit der überragende Spieler im Trikot von Borussia Mönchengladbach: Lars Stindl. Der 28-Jährige trifft im Moment, wie er will und wo er will. Egal ob in der Bundesliga, Europa League oder wie am Mittwochabend beim 2:1-Sieg der Borussia im DFB-Pokal-Viertelfinale beim Hamburger SV. Stindl ist in der Form seines Lebens.

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Frage: Lars Stindl, Sie sind wahrlich bei der Borussia der Mann der Stunde. In den letzten acht Pflichtspielen haben Sie acht Tore erzielt. Es läuft bei Ihnen.

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Lars Stindl: Ja, das muss man aber ein Stück weit relativieren. In Florenz habe ich ja drei Tore in einem Spiel gemacht. Viel wichtiger ist aber, dass wir eine Runde weitergekommen sind.

Frage: In der ersten Halbzeit haben Sie sich gegen den HSV noch sehr schwer getan.

Stindl: Es war ein schwieriges Spiel. Nach dem Ergebnis des HSV vom vergangenen Wochenende (0:8 in München, Anm. d. Red.) wussten wir, dass sehr aggressive Hamburger auf uns warten würden. Vor allem in der ersten Halbzeit hatten wir Schwierigkeiten. Unser Positionsspiel und unser Passspiel war nicht sauber genug. Das müssen wir in Zukunft ein Stück weit cleverer spielen. Vielleicht hätten wir auch schon in der ersten Halbzeit in Führung gehen können. Nach der Pause haben wir es dann viel besser ausgespielt und auch zwei berechtigte Elfmeter bekommen, die wir dann glücklicherweise auch verwandelt haben.

Frage: Hatten Sie keine Lust einen Elfmeter-Doppelpack zu erzielen oder warum haben Sie ihrem Teamkollegen Raffael den zweiten Strafstoß überlassen?

Stindl: Ich habe mich mit Raffael kurz abgesprochen und dann hat er halt geschossen. Er hat in der Vergangenheit für die Borussia schon viele wichtige Elfmeter für uns verwandelt und nach seiner langen Verletzungsphase hat ihm das Erfolgserlebnis sicherlich richtig gut getan.

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"Ich habe in dieser Saison auch einiges liegen gelassen"

Frage: In der Bundesliga hatte die Borussia beim 0:0 gegen den HSV zwei Strafstöße in einem Spiel verschossen. Einen davon haben ausgerechnet Sie nicht verwandelt. Haben Sie kurz vor ihrem Elfmeter an diese Partie gedacht?

Stindl: Ja, wir haben aber versucht das schon ein Stück weit zu verdrängen. Im Unterbewusstsein behält man schon, dass man in Gladbach gegen den HSV zwei Elfmeter in einem sehr kuriosen Spiel verschossen hat. Aber ich habe versucht, wie bei allen anderen Elfmeter auch, den Ball rein zu machen. Zum Glück hat es dieses Mal geklappt.

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Frage: Gerade in den K.o-Spielen läuft es gerade gut für die Borussia. In der Europa League haben die Fohlen das Achtelfinale erreicht und im DFB-Pokal nun seit 2012 wieder einmal das Halbfinale.

Stindl: Mal abgesehen davon, ist es für den Verein eine Riesensache im Pokalhalbfinale zu stehen. Die meisten von uns sind noch nie so weit gekommen. Ich persönlich war mit meinen bisherigen Vereinen noch nicht so erfolgreich.

Frage: Noch einmal zu Ihnen. Können Sie sich daran erinnern schon einmal so einen Lauf gehabt zu haben?

Stindl: Nein, ich glaube nicht. Ich bin im Moment einfach froh, dass es so gut läuft. Ich habe in dieser Saison aber auch schon einiges liegen gelassen, das ist mir auch bewusst. Ich versuch einfach immer eine gute Leistung zu bringen und die Tore zu machen, die mir auch gut vorbereitet werden. Im Moment klappt' s ganz gut und das nehme ich auch gerne mit.

"Ich bin kein Solokünstler, sondern ein Abschlussspieler"

© gettyimages / Lars Baron

Frage: Ihre Bescheidenheit in allen Ehren, aber Sie haben für die Borussia auch ganz wichtige Tore gemacht. Oftmals das 1:0 und wichtige Elfmeter verwandelt.

Stindl: Jedes Tor ist auch situationsabhängig. Ich werde von meinen Mitspieler auch gut in Szene gesetzt. Ich bin kein Solokünstler, sondern ein Abschlussspieler vor dem Tor. Im Moment bin ich sehr effektiv.

Frage: Bundestrainer Joachim Löw hat durchblicken lassen, Sie eventuell für den Confederations Cup zu nominieren. Haben Sie eigentlich schon ihren Sommerurlaub gebucht?

Stindl: Der Sommerurlaub ist schon ein Stück weit geplant, aber über das Thema Nationalmannschaft mache ich mir noch keine Gedanken. Wir haben im Moment so viel zu tun und sind noch in so vielen Wettbewerben. Es macht im Moment so viel Spaß, da denke ich noch nicht an die mittelfristige Zukunft. Ich freue mich einfach, dass wir zuletzt in der Europa League weitergekommen sind, nun ins Halbfinale des DFB-Pokals eingezogen sind und uns in der Bundesliga ein Puffer erarbeitet haben. Das versuche ich auch ein Stück weit zu genießen, ab Donnerstag bereiten wir uns dann auf das erste von drei Duellen gegen den FC Schalke 04 vor.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage