Dortmund - Jürgen Klopp redet nicht über ungelegte Eier. Von Hochrechnungen, nach denen Borussia Dortmund bereits vorzeitig als Deutscher Meister feststehen könnte, will der Trainer nichts wissen.

Um die Konzentration auf den Titelendspurt trotz des komfortablen Vorsprungs auf Leverkusen hochzuhalten, bedient sich der 43-Jährige vor dem Gastspiel beim Tabellen-Schlusslicht Borussia Mönchengladbach (Sa., ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) eines Video-Clips des Internetportals Youtube mit Symbolcharakter.

"...und es haut ihn voll auf die Fresse…"

"Da findet man den Schlussspurt eines Radfahrers, der auf der Zielgeraden die Arme hochreißt. Das Rad gerät ins Schlingern, und es haut ihn voll auf die Fresse - und von hinten kommt einer. Er versucht das Fahrrad zu schieben, aber das geht nicht, weil er eine Acht im Vorderrad hat, und er kommt als guter Zweiter ins Ziel", berichtete Klopp sichtlich amüsiert. Es ginge ihm nicht darum zu erzählen, "was alles noch Negatives passieren kann, es geht darum, dass wir die fantastische Saison ausreizen bis zum Schluss".

Außerdem treffe der BVB auf einen Gegner, "der gegen den drohenden Absturz in den Abgrund kämpft". Für seine Mannschaft gehe es darum, in der anderen Richtung etwas zu erreichen. "Und wir werden feststellen, wer mehr Gier und Willen daraus entwickeln kann", sagte Klopp.

Nur ungern erinnert sich der Coach an das letzte Saisonspiel in Gladbach vor zwei Jahren, als der BVB gegen defensive Gastgeber über ein 1:1 nicht hinauskam und die Teilnahme an der Europa League verspielte. Diesmal, hoffe er auf "ein positives Erlebnis".

Große Unterstützung

So wie die BVB-Fans. Am Samstag wird sich eine Blechkarawane durch das Ruhrgebiet in Richtung Niederrhein bewegen. Rund 20.000 BVB-Fans werden zum Borussia-Park nach Mönchengladbach reisen.

Dass die Meisterschale demnächst in einer Vitrine in Dortmund stehen wird, ist selbst für die größten Pessimisten keine Frage mehr. Die Vergangenheit spricht für die "Schwarz-Gelben". Denn findige Statistiker haben herausgefunden: Wann immer ein Team mit sieben Siegen in die Saison gestartet war, hieß der Meister am Ende Borussia Dortmund. Das traf auf Bayern München (1995/96) und den 1. FC Kaiserlautern (2001/02) zu. In der laufenden Saison war Wegbereiter ausgerechnet der 1. FSV Mainz 05, der ehemalige Club von Klopp.

Favre zuversichtlich

Den BVB erwartet in Gladbach allerdings keine leichte Aufgabe - im Gegenteil. Die "Fohlen" kämpfen noch um den Klassenerhalt und benötigen dringend Punkte gegen den Spitzenreiter - am besten natürlich drei.

Gladbach-Trainer Lucien Favre blickt der Partie zuversichtlich entgegen. "Es ist kein Zufall, dass Dortmund da steht, wo es steht. Uns muss das aber am Samstag egal sein. Dortmund ist eine sehr starke Mannschaft, die viel Qualität nach vorne hat, insbesondere wenn sie den Ball erobert und kontern kann. Trotzdem dürfen wir nur auf uns schauen", sagte der Schweizer im Interview mit bundesliga.de.

Favre muss ohne Innenverteidiger Dante auskommen, der an einer Oberschenkel-Verhärtung laboriert. Außerdem fehlt Igor De Camargo, der gerade erst seine Innenbanddehnung auskuriert hatte und sein Comeback geben wollte. Er blieb beim Abschlusstraining im Rasen hängen und verdrehte sich das Knie.