Leverkusen - Bayer 04 Leverkusen ist nach drei Spieltagen in der Champions League immer noch ungeschlagen, wartet nach dem 0:0 gegen die Tottenham Hotspurs aber auch weiterhin auf den ersten Sieg. Drei Spiele und drei Unentschieden bedeuten momentan nur Platz 3 in der Gruppe E.

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Dennoch blickt Stefan Kießling im Interview optimistisch den kommenden Aufgaben in der Champions League und in der Bundesliga gegen Hoffenheim entgegen. Der 32-Jährige Stürmer der Werkself feierte gegen die Spurs nach längeren Verletzungsproblemen sein Startelfdebüt in dieser Saison und hielt 90 Minuten durch.

Frage: Stefan Kießling, wie bewerten Sie dieses 0:0-Unentschieden gegen die Tottenham Hotspurs?

Stefan Kießling: Es war insgesamt und vor allem in der zweiten Halbzeit ein sehr gutes Champions-League-Spiel und großer Fight gegen eine richtig gute Mannschaft. Tottenham spielt eine hervorragende Saison in der Premier League. Es war ein sehr offenes Spiel, in dem wir gut dagegen gehalten haben. Wir hatten sehr gute Möglichkeiten, aber es hat am Ende leider nicht zum Sieg gereicht. Wir sind immer noch ungeschlagen, können uns aber dafür nichts kaufen. Aber wir haben noch alles in eigener Hand. Wir brauchen noch zwei Siege, und die können wir auch schaffen.

Frage: Der Ball wollte einfach nicht ins Tor, auch nicht in der Szene, in der Chicharitos Ball auf der Torlinie geklärt wurde. Verzweifelt man als Stürmer in solchen Momenten?

Kießling: Das nagt schon an einem. Aber der Ball wird im nächsten Spiel auch wieder reingehen. In der Szene habe ich auch gedacht, dass der Ball im Tor war. Aber heutzutage haben wir ja das Hawk Eye.

"Ich bin gerade wirklich fertig"

Frage: Wie beurteilen Sie die Situation in der Gruppe?

Kießling: Für uns ist es im Moment gut, dass es so eng ist. Aber wir haben zu wenig Punkte. Wir dürfen jetzt das Rückspiel in Tottenham nicht verlieren. Dann müssen wir in Moskau gewinnen, bevor wir abschließend unser Endspiel zuhause gegen Monaco haben. So ist der Plan. Wir wissen, dass das nicht einfach wird. Wir dürfen kein Spiel mehr verlieren.

Frage: Wie gut hat es Ihnen getan, nach längerer Zeit wieder einmal 90 Minuten durchzuspielen?

Kießling: Gut? Ich bin gerade wirklich fertig und kaputt. Ich glaube, das hat man mir auch in den letzten Minuten angemerkt. Ich habe mich durchgebissen und freue mich, dass alles gehalten hat. Ich habe mich natürlich darüber gefreut, dass ich in der Startelf stand, noch dazu bei einem so wichtigen Spiel. Ehrlich gesagt habe ich auch nicht mit 90 Minuten gerechnet.

Frage: Reicht die Kraft auch für 90 weitere Minuten gegen Hoffenheim?

Kießling: Ja, sicher. Jeder weiß, dass ich mich wieder voll reinhänge, obwohl ich heute nach 70 Minuten platt war.

Frage: Waren Sie überrascht, dass Chicharito und nicht Sie ausgewechselt wurde?

Kießling: Das habe ich gar nicht richtig mitbekommen. Auf einmal ging Chicha über die Torauslinie vom Feld. Ich habe ihn gefragt: "Wo gehst Du hin?" Dann habe ich die Tafel gesehen und wusste, dass ich noch ein bisschen beißen muss.

"Ich habe mich zurückgefightet"

Frage: Wenn Sie sich die Leistung in der zweiten Halbzeit gegen Tottenham anschauen. Was ist dann am Samstag in der Bundesliga gegen Hoffenheim drin?

Kießling: Natürlich war unsere Leistung positiv, wir haben einen Riesenfight abgeliefert, jeder hat gebissen. Wir müssen versuchen, immer so aufzutreten. Dann hat man schon die halbe Miete eingefahren, dann kommen auch die Durchschlagskraft und alles andere automatisch zurück.

Frage: Wie hungrig sind Sie nach diesem Spiel auf die Bundesliga?

Kießling: Ich war schon vorher hungrig, auch als ich auf der Bank saß. Für mich war es im Sommer eine schwierige Situation. Ich habe mich zurückgefightet und bin wieder da. Darüber bin ich glücklich und auch stolz. Ich nehme jetzt jede Minute mit. Dann gucken wir mal, wieviele es noch bis zum Karriereende werden.

Frage: Am Samstag steht die Partie gegen die noch ungeschlagenen Hoffenheimer an.

Kießling: Die sind noch ungeschlagen? Dann wird es ja Zeit, dass wir ihnen die erste Niederlage zufügen. 

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski