Leverkusen - Das Trainerkarussell dreht sich munter weiter. Worüber schon seit einigen Wochen spekuliert wurde, ist nun offiziell. Jupp Heynckes verlässt Bayer Leverkusen am Saisonende. Sein Nachfolger wird Robin Dutt, derzeit Trainer beim SC Freiburg. Unterdessen zeigte sich die "Werkself" beim Sieg gegen Schalke unbeeindruckt vom Wirbel hinter den Kulissen.

Die Entscheidung, seinen Vertrag in Leverkusen nicht zu verlängern sei ihm sehr schwer gefallen. "Bayer 04 Leverkusen ist ein sehr gut geführter Verein mit einer tollen Mannschaft, zu der ich ein tolles Verhältnis habe", sagte Heynckes, der die "Werkself" zur Saison 2009/10 übernommen und als Vierter in die Europa League geführt hatte.

Platz 2 bleibt das Ziel

Aufgrund der zwei erfolgreichen Jahre habe der 65-Jährige lange mit sich gerungen, letztlich aber entschieden, sein Engagement - wie ursprünglich geplant - zu beenden. Nun möchte sich Heynckes mit der direkten Qualifikation für die "Königsklasse" verabschieden: "Ich werde alle meine Kraft einsetzen, um den 2. Tabellenplatz in der Bundesliga zu festigen und die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen."

Einen wichtigen Schritt dorthin haben die Leverkusener mit dem 2:0-Heimsieg gegen Schalke 04 gemacht. Drei Tage nach dem Aus in der Europa League beim FC Villarreal präsentierten sich die "Werkskicker" gut erholt. Bereits in den ersten 30 Minuten legten sie den Grundstein zum letztlich ungefährdeten Erfolg gegen "Königsblau", das sich im Spiel eins nach Felix Magath unter Interimscoach Seppo Eichkorn über weite Strecken harmlos präsentierte.

Der Blick geht nach unten

"Wir haben heute eindrucksvoll als Mannschaft agiert. Eigentlich hatten wir Schalke etwas aggressiver erwartet, aber wir haben sie auch nicht ins Spiel kommen lassen", sagte Bayer-Kapitän Simon Rolfes. Trotz des inzwischen auf sieben Punkte geschrumpften Rückstands auf Spitzenreiter Dortmund sei das Hauptziel weiterhin, Platz 2 zu verteidigen.

"Unser Vorsprung auf Hannover ist kleiner als der Rückstand auf Dortmund, von daher schauen wir erst einmal zurück und nicht nach oben", sagte Rolfes, der nach dem Spiel im Exklusiv-Gespräch mit bundesliga.de noch auf den Verbleib von Trainer Heynckes hoffte: "Alle wünschen sich, dass er weitermacht, weil wir sehr gut miteinander harmonieren. Aber man muss seine Entscheidung respektieren".

Ähnlich äußerte sich auch Eren Derdiyok, der Bayer mit einem Traumtor vom rechten Strafraumeck aus ("Da hat alles gepasst") in der 19. Minute in Führung gebracht hatte. "Es wäre sehr schade, wenn der Trainer gehen würde", sagte der Schweizer Nationalspieler.

Beste Leistung von Ballack

Rund um die Trainerfrage rückte die Leistung von Michael Ballack fast in den Hintergrund. Der "Capitano" lieferte auf der ungewohnten Position im offensiven Mittelfeld sein bislang bestes Spiel im Bayer-Trikot ab.

"Michael hat eine erfreuliche Leistung auf dieser Position gezeigt und diese gut interpretiert. Er war sehr laufstark und hat das Spiel mitgestaltet. Das hat gut ausgesehen", lobte Heynckes den 34-Jährigen.

Dutt schon lange Wunschkandidat

Zu einem möglichen Engagement beim Rekordmeister erklärte Heynckes. "Es haben noch keine Verhandlungen mit dem FC Bayern stattgefunden". Kontakt habe es allerdings bereits gegeben.

In Robin Dutt hat Bayer seinen Wunschkandidaten verpflichtet. Der ohnehin für die übernächste Saison geplante Trainerwechsel wird nun kurzerhand vorgezogen. Der 46-Jährige, dessen Vertrag bei den Breisgauern noch bis 2012 läuft, erhält in Leverkusen einen Zwei-Jahres-Vertrag plus einjähriger Option. "Robin Dutt war immer unser erster Ansprechpartner, egal ob 2011 oder 2012", sagte Bayers Sportchef Rudi Völler.

Dutt zeigte sich dankbar, dass sein Arbeitgeber ihn trotz des noch laufenden Vertrags ziehen lässt. "Ich freue mich sehr auf die Herausforderung in Leverkusen. Die mir vermittelte Philosophie von Bayer 04 Leverkusen entspricht auch meiner Sichtweise auf den Fußball", sagte der gebürtige Kölner, der kommende Saison nun also aller Voraussicht nach einen Champions-League-Teilnehmer übernimmt.

Aus Leverkusen berichtet Markus Hoffmann