Posen - Wayne Rooney zögerte nur Sekunden, dann ließ er das Fallbeil herabsausen. "Was für ein Idiot! Manchmal machen die Leute einen wahnsinnig!", tippte der englische Star-Fußballer erzürnt in sein Smartphone - und erreichte damit immerhin vier Millionen Twitter-Follower. Ziel seiner Attacke: Pepe (29), der portugiesische Innenverteidiger mit dem Ruf des Knochenbrechers. Der Mann, der am Samstag im ersten EM-Gruppenspiel im ukrainischen Lwiw (20:45 Uhr) den deutschen Torjäger Miroslav Klose stoppen soll.

Der mit "kompromisslos" noch äußerst moderat beschriebene Koloss von Real Madrid hatte Lionel Messi vom Erzrivalen FC Barcelona im Pokal-Clasico am 18. Januar absichtlich brutal auf die Hand getreten - während sich der Argentinier nach einem schlimmen Foul von Jose Callejon auf dem Rasen wälzte. Derart brutal ging Pepe vor, dass er von Fans für den Tritt angezeigt wurde. "Pepe Peinlich", so nannte ihn anschließend selbst das Real-Hausblatt "Marca". Und "AS" fügte hinzu: "Er hat im Fußball nichts zu suchen!"

"Niemals die Absicht, jemanden zu verletzen"



Doch Pepe ist immer noch auf der Suche. Nach dem nächsten Zweikampf, dem nächsten Duell Mann gegen Mann, dem Ball, dem Erfolg. Mit allen Mitteln. Und diese, das ist seine Philosophie, können eben nicht immer fairster Natur sein. "Ich gebe meinen Leib und meine Seele", hat Pepe einmal gesagt. Ohne Rücksicht auf Verluste oder Gegenspieler. Jedoch: "Ich habe niemals die Absicht, jemanden zu verletzen." Er nimmt es nur in Kauf.

Und genau das macht Pepe, den gebürtigen Brasilianer mit dem prachtvollen Namen Kepler Laveran Lima Ferreira, stark. Er kann seinen Gegenspielern Angst einjagen, nicht nur durch einen eisigen und stechenden Blick aus tiefliegenden Augen. Respekt ist das Mindeste, was filigrane Techniker mit Hang zum Tänzchen ihm entgegenbringen sollten. Sonst wird es schmerzhaft.

Privat umgänglich, auf dem Platz "Amokläufer"



Dabei gilt Pepe privat als äußerst umgänglich. Das kann kaum glauben, wer sich einmal seinen fußballerischen "Amoklauf" am 21. April 2009 angeschaut hat. Pepe läuft im Strafraum neben seinem Gegenspieler Javier Casquero, schubst ihn zu Boden - dann tritt er noch zweimal wie ein Pferd auf Casquero ein, als gelte es, einen 40-Meter-Freistoß unter die Querlatte zu hämmern. Dann drückt er noch das Gesicht Casqueros in den Rasen, stampft auf ihn ein, ohrfeigt einen anderen Spieler des FC Getafe und bescheinigt dem vierten Referee, einer Prostituierten entsprungen zu sein.

Torwart-Denkmal Iker Casillas sah sich genötigt, mäßigend auf seinen Mitspieler einzuwirken. "Was Pepe getan hat, kann man nicht machen, wenn man das Real-Madrid-Trikot trägt", sagte er. Und Pepe? Erklärte seinen Blackout mit einem Blackout. "Das ist nicht meine Art. Das ist alles sehr schnell passiert - und ich habe den Kopf verloren." Nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal.

Dennoch ist er der einzige Innenverteidiger, der bei den Königlichen seit Jahren gesetzt ist. Denn Pepe hat durchaus auch technische Qualitäten. Und im Regelfall eine gute Zweikampfführung, zwar am Rande der Legalität, aber dennoch meistens im Rahmen. Wenn er nicht, wie jüngst ein Kommentator behauptete, zuvor wieder mal "Stierblut getrunken" hat.