Augsburg - An einem Spieler festmachen, wollte Markus Gisdol den ersten Saisonerfolg nicht. Dennoch sparte der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim nach dem erlösenden 3:1-Sieg beim FC Augsburg nicht mit Lob für seinen Matchwinner Kevin Volland. "Er hat sich diese Leistung verdient und es ist sehr schön, dass er einen großen Anteil daran hatte, dass wir das Spiel gewinnen konnten", sagte Gisdol über den Doppeltorschützen.

Volland selbst erklärte im Interview den Schlüssel zum Erfolg, sprach über die Rückschläge der vergangenen Wochen und das Ende seiner kleinen persönlichen Durststrecke.

"Hatten die Effektivität, um den Sack zuzumachen"

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Frage: Kevin Volland, Glückwunsch zum ersten Saisonsieg, an dem Sie mit Ihren zwei Toren und einer Vorlage entscheidenden Anteil hatten. Würden Sie von einem optimalen Tag sprechen?

Kevin Volland: Definitiv. Es ist natürlich schön, dass ich mal wieder einen Doppelpack schnüren und der Mannschaft somit helfen konnte. Für uns als Team war es extrem wichtig, dass wir hier in Augsburg bestehen. Das tut allen gut, da es in den letzten Wochen nicht so lief. Die Stimmung war nicht prickelnd und das Selbstvertrauen war nicht da. Nach dem Dortmund-Spiel hat man gemerkt, dass wir wieder voll drin sind. Wir hatten in der ersten Halbzeit aber auch Glück. Wir haben schnell das 1:0 gemacht, hatten dann noch zwei, drei Gelegenheiten, als Augsburg noch unsortiert war. Aber in den letzten 20 Minuten haben wir das Spiel komplett verloren und konnten froh sein, dass wir zur Pause nicht 1:2 oder 1:3 hinten lagen. Wir hatten in letzter Zeit auch nicht gerade Glück. Das gleicht sich eben alles wieder aus und tut uns als Mannschaft enorm gut.

Frage: Fast hätte Hoffenheim bereits zum fünften Mal in dieser Saison eine Führung verspielt. Woran liegt es, dass ein Führungstor nicht die nötige Sicherheit gibt?

Volland: Das ist Kopfsache. In der Halbzeit war es wieder so ein komisches Gefühl, als ob wir hinten liegen würden. In den Köpfen ist das ein bisschen drin, dass wir in der Vergangenheit in den letzten Minuten eingebrochen sind. Aber jetzt haben wir es in der zweiten Halbzeit sehr gut gemacht. Augsburg hatte kaum noch Chancen und wir hatten endlich mal wieder die Effektivität, um den Sack zuzumachen.

"Versuche in jedem Spiel, alles zu geben"

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Frage: Sie gingen mit bestem Beispiel voran, gleich der erste Torschuss saß. Mit einem kurzen Antritt ließen Sie zwei Gegenspieler aussteigen und schlossen dann trocken ins rechte Eck ab - ein typisches Volland-Tor?

Volland: Klar, solche Sachen, wie dieses Umschaltspiel, trainieren wir oft. Der Verteidiger macht oft diesen langen Schritt und dann kannst du ihm schön durch die Füße spielen. Ich habe im richtigen Moment den Haken nach innen gemacht und den Ball gut getroffen. Da hat alles gepasst.

Frage: Auch beim Elfmeter schlug der Ball wieder rechts unten ein, ist das Ihr Lieblingseck?

Volland: Man trainiert eben ein paar Sachen, aber das geht alles so schnell. Ich denke, wenn man beim Elfmeter scharf in die Ecken schießt, hat der Torwart in der Regel keine Chance - außer es ist Manuel Neuer.

Frage: Wie wichtig waren die beiden Tore für Sie persönlich?

Volland: Es tut gut, nach dem Bayern-Spiel mal wieder getroffen zu haben. Ich habe mich aber auch nicht verrückt gemacht, solche Phasen gibt es und ich versuche in jedem Spiel, alles zu geben. Ich hatte auch gegen Dortmund gute Chancen und habe gute Pässe gespielt. Es ist für mich immer wichtig, dass ich im Spiel drin bin. Vorher gab es sicherlich Spiele, in denen ich noch nicht in Form war. Daher ist es umso schöner, wenn die Dinger auch mal reingehen.

"Unser Weg ist noch lange nicht zu Ende"

Frage: Wie funktioniert die Abstimmung mit Neuzugang Eduardo Vargas?

Volland: Sehr gut, in erster Linie mit Zeichensprache. Ich kann zwar weder Spanisch noch Portugiesisch, aber mit ein bisschen Fußballverstand - und den hat Eduardo - klappt das auch so. Es macht definitiv Spaß mit ihm zu spielen. Wie er trotz seiner Größe die Bälle festmacht oder verlängert, ist unfassbar.

Frage: Hoffenheim hat in der englischen Woche in drei Spielen vier Punkte geholt, hat die Mannschaft jetzt endgültig in die Saison gefunden?

Volland: Wir haben viele Spiele hergeschenkt und haben teilweise auch schlecht gespielt. Aber wir hatten auch Pech. In Darmstadt wollte der Ball nicht rein. Gegen Dortmund hätten wir auch schon drei Punkte holen können. Und gegen Bremen haben wir bis in die Nachspielzeit gedrückt, aber dann haben wir diese zwei Tore bekommen. Wir haben viele Neuzugänge. Dass noch nicht alles zu 100 Prozent funktioniert, ist klar. Uns ist trotz des Sieges bewusst, dass wir jede Woche hart arbeiten müssen und unser Weg noch lange nicht zu Ende ist.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz