Gelsenkirchen - Die Vorzeichen sind nicht überragend gewesen: Jefferson Farfan und Lewis Holtby verletzt, Jermaine Jones gesperrt, Benedikt Höwedes nach 45 Minuten mit Jochbeinbruch raus - aus der Erfolgsspur haben all die Sorgen und Verletzungen den FC Schalke 04 dennoch nicht gebracht.

Der 3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart war trotz des neu formierten Mittelfeldes mit Joel Matip und Marco Höger souverän herausgespielt. Schalke trotzt somit allen Personalsorgen und setzt ein dickes Ausrufezeichen als Bayern-Jäger. Lars Unnerstall sieht im Titelkampf sogar einen kleinen Vorteil für seine Mannschaft: "Der Druck liegt bei den anderen Clubs", meint er.

Schalke hält den Ball flach

Entsprechend reifen zumindest im Umfeld schon die Titelträume. Die Mannschaft selbst aber hält den Ball in Sachen Meisterschaft noch flach, wie auch Unnerstall im Interview mit bundesliga.de. Der Torhüter der Schalker spricht über Selbstbewusstsein und Druck, Verletzungssorgen und Neuzugänge und über seine Rolle als Nummer 1.

bundesliga.de: Lars Unnerstall, der 3:1-Erfolg über Stuttgart war eine klare Angelegenheit. Wie groß war vor dem Spiel die Überzeugung, so erfolgreich in die Rückrunde zu starten?

Lars Unnerstall: Wir haben noch eine Menge Selbstbewusstsein aus der Hinrunde mitgenommen. Und wir hatten aus dem Hinspiel noch etwas gut zu machen, weil wir damals in Stuttgart 0:3 verloren haben. Wir wollten unbedingt diesen Sieg - und letztlich hat es dann ja auch gut geklappt.

bundesliga.de: Hat die Niederlage der Bayern einen Tag zuvor für zusätzliche Motivation gesorgt?

Unnerstall: Natürlich hatten wir uns vorher auch das Bayern-Spiel angeschaut und es war ein zusätzlicher Anreiz, nach Punkten gleichziehen zu können. Allerdings war es gerade einmal das erste Spiel der Rückrunde und damit eines von vielen. Deswegen darf man dem zum jetzigen Zeitpunkt nicht zuviel Bedeutung beimessen.

bundesliga.de: Aber Schalke hat seinen Ruf als Bayernjäger klar unterstrichen. Spüren Sie langsam auch den Druck?

Unnerstall: Es stimmt schon, wir können jetzt ganz oben angreifen. Aber wir sehen uns trotzdem nicht als Titelfavoriten. Deswegen können wir auch weiter ganz locker aufspielen. Dortmund und Bayern stehen enorm unter Druck, den Titel zu holen. Bei uns hingegen rechnet niemand damit, dass wir unbedingt die Meisterschaft gewinnen. Bei uns möchte zwar jeder unbedingt Champions League spielen, aber der große Druck liegt bei den anderen Clubs. Das ist für uns schon ein kleiner Vorteil.

bundesliga.de: Aber verstecken muss sich Schalke nicht hinter Dortmund und Bayern?

Unnerstall: Auf keinen Fall! Wenn wir so weiter spielen, können wir oben dran bleiben. Auch spielerisch läuft es gut bei uns. Man hat das auch gegen Stuttgart gesehen. Das Tor von Julian Draxler etwa war sehr gut herausgespielt, eine richtig schöne Kombination. Es klappt immer besser.

bundesliga.de: Sie selbst haben im internen Torwartduell weiter die Nase vorn. Waren Sie vorher sicher, auch gegen Stuttgart wieder als Nummer 1 aufzulaufen?

Unnerstall: Ich habe natürlich gehofft, dass ich die Nummer 1 bleibe. Zum Glück hat es sich bestätigt. Ich habe es aber auch erst kurz vor dem Spiel erfahren, als der Trainer die Aufstellung bekanntgegeben hat. Natürlich muss ich auch weiterhin um diesen Status kämpfen und meine Position bestätigen, damit der Trainer keinen Grund zum Wechseln hat. Aber wenn ich weiter konstant meine Leistung bringe, denke ich schon, dass ich im Tor bleibe.

bundesliga.de: In der Abwehr vor Ihnen gab es erneut Wechsel. Erst rückte Höwedes in die Innenverteidigung, dann nach seiner Verletzung Metzelder. Ein Problem für Sie?

Unnerstall: Natürlich ist das jedes Mal eine Umstellung. Es ist schon ein Unterschied, ob Höwedes, Metzelder oder Matip in der Innenverteidigung spielt. Aber alle machen ihre Sache gut. Und man hat auch an diesem Beispiel gesehen, dass wir einen super Kader haben und unsere Ausfälle kompensieren können.

bundesliga.de: Apropos Ausfälle: Auch Jones und Holtby haben gegen den VfB gefehlt - aber Schalke scheint alle Sorgen wegzustecken.

Unnerstall: Wie gesagt: Wir haben einen sehr guten Kader und fangen das mit der gesamten Mannschaft gut auf. Wir rücken in diesen Situationen noch enger zusammen. Bislang haben wir alle Ausfälle auf diese Weise kompensieren können. Das beweist einfach nur, dass wir einen auch qualitativ sehr dichten Kader haben.

bundesliga.de: Mit Chinedu Obasi hat gegen Stuttgart erstmals ein Neuzugang in der Elf gestanden. Wird er Schalke weiterhelfen können?

Unnerstall: Er ist menschlich absolut in Ordnung und als Spieler hilft er uns sicher weiter. Er ist sehr schnell, man kann ihn auch mal lang schicken und den Ball in die Tiefe spielen. Das ist das, was wir aufgrund des Ausfalls von Jefferson Farfan gebraucht haben.

bundesliga.de: Am nächsten Spieltag geht es für Schalke nach Köln. Was rechnen Sie sich dort aus?

Unnerstall: Die Frage bei Köln ist immer, ob Lukas Podolski spielen kann und wie er drauf ist. Dadurch zeigen sie mal bessere und mal schlechtere Spiele. Für Köln ist Podolski sicher der Schlüsselspieler. Wenn er dabei ist, wird es für uns darauf ankommen, ihn auszuschalten.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte