Zusammenfassung

  • Jhon Cordoba möchte bei Köln den Abgang von Anthony Modeste vergessen machen

  • Der Kolumbianer sagt: "Ich arbeite hart daran, am nächsten Spieltag zu treffen"

  • Im Interview spricht er auch über berühmte Landsmänner wie James Rodriguez oder Faryd Mondragon

Köln - Zwei Niederlagen in zwei Partien – der Saisonstart des 1. FC Köln ist misslungen. In der Domstadt aber lässt man sich davon nicht aus der Ruhe bringen, wie Jhon Cordóba berichtet. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der kolumbianische Stürmer über den Umgang mit der aktuellen Situation, über seine Gründe für den Wechsel aus Mainz in die Domstadt und über seinen Landsmann James und die Bedeutung der Bundesliga in Südamerika.

bundesliga.de: Señor Cordóba, ob in Mainz, in Köln oder in Hannover – in der Bundesliga wird überall sehr guter Fußball gespielt. Warum ist der Schritt von Mainz nach Köln für Sie dennoch ein weiterer Schritt nach vorne in Ihrer Karriere?

Jhon Cordóba: Köln ist ein Verein mit langer Tradition und mit großer Historie. Ein Verein, bei dem die Fans immer hinter ihrer Mannschaft stehen. Das gefällt mir. Zudem haben mir die Verantwortlichen, der Trainerstab und der Sportdirektor vom ersten Moment an das Gefühl gegeben, dass man mich unbedingt nach Köln holen möchte.

bundesliga.de: Den Saisonauftakt allerdings hat man sich in Köln anders vorgestellt. Woran liegt es, dass der FC noch nicht an die Leistungen der vergangenen Saison anknüpfen kann?

Cordóba: Wir bleiben gelassen, es sind doch gerade einmal zwei Spieltage gespielt. Ich denke, dass wir zum Beispiel in Mönchengladbach ganz ordentlich gespielt haben. Dort hatte ich in der ersten Halbzeit eine gute Möglichkeit. Hätte ich die genutzt, wäre es vielleicht ganz anders gelaufen.

"Stürmer werden nun einmal an ihren Toren gemessen, und ich habe noch nicht getroffen."

bundesliga.de: Tatsache ist, dass Experten und Kritiker Ihre bisherigen Leistungen gegen Gladbach und den HSV als sehr ansprechend bewertet haben. Waren Sie selbst auch mit sich zufrieden?

Cordóba: Ganz ehrlich: Ich wünschte, sie wären noch besser gewesen. Stürmer werden nun einmal an ihren Toren gemessen und ich habe noch nicht getroffen. Aber ich arbeite sehr hart daran, dass sich das schon am nächsten Spieltag ändern wird.

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bundesliga.de: Sie sind Kölns Königstransfer, und es ist kaum zu vermeiden, dass einige Sie an Anthony Modeste messen. Wie geht ein 24-jähriger mit dieser großen Bürde um?

Cordóba: Daran bin ich schon gewöhnt. Auch in Mainz war ich der damalige "Königstransfer" und es hat danach dennoch alles gut funktioniert. Keine Frage: Tony Modeste hat eine wunderbare Saison gespielt, das war wirklich hervorragend. Unabhängig davon möchte ich jetzt beweisen, dass man mit meiner Verpflichtung absolut richtiggelegen hat.

bundesliga.de: Mit Mainz konnten Sie bereits Europa-League-Erfahrung sammeln, mit dem FC dürften nun die Partien gegen den FC Arsenal große Fußballfeste werden. Was trauen Sie Ihrem neuen Team zu?

Cordóba: Das werden wunderbare Duelle. Jeder wünscht sich, gegen große Mannschaften zu spielen, und mit Arsenal haben wir eine ganz große Mannschaft bekommen. Aber wir sind auch ein gutes Team und das werden wir zeigen.

"Ich bin nicht nach Köln gekommen, um Karneval zu feiern."

bundesliga.de: Die Begeisterung in Köln über die Europa-League-Teilnahme wird nur noch getoppt durch den Karneval. Haben Sie – trotz der Erfahrung mit dem Mainzer Karneval – eine Ahnung, was da auf Sie zukommt?

Cordóba: Ich weiß, dass Karneval in Köln noch ein ganzes Stück größer ist als in Mainz. Kein Wunder, die Stadt ist ja auch größer. (lacht) Im Ernst: Ich habe ein bisschen über den Kölner Karneval gelesen, aber ich bin ich nicht nach Köln gekommen, um mich zu verkleiden und Karneval zu feiern, sondern um gut und erfolgreich Fußball zu spielen. Darauf konzentriere ich mich voll und ganz.

bundesliga.de: Der Karneval spielt auch in Ihrer Heimat Kolumbien eine große Rolle. Welche Rolle aber kommt der Bundesliga in Kolumbien bzw. in Südamerika zu?

