Köln - Dank seiner imponierenden Heimstärke nähert sich der 1. FC Köln mit Riesenschritten dem vorzeitigen Klassenerhalt. Nach dem etwas glücklichen 1:0-Erfolg in buchstäblich letzter Sekunde gegen den 1. FC Nürnberg haben sich die Domstädter einen komfortablen Sieben-Punkte-Vorsprung auf die Abstiegsränge erarbeitet. So können Kölner beruhigt ins prestigeträchtige Derby gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Sonntag gehen.

Um zu begreifen, was derzeit Außergewöhnliches im RheinEnergieStadion in schöner Regelmäßigkeit abgeht, lohnt der Blick zurück. In der Aufstiegssaison holte der FC vor zwei Jahren unter Trainer Christoph Daum vier Heimsiege. Seinem Nachfolger Zvonimir Soldo gelangen in der gesamten vergangenen Spielzeit gar nur drei "Dreier".

Unter Schaefer eine Heimmacht

Und in dieser Saison hat der 1. FC Köln unter Frank Schaefer acht von zehn Heimbegegnungen gewonnen, die letzten sieben in Serie. Dabei gelang den Kölnern außerdem das Kunststück, in allen diesen sieben Spielen Gegner zu schlagen, die in der Tabelle teilweise deutlich vor dem FC rangierten.

Sieben Heimsiege in Folge sind zugleich Bundesliga-Saisonrekord, den sich die Kölner nunmehr mit Bayern München teilen, dem zwischen dem 8. und 22. Spieltag Gleiches gelang. Frank Schaefer interessieren alle diese statistischen Fakten jedoch herzlich wenig.

"Das ist für mich völlig sekundär", sagt der Erfolgscoach: "Ich lebe mit dieser Mannschaft und bin nur fokussiert auf den Klassenerhalt. Da interessieren mich persönliche Rekorde überhaupt nicht. Ich bin total fixiert darauf, mit dieser Mannschaft über die Zielgerade zu kommen." Denn der 47-Jährige weiß auch, wie abhängig der extrem auswärtsschwache FC von dieser Heimstärke ist. "Aus den letzten sieben Heimspielen haben wir 21 Punkte geholt. Das ist eine sensationelle Bilanz", weiß Schaefer. "Wenn wir jetzt nur 15 Punkte geholt hätten, was immer noch sensationell wäre, dann stünden wir auf einem Abstiegsplatz und wären hintendran."

Duelle gegen vier direkte Konkurrenten

So aber steht der 1. FC Köln mit 35 Punkten auf der Habenseite auf Platz 10 in trügerischer Sicherheit. Doch das Restprogramm hat es in sich. In den letzten sechs Spielen treffen die "Geißböcke" mit Mönchengladbach, Stuttgart, Wolfsburg und Frankfurt noch auf vier direkte Konkurrenten, außerdem auf Leverkusen und Schalke. Sich auf den gegenwärtigen Erfolgen ausruhen, ist daher beim fünftbesten Rückrundenteam streng verboten.

"Wir haben nach wie vor noch ein weites Stück vor uns", warnt Schaefer: "Wir haben noch sechs Spiele und können nicht automatisch davon ausgehen, dass wir die fehlenden Punkte holen. Wir müssen Spiel für Spiel angehen. Aber der Sieg gegen Nürnberg war ein großer und ganz wichtiger Schritt für uns."

Rensing: "Das war Ekstase pur"

Die Spieler freuten sich ausgelassen über den dank des Last-Minute-Treffers von Milivoje Novakovic kaum noch für möglich gehaltenen Big Point im Abstiegskampf. "Das war Ekstase pur, das war Wahnsinn", brach es aus FC-Keeper Michael Rensing heraus: "Das war eine Willensleistung, das Tor noch zu machen."

"Wir haben an den Sieg geglaubt", versicherte Mittelfeldspieler Martin Lanig: "Wir haben auch schon in Begegnungen zuvor gezeigt, dass wir Spiele in letzter Sekunde entscheiden können. Zum Glück hat es wieder geklappt."

Podolski: "Wir haben uns den Sieg erarbeitet"

Auch FC-Kapitän Lukas Podolski strahlte: "Wir haben uns den Sieg erarbeitet, weil wir mehr Risiko eingegangen sind. Am Ende haben wir verdient gewonnen, auch wenn wir keinen schönen Fußball geboten haben."

Die Kölner können somit vergleichsweise gelassen ins rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach gehen, das dagegen mit dem Rücken zur Wand steht und um die allerletzte Minimalchance auf den Ligaerhalt kämpft.

"Zuhause läuft es in dieser Saison sehr gut, auswärts leider nicht", bilanziert Podolski: "Jetzt haben wir in Mönchengladbach die Möglichkeit, unsere böse Heimniederlage aus dem Hinspiel wieder gutzumachen." Vor einem halben Jahr wurde der FC beim 0:4 böse auseinander genommen. Die Kölner rutschten nach dem Debakel auf den letzten Platz zurück. Heute trennen sie zwölf Punkte und acht Tabellenplätze von der Borussia. Die Zeiten haben sich geändert...

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski