Im Moment kann Felix Magath offensichtlich machen, was er will - es gelingt immer. Als der Trainer und Manager von Schalke 04 bei seiner Rückkehr nach München dem 18 Jahre alten Joel Matip ausgerechnet gegen den FC Bayern zum Debüt verhalf, war die Skepsis bei den Experten groß.

Nach dem 1:1 (1:1) gegen den deutschen Rekordmeister hatte der Erfolgscoach wieder einmal alle eines Besseren belehrt. Matip überzeugte als zentraler defensiver Mittelfeldspieler und erzielte in der 43. Minute auch noch den Ausgleichstreffer.

Auswärts ungeschlagen

Schalke bleibt damit auswärts ungeschlagen und die beste Auswärtsmannschaft der Bundesliga. Doch die Ziele will Magath trotzdem (noch) nicht nach oben korrigieren. Man habe in den letzten drei Spielen gegen die Spitzenmannschaften aus Hamburg (3: 3), Leverkusen (2:2) und jetzt München jeweils Remis gespielt.

"Deshalb ist die Situation schwer zu bewerten. Wir haben uns gut geschlagen. Aber wenn wir uns am Ende der Vorrunde weiterhin im oberen Drittel aufhalten, ist das schon mehr als ich erwartet habe", sagte der Wolfsburger Meister-Coach der vergangenen Saison.

Magath setzt auf junge Talente

Der unerwartete Höhenflug trägt auf jeden Fall die Handschrift von Magath, der in den vergangenen vier Jahren schon die Bayern (2005 und 2006) und den VfL (2009) zum Meister gemacht hat. Doch während der 56-Jährige in München und Wolfsburg auch die nötige finanzielle Unterstützung zur Verfügung hatte, muss er sich bei Schalke mit bescheidenen Mitteln begnügen.

Doch Not macht erfinderisch - was nicht nur das Beispiel Matip unterstreicht. In Lukas Schmitz, Christoph Moritz, Vasilis Pliatsikas, Lewis Holtby oder Levan Kenia baute Magath in dieser Saison bereits einige Talente ins Schalker Team ein. Gegen Leverkusen wechselte er den kleinen Vicente Sanchez ein, der ganz schwach spielte und dann ausgerechnet per Kopf den späten Ausgleich erzielte.

"Fantastische erste Halbzeit" von Matip

Die Aufgabe beim Altmeister Schalke sei "viel reizvoller" als etwa beim FC Bayern, "weil der FC Bayern die Strukturen hat, die wir erst noch herstellen müssen." Werte schaffen statt Werte verpflichten heißt Magaths Devise bei den "Königsblauen": "Geld alleine reicht nicht. Das hat es noch nie."

So freute sich Magath am Samstag sichtlich, dass ihm mit der Nominierung von Neuling Matip erneut ein Schachzug gelungen war. Dies sei wieder ein "junger Spieler, der mir quasi zugelaufen ist", sagte er und lobte den 18-Jährigen fast überschwänglich: "Er hat eine fantastische erste Halbzeit gespielt, hat seine Aufgabe hervorragend gelöst und war immer präsent. Auch in der zweiten Halbzeit war er noch sehr gut, hat seine Pässe sicher gespielt."

"Ein super Film, in dem ich gerade bin"

Joel Matip, jüngerer Bruder des Kölner Profis Marvin, spielte zunächst im zentralen defensiven Mittelfeld und wechselte dann in der Schlussphase auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung.

"Gespielt, ein Tor gemacht - ein super Film, in dem ich gerade bin", sagte Matip, der erst am Samstagmittag von seinem Einsatz erfahren hatte: "Der Trainer hat mich gefragt, ob ich mir zutraue, die Aufgabe zu erfüllen. Und ich habe ja gesagt." So einfach ist das.