Tourrettes - Mal zwickt der Knöchel, mal tut der Rücken weh. Man kommt halt in die Jahre, auch als Berufs-Torjäger. Aber die kleinen Wehwehchen, die Miroslav Klose während der EM-Vorbereitung immer wieder mal zu einer Trainingspause zwingen, können den unbändigen Optimismus des WM-Torschützenkönigs von 2006 hinsichtlich der EURO in seinem Geburtsland Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) nicht mindern.

"Natürlich wollen wir den Titel holen, und wir haben in unserer Mannschaft auch die Qualität dafür", sagt Klose, der seinen 34. Geburtstag am 9. Juni wahrscheinlich auf dem Platz in Lwiw beim ersten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal feiern wird. Für den früheren Münchner, der sich mittlerweile in der italienischen Serie A bei Lazio Rom durchgesetzt hat und bei den "Biancocelesti" wie auch in der Nationalelf ein absoluter Leistungsträger ist, soll sich bei seiner sechsten Teilnahme an einem großen Turnier endlich sein Traum erfüllen.

Fünf Treffer fehlen auf Müller



"Ich war zweimal Zweiter und zweimal Dritter, da will man natürlich einen Titel holen", sagt er. Bei seiner ersten WM 2002 in Japan und Südkorea hatte der damalige Lauterer gleich mit fünf Toren für Furore gesorgt, wurde am Ende Vize-Weltmeister. Vier Jahre später bei der Heim-WM in Deutschland sicherte er sich mit genau so vielen Treffern als bester Torschütze des Turniers sogar den Goldenen Schuh. Platz drei stand unter dem Strich für die deutsche Mannschaft ebenso wie vor zwei Jahren in Südafrika. Zudem steht noch die Vize-Europameisterschaft 2008 auf der Visitenkarte von Miroslav Klose.

Der im schlesischen Oppeln geborene Goalgetter, der sich gerne beim Angeln in seiner Heimat entspannt, kann in den nächsten Wochen noch weitere Geschichte schreiben. Denn mit 63 Treffern (in 114 Spielen) ist Klose dem "ewigen" Rekord von Gerd Müller (68 Tore) ganz dicht auf den Fersen. Bereits im Länderspiel am Samstag in Basel gegen die Schweiz (ab 17.45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) kann er weiter auf den "Bomber der Nation" Boden gut machen. "Daran denkt man gar nicht bewusst, aber natürlich wird man immer wieder mit dieser magischen Marke konfrontiert", sagt Klose, der gegen die Eidgenossen in Abwesenheit der Münchner Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger voraussichtlich als Kapitän auflaufen wird.

Löw optimistisch



Ob Klose, der trotz der Konkurrenz von Bayern-Torjäger Mario Gomez im 4-2-3-1-System von Bundestrainer Joachim Löw für die EURO gesetzt ist, spielt, ist aber noch offen. Denn wegen diverser Blessuren, laut medizinischer Abteilung aber nur "Kleinigkeiten", musste er zuletzt im Trainingslager der Nationalelf im südfranzösischen Tourrettes kürzer treten.

"Keiner kennt seinen Körper besser als Miro, deshalb darf er auch selbst mitentscheiden, wie und wann er trainiert", sagt Löw, der darauf vertraut, dass seine Tormaschine wie bei den vergangenen Turnieren auch rechtzeitig wieder einsatzbereit ist. Nachdem ein Muskelriss im Oberschenkel Klose in der Endphase der Saison zu einer längeren Pause gezwungen hatte, bringt er sich an der Cote d'Azur gezielt wieder in Topform. "Ich bin mir sicher, dass wir bei der EURO wieder den Klose erleben, den wir kennen", sagte Löw. Am besten den Salto-Klose, der am Ende akrobatisch den Titel und möglicherweise auch einen Rekord für die Ewigkeit feiern kann.