Wolfsburg - Nach der WM ist vor der Bundesliga. Im zweiten Teil des großen Interviews mit bundesliga.de (hier geht's zu Teil 1) spricht VfL-Sportdirektor Klaus Allofs über die Stürmersuche und das Wolfsburger Budget, die Neuzugänge Aaron Hunt und Sebastian Jung sowie das Auftaktmatch in München.

bundesliga.de: Herr Allofs, Sie haben die Frage nach "Belgien und seinen Talenten" bislang elegant umschifft, obwohl mehrfach kolportiert wurde, dass der VfL an Romelu Lukaku und/oder Divock Origi interessiert sein soll. Erschwert es Ihre Arbeit, wenn ein Fußball-Magazin jetzt titelt "Allofs sucht den Superstar"?

Allofs: Das bereitet  mir keine schlaflosen Nächte. Im Übrigen ist die Zeile gar nicht so falsch. Selbstverständlich möchte ich den besten Spieler der Welt verpflichten. Nur darf zu diesem Zeitpunkt noch kaum einer wissen, dass es sich um den besten handelt (lacht). Keine Frage, wir haben bereits eine sehr gute Mannschaft, die wir gerne noch verbessern möchten. Wenn man also nach jungen Spielern schaut, die sehr viel zu bieten haben, ist man schnell in der genannten Kategorie, auch wenn wir dann nicht gleich vom Superstar Messi, vom Superstar Neymar oder vom Superstar Götze reden.

bundesliga.de: Lukaku und Origi würden zweifelsohne in diese Kategorie passen...

Allofs: Es ist kein Geheimnis, dass wir gerne noch einen Stürmer verpflichten würden. Da wird von den Medien viel spekuliert, obwohl - oder gerade weil - wir nie einen Namen bestätigt oder dementiert haben. Dass bei aller Spekulation möglicherweise auch mal ein richtiger Name fallen kann, können wir nicht verhindern.

bundesliga.de: Wie gestaltet sich die Suche jetzt?

Allofs: Das hängt von vielen Faktoren ab, und auch für den VfL Wolfsburg gibt es ein begrenztes Budget - auch wenn das nicht immer so wahrgenommen wird. Selbst wenn wir unsere Ideen am Ende nicht verwirklichen können, sind wir  gut aufgestellt. Ich sehe uns jedenfalls nicht in einem Offensiv-Engpass.

bundesliga.de: Sie verweisen darauf, dass die finanziellen Möglichkeiten auch des VfL nicht grenzenlos sind. Haben Sie Sorge, dass der Kader statt verstärkt durch den Wegkauf eines WM-Stars sogar geschwächt werden könnte (Zu- und Abgänge des VfL im Überblick)?

Allofs: Dass gute Leistungen bei einer WM mögliches Interesse nach sich ziehen, ist normal. Unsere Marschroute lautet aber ganz klar, dass wir niemanden abgeben wollen. Und ich denke, das können wir auch umsetzen.

bundesliga.de: Schon mit dem aktuellen Kader hätte der VfL in der abgelaufenen Saison fast noch die Champions League erreicht. Wie stabil schätzen Sie das von Ihnen und Dieter Hecking bisher gelegte Fundament ein?

Allofs: Sagen wir es so: Ich glaube nicht, dass es ausreichen wird, die sehr gute Leistung aus der vergangenen Saison "nur" zu bestätigen. Wir müssen uns steigern, denn auch die potenziellen Konkurrenten um diese Plätze werden sich vermutlich steigern. Das sollte uns gelingen, noch dazu, wo wir mit Sebastian Jung und Aaron Hunt bereits zwei neue Spieler verpflichten konnten, von denen ich schon jetzt, nach nur wenigen Trainingseindrücken, zu sagen vermag, dass sie unsere Qualität erhöht haben. Aber noch einmal: Es wird nicht reichen, ausschließlich das zu leisten, was wir im vergangenen Jahr geleistet haben. Wir müssen die nächsten Schritte machen!

bundesliga.de: Zum Saisonauftakt können diese Schritte nur über München führen (zur Videovorschau). Ist die Reise zu den Bayern, noch dazu unmittelbar nach einer WM, am ersten Spieltag noch am ehesten zu verkraften?

Allofs: Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Selbstverständlich werden die Bayern mit ihren Weltmeistern antreten. Das bedeutet für diese Spieler aber auch eine Verpflichtung, und ich glaube kaum, dass sie  nur halbherzig an den ersten Spieltag herangehen werden. Wir haben es gegen die Bayern zuletzt über 60 Minuten sehr gut gemacht, diesmal wollen wir es noch etwas länger schaffen. Es  mag eine schwierige Aufgabe sein, gleich beim Meister antreten zu müssen. Wir sehen in dieser Ansetzung  aber die Anerkennung dafür, was der VfL in der vergangenen Saison geleistet hat. Und dass wir nicht ohne Hoffnung in dieses Spiel gehen, ist wohl nur allzu verständlich.

Das Gespräch führte Andreas Kötter