Die erste Lehrstunde für seine jungen Himmelsstürmer und den Verlust der Tabellenspitze nahm Mäzen Dietmar Hopp mit einem gelassenen Schmunzeln zur Kenntnis. "Jetzt glaubt uns wenigstens jeder, dass unser Ziel nur ist, nicht abzusteigen", sagte der Multimilliardär nach dem 2:5 (1:3) von Neuling 1899 Hoffenheim bei Bayer Leverkusen und sprach sogar von einem "richtig schönen Fußball-Nachmittag. So macht Fußball Spaß."

Seine Mannschaft hatte zu einem sehr unterhaltsamen Spiel fast so viel beigetragen wie die teilweise entfesselt aufspielenden Leverkusener. "Die zwei Tore in der Schlussphase verfälschen das Bild. Ich habe jedenfalls nur Lob und positive Stimmen gehört", so Hopp.

Anerkennung der gegnerischen Leistung

In den ersten 188 Bundesliga-Minuten der Vereinsgeschichte waren die Kraichgauer ohne Gegentor geblieben, und trotz fünf Gegentreffern in 80 Minuten und der ersten Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte herrschte alles andere als Ernüchterung. "Wir sind zuvor nicht in Euphorie verfallen, und jetzt werden wir nicht in Depressionen verfallen", meinte Manager Jan Schindelmeiser: "Leverkusen war einfach reifer und unsere junge Mannschaft unterliegt natürlich Schwankungen. Aber fünf Tore klingen viel zu hart, wir haben teilweise richtig gut Fußball gespielt."

In der Tat: Nachdem Deutschland zwei Wochen über das "Wunder von Hoffenheim" gesprochen, einen baldigen Konkurrenten von Rekordmeister Bayern München heranwachsen gesehen hatte und Kamerateams wie Heuschrecken in das 3300-Einwohner-Dorf eingefallen waren, hielt sich der Neuling auch bei seinem ersten echten Härtetest weitaus besser, als es das Ergebnis aussagte.

Licht und Schatten

"Ich habe sehr viel Gutes gesehen, aber auch genug Material, an dem wir in der zweiwöchigen Pause arbeiten müssen", meinte Trainer Ralf Rangnick, der ebenfalls milde gestimmt war: "Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht. Aber diese Mannschaft hat auch noch nie gegen einen so guten Gegner gespielt. Deshalb kann man ruhig die Floskel bemühen: Lieber einmal fünf Gegentore als fünfmal eins."

Richtig angefressen wirkte nur Stürmer Vedad Ibisevic, der bereits sein viertes Saisontor erzielte (20.) und auch den von Sejad Salihovic verwandelten Elfmeter (58.) herausholte. "Ich bin sehr enttäuscht", meinte der Bosnier: "Wir waren insgesamt zu naiv. Und ich hoffe, dass wir schnell lernen, wie hart Fehler in der Bundesliga bestraft werden."

Barnetta überragend

Allerdings auch nur von so offensivstarken Gegnern wie den Leverkusenern, für die zweimal Stefan Kießling (36./87.), die Innenverteidiger Karim Haggui (8.) und Manuel Friedrich (17.) sowie der nach einem mehrere Monate dauernden Durchhänger überragende Tranquillo Barnetta (83.) trafen. "Wir haben alles richtig gemacht", meinte Barnetta übermütig, und Nationalstürmer Patrick Helmes stellte nüchtern fest: "Hoffenheim war gut. Aber wir waren besser."

Gerade die Stürmer schwärmen vom riskanten Offensiv-System des neuen Trainers Bruno Labbadia, das an guten Tagen herzerfrischenden Fußball verspricht. "Das System ist schwierig, sonst würden es ja alle spielen", meinte Labbadia: "Aber meine Mannschaft agiert. So stelle ich mir Fußball vor." In Euphorie verfallen werde in Leverkusen nach zwei Siegen in Folge niemand, versicherte der Coach: "Aber dass meine junge Mannschaft mit einem solchen Erfolgserlebnis in die Pause kann, tut ihr sehr, sehr gut."