München - Erst die bittere 1:4-Heimpleite in der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg, dann das zwar acht-, aber vermeidbare 1:2 in der Europa League bei Benfica Lissabon: Die letzten Ergebnisse dürften dem VfB Stuttgart vor dem Auswärtsspiel in Leverkusen nicht unbedingt Mut machen. Dabei wäre im Kampf gegen den Abstieg ein Remis für die Schwaben fast schon zu wenig.

Die Stuttgarter reisen aber trotz der letzten Niederlagen hoch motiviert in die BayArena (ab 15 Uhr im Live-Ticker). "Wir haben uns bei Benfica als Mannschaft präsentiert und sind nicht eingebrochen. Dabei haben uns viele Spieler gefehlt. Wir haben bei einem starken Gegner Mentalität gezeigt. Dadurch haben wir wieder Selbstvertrauen getankt", sagte Verteidiger Khalid Boulahrouz im bundesliga.de-Interview.

Erste Halbzeit von Lissabon macht Mut

Während dem Debakel gegen den FCN nichts Positives abzuwinnen war, zeigten die Stuttgarter in Portugal zumindest zu Beginn, wie man gegen eine favorisierte Heimmannschaft auftreten muss. "Auf unser Spiel, besonders in der ersten Halbzeit, können wir in den nächsten Wochen aufbauen", erklärte Trainer Bruno Labbadia.

In Leverkusen wird er wohl die gleiche Startformation wie in Lissabon ins Rennen schicken. Denn mit Arthur Boka (Innenbandriss im Knie), Christian Gentner, Timo Gebhart (beide Bänderriss im Sprunggelenk) sowie Pavel Pogrebnyak (Rippenbruch) stehen vier Stammkräfte weiter nicht zur Verfügung.

Damit käme Neuzugang Shinji Okazaki zu seiner Premiere in der Bundesliga. In der Europa League bekam der 24-Jährige erst wenige Stunden vor dem Spiel die Freigabe von der FIFA, zeigte sich davon aber unbeeindruckt und lieferte auf der linken Seite im offensiven Mittelfeld eine überzeugende Leistung ab.

Lob für Okazaki

"Er hat gezeigt, was er drauf hat. Vor allem, wie er auch nach hinten mitgearbeitet und sich reingehauen hat, das war schon beeindruckend", lobte Martin Harnik den Auftritt Okazakis. Dieser wollte sein starkes Debüt nicht zu hoch bewerten, sondern schaute lieber nach vorne. "Es hat Spaß gemacht, in der Europa League zu spielen. Nun müssen wir am Sonntag in Leverkusen an diese Leistung anknüpfen", meinte er.

Bayer darf sich also auf kompakte Gäste einstellen, die mit Cacau, Okazaki sowie Harnik über ein schnelles und trickreiches Offensivtrio verfügen. Doch die Leverkusener haben sich nach dem Rückschlag in Nürnberg eindrucksvoll zurückgemeldet.

Erst das 3:0 in Frankfurt und dann ein souveränes 4:0 im Eisschrank von Charkow. Bayer-Trainer Jupp Heynckes zeigte sich nach dem Spiel in der Ukraine begeistert von seinen Kickern.

"Haben taktisch dazugelernt"

"Wir haben uns als Mannschaft weiterentwickelt, sind kompletter geworden und haben taktisch hinzugelernt. Es geht heute nur noch über ein homogenes Team, wenn man etwas erreichen will. Es ist ja auch ein Vertrauensbeweis und eine Wertschätzung, die ich den Spielern vermittele, wenn ich sie in solch wichtigen Duellen aufstelle. Und die haben sie bislang immer mit Einstellung und Motivation zurückgezahlt", erklärte Heynckes.

Wieder mit dabei sein wird auch Michael Ballack - wenn auch nicht in der Startelf. Nach einer Reizung im linken Knie war er in der Ukraine nicht mit dabei, schuftete in Leverkusen aber an seiner Genesung. "Michael war sehr ehrgeizig und hat gut gearbeitet. Das Mannschaftstraining hat er ohne Probleme absolviert. Das sah gut aus. Wenn keine unvorhergesehene Verschlechterung eintritt, wird er zum Aufgebot gehören", stellte Heynckes fest.

Michael Reis