Cordóba: Die Bundesliga gehört zu den besten Ligen der Welt. Und weil die Menschen in Kolumbien den Fußball lieben, lieben sie auch die Bundesliga und schauen viel deutschen Fußball.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Maja Hitij

bundesliga.de: Was sind unter fußballerischen Gesichtspunkten die größten Unterschiede zwischen der Bundesliga und den Ligen auf Ihren vorherigen Stationen in Kolumbien, Mexiko und Spanien?

Cordóba: Der Fußball in diesen Ligen unterscheidet sich sehr. In der Bundesliga ist das Spiel sehr athletisch, sehr intensiv, sehr schnell. Man hat kaum einen Moment Zeit, um einmal durchzuatmen. In Spanien legt man etwas mehr Wert auf Taktik, in Mexiko gibt es sehr viele Zweikämpfe in der Luft. Und in Kolumbien nimmt sich ein Spiel schon einmal längere Pausen, wenn die Teams das Tempo herunterschrauben.

bundesliga.de: In dieser Saison werden wir die deutschen Fans viele neue Gesichter aus Mittel- und Südamerika sehen, wie Sergio Córdova aus Venezuela oder Lucas Alario aus Argentinien. Was raten Sie denen, um sich in der Bundesliga schnell zurechtzufinden?

"Es ist immer positiv, Spieler wie James in der eigenen Liga zu haben, und ich hoffe wirklich, dass sich so die Türen für weitere meiner Landsleute öffnen."

Cordóba: Ich rate ihnen vor allem, die tollen Erfahrungen in der Bundesliga, die Begeisterung der Fans und die großartigen Stadien in vollen Zügen zu genießen. Wenn sie bereit sind, alles für ihre neuen Clubs zu geben, werden die Fans sie schnell ins Herz schließen. Gut ist, wenn man nicht ganz alleine ist in der neuen Heimat. Deshalb war und ist es für mich wichtig, dass meine Familie und meine Freundin mich immer unterstützen und oft besuchen. Und natürlich spielt auch die Sprache eine Rolle. In Mainz hatte ich es diesbezüglich etwas leichter, weil dort sieben oder acht Spieler Spanisch gesprochen haben.

bundesliga.de: Was macht Ihr Deutsch?

Cordóba: Na ja. (lacht). Ich bemühe mich!

bundesliga.de: Apropos lateinamerikanische Neuzugänge: Beim FC Bayern München ist Ihr Landsmann James Rodríguez der Top-Transfer des Sommers. Könnten Sie beide zu Türöffnern für weitere Kolumbianer in der Bundesliga werden?

Video-Rückblick: Cordobas Weg in die Bundesliga

Cordóba: Unbedingt. Dank James wird die Bundesliga noch interessanter für Kolumbianer. Es ist immer positiv, Spieler wie James in der eigenen Liga zu haben, und ich hoffe wirklich, dass sich so die Türen für weitere meiner Landsleute öffnen.

bundesliga.de: In Spanien haben Sie bereits gegen James gespielt. Was trauen Sie ihm zu in der Bundesliga?

Cordóba: Qualität, sehr viel Qualität! Wenn er gesund ist, kann man ihn nicht stoppen. Dann ist er für jede Mannschaft der Welt eine Verstärkung.

bundesliga.de: In der Bundesliga sind Sie beide Kontrahenten, in der Nationalmannschaft Teamkollegen. Wie bewerten Sie Kolumbiens Chance auf die Teilnahmen an der WM in Russland?

Cordóba: Jeder Spieler träumt davon, bei einer WM dazu sein. Für mich wäre es das erste Mal und ich wünsche mir wirklich von ganzem Herzen, dass es klappt. Kolumbiens Chancen auf die Teilnahme stehen jedenfalls gut. Aktuell liegen wir in der Qualifikation auf dem zweiten Tabellenplatz hinter Brasilien.

"Leute wie Faryd Mondragon haben Spielern wie mir den Weg in die Bundesliga geebnet."

bundesliga.de: Lassen Sie uns noch über einige Ihrer Landsleute sprechen, die bereits Bundesliga-Geschichte geschrieben haben: Wussten Sie, dass Faryd Mondragon beim 1. FC Köln zum ersten südamerikanischen Torhüter der Bundesliga wurde?

Cordóba: Natürlich, das weiß ich! Leute wie er haben Spielern wie mir den Weg in die Bundesliga geebnet. Diesen Spielern ist es zu verdanken, dass man in der Bundesliga weiß, dass man auf kolumbianische Spieler zählen kann.

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Maja Hitij

bundesliga.de:  Sie waren gerade geboren als Adolfo Valencia 1993 mit dem FC Bayern Deutscher Meister wurde. "El Tren" war damals der beste Torschütze der Bayern. Träumen Sie auch von der Meisterschale?

Cordóba: Natürlich. Jeder Spieler träumt von Titeln und Ehrungen, davon Torschützenkönig und Meister zu werden. Das wird schwer, aber unmöglich ist es nicht.

bundesliga.de: Mit wie vielen Toren wollen Sie in dieser Saison anfangen?

Cordóba: Mit vielen. Viele Tore zu schießen, das ist immer mein Ziel (lacht).

Das Gespräch führten Jaime Duque Cevallos und Andreas Kötter