Leverkusen - Fast ein halbes Jahr lang hatte Lars Bender aussetzen müssen. Jetzt feierte der Kapitän von Bayer 04 Leverkusen ein gelungenes Comeback. Beim ungefährdeten 3:0-Heimsieg der Werkself gegen den VfL Wolfsburg zeigte der 26-Jährige eine ansprechende Leistung und hielt eine Stunde lang durch. Danach stellte er sich den Fragen der Medienvertreter.

Frage: Lars Bender, Sie haben ganz schön auf die Socken bekommen. Haben Sie jetzt nach Ihrer langen Verletzungspause neue Schmerzen verspürt?

Lars Bender: Nein. Dafür habe ich jetzt die Erkenntnis, dass der Fuß hält. Das gehört auch dazu. Ich habe aber nicht darum gebeten. Das sollte man auch besser nicht tun, wenn man gerade erst nach einer Verletzung zurückgekommen ist.

Frage: Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem Comeback?

Bender: Es ging jetzt erst einmal darum, den Fußball wieder auf dem Platz aktiv miterleben und genießen zu können. Alles in allem war es ein schöner Abend. Ein Freitagabendspiel mit einem Sieg abzuschließen, war auch schön. Ich werde mich jetzt am Wochenende entspannt zurücklehnen und schauen, was die anderen machen.

"Wusste nicht wie lange ich durchhalte"

Frage: Rudi Völler sagte eben, er habe an Ihren Augen sehen können, dass Sie gebrannt hätten. Deshalb sei es keine Frage gewesen, Sie von Beginn an zu bringen. Haben Sie es auch so empfunden?

Bender: Ich habe ihnen die Option überlassen, dass ich auch bereit bin, von Anfang an zu spielen. Das hat der Trainer auch während der Woche gemerkt. Ich wusste natürlich nicht, wie lange ich durchhalten würde. Ich hatte während der Länderspielpause zwei Wochen lang ein gutes Training absolviert. Davor hatte ich noch einen Faserriss auszukurieren. Deshalb war es schwer zu wissen, wie lange die Luft bei mir reicht. Es tut mir jetzt sicherlich gut, dass wir wieder eine längere Woche vor uns haben.

Frage: War es gut, dass durch das Fehlen der Nationalspieler die Trainingsgruppe relativ klein war?

Bender: Wir konnten individuell auf uns zugeschnitten trainieren und uns abstimmen. Das hat mir und auch Charles Aranguiz sicherlich gut getan. Alles andere kommt jetzt über die Spiele.

"Er wird langsam Teil des Teams"

Frage: Sie sprechen die Schicksalsgemeinschaft mit dem ebenfalls lange verletzten Charles Aranguiz an. Was dürfen wir von ihm in dieser Saison noch erwarten?

Bender: Bei ihm müssen wir den Ball flach halten. Er hat eine sehr schwere und lange Verletzung überstanden. Zudem müssen sich die Südamerikaner erst einmal anpassen und eingewöhnen. Der Prozess dauert noch. Es freut mich für ihn persönlich extrem, dass er noch ein paar Minuten bekommen hat. Er wird jetzt langsam Teil des Teams. Ich glaube, dass er ein gutes Gefühl hatte, weil auch alle den Kontakt zu ihm gesucht haben. Jetzt soll er ein paar Spiele machen und Vertrauen gewinnen. Für ihn wird das kommende Jahr dann entscheidend.

Frage: Sie haben Ihr Comeback in einer für den Verein besseren Phase geben können. Bayer 04 konnte den dritten Sieg in Folge einfahren. Was geht jetzt noch in den letzten sechs Spielen?

Bender: Wir wissen, dass die Endphase der Saison die alles entscheidende ist. Wir wollen unser Ziel Champions League weiterhin erreichen. Deswegen war der Sieg gegen Wolfsburg ein Big Point und ein ganz entscheidendes Spiel, um den VfL auf Distanz zu halten. Wir wollen in der Gruppe, die um die Plätze 3 und 4 spielt, dabei bleiben. Und wir haben es nun in der eigenen Hand.

"Haben eine geschlossene Leistung gezeigt"

Frage: Wie bewerten Sie neben dem starken Ergebnis die Leistung, die die Werkself gegen Wolfsburg gezeigt hat?

Bender: Wir haben gesehen, dass wir als Mannschaft funktionieren. Wir haben eine geschlossene Leistung gezeigt und alles in allem auch verdient gewonnen. Man hat uns angemerkt, dass wir das Spiel gewinnen wollten, weil wir wussten, um was es geht.

Frage: Täuschte der Eindruck von oben oder hat die Mannschaft etwas ruhiger und seriöser agiert als früher?

Bender: Am Anfang war es ein Abtasten und kein so tolles Spiel. Das 1:0 hat uns dann gut getan. In dieser Saison hat uns noch keine Mannschaft geschlagen, nachdem wir in Führung gegangen sind. Eine Führung gibt uns mehr Vertrauen. In der Phase, in der es nicht so gut lief, sind wir häufig in Rückstand geraten und damit nicht gut zurechtgekommen. Wir müssen mit solchen Situationen in Zukunft auch souveräner umgehen. Wir haben immer die Qualität, Chancen zu kreieren und ein Spiel zu drehen.

"Auf dieses Spiel brennen alle"

Frage: Wie sehen Sie jetzt die Aussichten für die kommenden sechs Spiele, in denen sie noch auf drei direkte Konkurrenten treffen?

Bender: Als nächstes Spiel kommt jetzt erst einmal das Derby in Köln auf uns zu. Auf dieses Spiel brennen alle. Darauf können wir uns jetzt lange und gut vorbereiten. Das ist ein Luxus, den wir lange nicht hatten. Vielleicht kommen noch ein oder zwei Spieler zurück, was uns auch gut tun würde. Wir wollen jetzt die Spiele in Köln und gegen Frankfurt gewinnen. Dann kommen die Konkurrenten. Dann wollen wir da sein.

Frage: Die Tabelle weist Bayer 04 in der Momentaufnahme auf Platz 4 aus. Wären Sie mit dem Platz am Ende der Saison auch zufrieden?

Bender: Ich muss keine Plätze ausgeben. Entscheidend ist, dass wir unsere Spiele gewinnen. Jetzt kommt wie gesagt Köln, das Ding müssen wir gewinnen.

Frage: Denken Sie noch an die Europameisterschaft?

Bender: Wissen Sie, wenn man so lange verletzt ist, möchte man einfach nur auf den Platz zurückkehren. Man kann dann nicht von sich selbst verlangen, dass sofort wieder alles tausend-prozentig stimmt. Es wäre jetzt umso erfreulicher, wenn ich schnellstmöglich zurück zu alter Stärke finde. Aber ich mache mir überhaupt keinen Druck.

 

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski