Köln - In der Hitliste der brisantesten Derbys der Bundesliga gehört es sicher in die Top drei. Das rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach elektrisiert seit Jahrzehnten die Fans. Am Samstag kommt es nun zur 86. Auflage in der Bundesliga. In der Gesamtbilanz liegen die Fohlen weit vorne, doch in den letzten Jahren war der Effzeh unter Peter Stöger ein gleichwertiger Gegner.

46 der bislang gespielten 85 Derbys konnte Borussia Mönchengladbach gewinnen, nur 23 gingen an den 1. FC Köln. Zwischen 2010 und 2012 deklassierte die Elf vom Niederrhein die Domstädter gleich viermal nacheinander bei 15:1 Toren. Die Zeiten haben sich aber geändert, seit die Geißbockelf unter Trainer Peter Stöger den Wiederaufstieg in die Bundesliga schaffte. Seitdem ist die Statistik komplett ausgeglichen: zwei Derbys gingen an Köln, zwei an Gladbach, eins endete torlos. Überhaupt fielen in diesen fünf Nachbarschaftsduellen nur sechs Treffer, drei auf jeder Seite.

Das letzte Tor war vielleicht das Spektakulärste. Marcel Risse drosch einen Freistoß in der Nachspielzeit aus großer Distanz in den Winkel des Gladbacher Gehäuses. Es war das Siegtor zum 2:1-Auswärtserfolg und ein so schöner Treffer, dass er von den Zuschauern der ARD zum "Tor des Jahres 2016" gewählt wurde. "Das war die pure Euphorie. Wenn ich mir eine Situation hätte aussuchen dürfen, in der ich so ein Tor schieße, hätte ich definitiv die letzte Minute im Derby gegen Mönchengladbach genommen", jubelte der Torschütze nach der Heldentat. "Es war schon ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich habe noch kein emotionaleres Tor geschossen."

Rückblick: Risse schießt Köln zum Derbysieg

Risse fehlt beim Derby des Jahres 2017, von ihm geht für die Borussia diesmal keine Gefahr aus. Dafür verbreitet ein anderer Kölner derzeit in der Bundesliga Angst und Schrecken und nötigt auch dem rheinischen Rivalen höchsten Respekt ab. "Mit Anthony Modeste haben sie einen Torjäger, der momentan aus fast nichts Tore macht", sagt Borussia-Sportdirektor Max Eberl. 22 Mal schon hat der Franzose in dieser Saison geknipst, auch im Hinspiel war erfolgreich.

"Damals haben wir eine sehr bittere Niederlage erlebt", ärgert sich Jonas Hofmann heute noch, um anerkennend hinzuzufügen: "Köln ist eine kampfstarke Mannschaft, die niemals aufgibt." Vier Punkte und vier Tabellenplätze liegen die Nachbarn in der Tabelle auseinander. Mönchengladbach kann mit einem Sieg im RheinEnergieStadion wieder ganz nah an die Domstädter heranrücken. In den beiden letzten Partien in Köln aber blieb die Elf vom Niederrhein torlos.

"Es wird Zeit, dass wir das ändern", gibt sich Patrick Herrmann angriffslustig. "Das Derby war schon in der Jugend immer brisant. So ein Spiel will man nicht verlieren. Und das werden wir auch nicht. Gerade in Köln zu gewinnen, ist immer etwas Besonderes." Herrmanns Erfolgsrezept lautet: Modeste ausschalten. "Es geht darum, extrem aufzupassen und den Kölnern keine Chance zu geben. Das wird der Schlüssel zum Erfolg sein." Optimistisch stimmt den Borussia-Angreifer die gute Rückrunde seiner Mannschaft. "Daran müssen wir anknüpfen. Vielleicht können wir dann noch einmal oben ein Wörtchen mitreden."

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Das wünscht sich auch der Sportdirektor. "Es wird schwer, sich in dieser hitzigen Atmosphäre gegen eine sehr kompakt stehende Mannschaft durchzuspielen", sagt Max Eberl. "Aber ich freue mich darauf und bin gespannt, wie unsere Jungs das lösen werden." Die Kölner ihrerseits gehen das Derby mit der Gelassenheit dessen an, der bereits viel mehr erreicht hat, als er vor der Saison erwartet hat und mit dem Bewusstsein, selbst bei einer Niederlage weiterhin vor der Borussia zu rangieren.

Horn: "Derbys sind immer sehr emotional"

"Die Derbys gerade gegen Gladbach sind immer sehr emotional", weiß der gebürtige Kölner Timo Horn. "Ich hoffe, dass alles friedlich bleibt, das ist bei aller Rivalität ganz wichtig. Wir müssen versuchen, sofort da zu sein, aggressiv in den Zweikämpfen zu sein und einen besseren Zugriff zu bekommen als gegen Eintracht Frankfurt in der ersten Halbzeit." Gegen die Hessen tat sich der FC schwer, siegte aber am Ende mit 1:0.

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"Ich erwarte, dass die Borussia von Anfang an aggressiv zu Werke gehen wird", meint der FC-Keeper. "Wir müssen dagegen halten, unser eigenes Spiel durchbringen und versuchen, im eigenen Stadion die Fans mit gewonnenen Zweikämpfen und einem guten Passspiel mitzunehmen. Dann haben wir gute Chancen, auch diese Top-Mannschaft der Bundesliga zu schlagen." Gelingt den Kölner der Dreier, hätten sie Gladbach erst einmal sieben Punkte hinter sich gelassen. Dann nimmt der Traum von Europa langsam Konturen an.

Tobias Gonscherowski