"Ich bin überzeugt, dass es für beide Mannschaften schwer wird", sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp vor dem Duell in Turin
"Ich bin überzeugt, dass es für beide Mannschaften schwer wird", sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp vor dem Duell in Turin

Klopp geht kämpferisch ins Duell mit Juventus

Turin - Für Borussia Dortmund ist es eine Reise in die Vergangenheit. Wenn der achtfache Deutsche Meister am heutigen Dienstag Abend zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin antritt (ab 20.30 Uhr im Liveticker), werden auch viele Erinnerungen an 1997 wach - als der BVB in München das Endspiel der Königsklasse gegen Juve gewann.

"Dieser BVB macht mir Angst"

Die Ausgangslage ist heute allerdings deutlich anders als vor knapp 18 Jahren. Damals galt die Startruppe von Juventus als eine der besten Mannschaften der Welt, der BVB war trotz zweier Deutscher Meisterschaften in Folge und vier amtierenden Europameistern in der Startelf krasser Außenseiter. Heute treffen sich die beiden Clubs fast auf Augenhöhe, obwohl Juventus aktuell souverän an der Spitze der italienischen Liga rangiert und der BVB sich erst mit seinen jüngsten drei Siegen in Folge aus der ärgsten Abstiegsnot befreit hat.

Bei den Turinern ist der Respekt vor dem CL-Finalisten von 2012 dennoch groß. "Dieser BVB macht mir Angst", sagt Marcello Lippi, 1997 Juve-Coach und 2006 Italiens Weltmeistertrainer, in einem Interview mit dem Kicker. Und auch Juves Nationalkeeper Gianluigi Buffon traut den Dortmundern einiges zu: "Wir spielen gegen eine der besten Mannschaften Europas. Der BVB kann jeden schlagen, wir haben großen Respekt vor ihnen."

Den haben die Gäste natürlich ebenso vor dem 30-fachen italienischen Meister. Doch trotz der immer noch angespannten Tabellensituation des BVB in der Bundesliga gibt sich Coach Jürgen Klopp kämpferisch: "Man wird es uns nicht ansehen, dass wir im Abstiegskampf stehen. Wir reisen da nicht als Favorit an, aber wir werden versuchen, was geht. Wir wollen ein gutes Ergebnis erreichen." Und weiter: "Übermorgen geht der Abstiegskampf für uns weiter. Aber jetzt ist Achtelfinale Champions League. Da wollten wir unbedingt hin. Jetzt sollten wir uns auch etwas Mühe geben..."

"Das kann interessant werden"

Im Juventus Stadium treffen zwei komplett unterschiedliche Spielsysteme aufeinander. Während das Spiel der Italiener vor allem auf Spielkontrolle ausgelegt ist, agiert der BVB viel forscher und mit mehr Tempo. "Juve hat eine erfahrene Mannschaft, super erfahren sogar, und abgezockt", sagt Klopp über den Gegner: "Sie können mit niedrigem Rhythmus hohe Qualität auf den Rasen bringen. Wir spielen ganz anders. Das kann interessant werden. Man muss die Torchancen nutzen, dann hat man eine richtige Chance."

Bei der Pressekonferenz am Vorabend des Spiels erklärte Klopp den anwesenden italienischen Medienvertretern auch, wie der aktuelle Umschwung beim BVB zustande gekommen ist, der nach nur 15 Punkten in der Hinrunde jetzt schon 10 in fünf Spielen geholt hat. "Das Wichtigste hat sich verändert: die körperliche Verfassung", sagte Klopp. "Wir wussten, dass wir besser sein können als in der Hinrunde, und das ist passiert. Nach den drei Siegen in der Bundesliga ist das jetzt eine tolle Situation."

"Juve ist nicht mehr so weit entfernt von uns"

Die hat er endlich auch einmal in personeller Hinsicht. Mit 23 Spielern ist Borussia Dortmund nach Turin geflogen. Lediglich der verletzte Kevin Großkreutz und der international nicht spielberechtigte Milos Jojic sind zu Hause geblieben. Sämtliche Sorgenkinder der vergangenen Wochen sind hingegen einsetzbar. Auch wenn Kevin Kampl nicht am Abschlusstraining teilnehmen konnte. Dem Slowenen war auf dem Flug nach Nord-Italien schlecht geworden. Zum Spiel im Juventus Stadium, in dem der BVB von 2.300 mitgereisten Fans aus Dortmund unterstützt wird, sollte er aber wieder fit sein.

Und natürlich ließ Klopp auch noch mal seine Gedanken auf das legendäre Champions-League-Finale von 1997 schweifen: "Für Borussia Dortmund war es ein großer Tag in der 106-jährigen Club-Geschichte. Ich glaube, dass Juventus derzeit nicht mehr so weit von uns entfernt ist, wie es damals war."

Tobias Schild