München -  Als Torschütze tritt Xabi Alonso eher selten in Erscheinung. Aber wenn, dann glänzt der Spanier richtig. Normalerweise zieht der 34-Jährige als Stratege im defensiven Mittelfeld des FC Bayern München die Fäden, beim 1:0 im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den SV Darmstadt 98 erklärte Alonso jetzt sogar das Toreschießen zur Chefsache. Wenn es am Samstag für die Bayern zu Hannover 96 geht (ab 15 Uhr im Liveticker), würde der Spanier das gerne wiederholen. Schließlich traf er auch beim bisher letzten Duell mit den Niedersachsen.

Es war letztlich dieser Geniestreich Alonsos, der gegen tapfere Lilien den Unterschied machte. "Er schweißt ihn oben in den Winkel rein", beschrieb Darmstadts Torhüter Christian Mathenia die spielentscheidende Szene in der 40. Minute. "Aus dem Spiel heraus hatten die Bayern nicht so viele Möglichkeiten, aber dann hauen sie mal - wie in der Bundesliga am Böllenfalltor - aus 25 Metern drauf. Und bei der Qualität sitzt er dann auch mal."

Neuer erkennt Alonso nicht wieder

Mathenias Pendant auf Bayern-Seite musste zunächst lange überlegen und konnte sich schließlich doch nicht daran erinnern, solch ein Tor von Alonso mal im Training kassiert zu haben. "Diese Volley-Tore kenne ich so nicht von ihm, eher vom Boden aus", sagte Manuel Neuer. "Das hat er super gemacht, und wir wissen auch, dass er ein super Distanzschütze ist."

Als Freistoßschütze hat sich Alonso bei den Bayern bereits einen Namen gemacht, unvergessen sein erstes Bundesliga-Tor gegen Werder Bremen in der Vorsaison, als er unter der hochspringenden Mauer hindurch schoss. Und auch gegen Hannover hat er so schon getroffen. Beim 3:1-Rückrundensieg in der vergangenen Saison zirkelte Alonso einen Freistoß zum 1:1-Ausgleich ins Netz der Niedersachsen. Sein Traumtor nun gegen Darmstadt war sein insgesamt fünftes im Trikot des Rekordmeisters, in der laufenden Saison war es sein erster Pflichtspieltreffer.

"Zero Prozent Glück"

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Dennoch weiß Alonso jederzeit um seine Stärken. "Zero Prozent Glück", stellte er nach dem Sieg gegen Darmstadt unmissverständlich klar. "Ich wusste, dass ich den Ball sehr gut getroffen habe. Am Ende war es ein sehr schönes Tor und ein sehr wichtiges für uns." Schließlich zählte für den FC Bayern nur der Einzug ins Viertelfinale.

Was für den Pokal gilt, soll auch noch ein Mal für die Bundesliga gelten. Im seinem letzten Spiel der Hinrunde trifft der Herbstmeister am Samstag auf Hannover 96. Dass der Rekordmeister nicht ganz sorgenfrei nach Niedersachsen reist, haben die jüngsten beiden Spiele gezeigt. Zwar gewann man in der Bundesliga und im DFB-Pokal, aber wie bereits gegen Ingolstadt blieben auch gegen Darmstadt bedingt durch die zahlreichen Ausfälle einige Plätze auf der Bayern-Bank leer.

Kräfte bündeln für Hannover

"Der Zustand der Spieler ist nicht so perfekt, weil wir viel gespielt haben und in den letzten Wochen wenige Möglichkeiten hatten zu rotieren. Das merkt man den Spielern an", gab Kapitän Philipp Lahm zu. Daher ist die Sehnsucht nach der Winterpause beim 32-Jährigen groß. "Man freut sich immer, wenn man ein paar Wochen Ruhe hat, sich erholen und Zeit mit der Familie verbringen kann."

Zuvor wollen die Bayern allerdings noch mal alle verbliebenen Kräfte bündeln und in Hannover bestehen. Auch Kunstschütze Alonso wollte von der Winterpause noch nichts wissen: "Wir haben noch ein Spiel in Hannover und da geht es um sehr wichtige drei Punkte für uns." Schließlich soll der Vorsprung von fünf Punkten auf Verfolger Borussia Dortmund möglichst nicht schmelzen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz