Köln - Der 1. FC Köln spielt bislang eine starke Saison und hat sich im Mittelfeld der Tabelle etabliert. Der Aufsteiger konnte zuletzt beim 4:3-Auswärtssieg in Hoffenheim auch offensiv überzeugen.

Dank der Länderspielpause durften die Profis auch den Karnevalsauftakt angemessen feiern. Jetzt gilt aber alle Konzentration dem nächsten Heimspiel gegen Hertha BSC. Im Interview mit bundesliga.de spricht der zu Saisonbeginn aus Augsburg gekommene Mittelfeldspieler Kevin Vogt über den Saisonauftakt, seine Rolle in der Mannschaft, den besonderen Teamgeist und die Erwartungshaltung der FC-Fans.

bundesliga.de: Herr Vogt, der Karnevalsauftakt liegt ein paar Tage zurück. Wie haben Sie den 11.11. überstanden?

Kevin Vogt: (lacht) Ein paar Nachwirkungen gab es am nächsten Tag noch, aber jetzt ist alles wieder gut. Wir haben am 11.11. vormittags trainiert und sind danach zusammen losgezogen.

"Ich habe uns diese Leistung zugetraut"

bundesliga.de: Grund zum Feiern gab es für den 1. FC Köln in dieser Saison schon einige Male. Der FC steht nach dem ersten Saisondrittel sehr gut da. Oder sogar besser als erwartet?

Vogt: Besser als erwartet, würde ich jetzt nicht sagen. Aber die Momentaufnahme ist absolut positiv. Ich habe uns diese Leistung auch zugetraut. Wir wollen zwar nicht zu gierig sein, aber in dem einen oder anderen Spiel wie etwa in Hannover oder Frankfurt war auch mehr drin. Dann würden wir noch einen Tick besser stehen. Aber nichtsdestotrotz sind wir mit der jetzigen Situation einverstanden.

bundesliga.de: Sie kamen aus Augsburg und haben nicht auf Anhieb den Sprung in die Startelf geschafft, sondern mussten zum Saisonauftakt auf der Bank sitzen. War das ein zusätzlicher Ansporn?

Vogt: Ich war deshalb nicht negativ eingestellt, überhaupt nicht. Ich habe meine Zeit gebraucht und bin in eine Truppe gekommen, die sehr intakt war und ist. Im ersten Spiel stand fast die komplette Mannschaft auf dem Platz, die in der letzten Saison den Aufstieg geschafft hatte. Für mich war das kein Problem. Mittlerweile kann ich den Trainer gut einschätzen und sehe, dass er viel rotiert. Ich musste sein Vertrauen gewinnen und hoffe, er hat mittlerweile ein gutes Gefühl, wenn er mich aufstellt.

bundesliga.de: Überall wird der großartige Teamgeist des FC gelobt. Empfinden Sie das als Teil der Mannschaft auch so?

Vogt: Das ist tatsächlich so, das sieht man auch auf dem Platz. Jeder ist für den anderen da. Das ist ganz wichtig. Wir müssen über das Kollektiv kommen. Natürlich haben wir auch individuell eine gute Qualität in der Truppe, aber unsere größte Stärke ist, dass wir eine geschlossene Einheit sind, sowohl auf als auch neben dem Platz.

"Ich bin sehr glücklich, hier zu sein"

bundesliga.de: Schon in Ihrer Zeit in Augsburg war es so, dass der FCA über die mannschaftliche Geschlossenheit kam und so gegen individuell besser besetzte Mannschaften bestehen konnte. Ist die Situation beim FC vergleichbar?

Vogt: Definitiv. Ich habe im Sommer deshalb auch meine Wahl für den FC sehr bewusst getroffen, weil ich es aus der Zeit in Augsburg kenne und schätzen gelernt habe, dass das Kollektiv passt. Wir konnten Mannschaften Paroli bieten, die vermeintlich eine höhere individuelle Qualität hatten und sie auch schlagen. Das haben wir auch beim 1. FC Köln in der noch jungen Saison gezeigt. In einer solchen Mannschaft wollte ich wieder spielen. Wir sind den Weg, den mir der Trainer Peter Stöger und auch Geschäftsführer Jörg Schmadtke in den Gesprächen aufgezeigt haben, wirklich gegangen. Ich habe mich darin wieder gefunden, das war, was ich wollte. Dementsprechend bin ich sehr glücklich, hier zu sein.

bundesliga.de: Elf Spieltage sind gespielt, der FC steht auf Platz 10 noch vor Mannschaften wie Schalke oder Dortmund. Köln ist die beste Auswärtsmannschaft. War das wirklich so zu erwarten?

Vogt: Es spricht für die Mannschaft. Man sollte jetzt sicher nicht auf Vereine wie Schalke oder Dortmund gucken, die andere Möglichkeiten haben. Ich glaube auch nicht, dass Dortmund sich noch lange im Keller aufhalten wird. Es ist sehr angenehm, dass bei uns im Moment vieles klappt. Wir wissen aber auch, dass es schwer wird, wenn wir nur ein bisschen nachlassen.

"Es wäre nicht normal, wenn schon alles klappt"

bundesliga.de: Am Anfang stand der FC in der Defensive sehr gut, dann klemmte es im Angriff. Beim jüngsten 4:3-Sieg in Hoffenheim war es umgekehrt. Ist es für den FC noch schwierig, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive hinzubekommen?

Vogt: Wir befinden uns als Mannschaft sicher noch im Entwicklungsprozess. Es gibt einige Jungs, für die die Bundesliga-Bühne neu ist. Natürlich müssen wir noch einige Kleinigkeiten verfeinern. Wir haben die Statistik in Hoffenheim ein bisschen widerlegt. Die Balance zu finden, ist wichtig. Wir müssen noch am Rädchen drehen, damit wir nicht wie in Hoffenheim vor der Pause in fünf Minuten zwei zu einfache Tore bekommen. Deswegen sind wir noch in der Entwicklung. Es wäre aber auch nicht normal, wenn jetzt schon alles klappen würde, wir immer zu null spielen und drei Tore schießen würden.

bundesliga.de: Sie selbst sind der Dauerläufer und Ballverteiler im Mittelfeld. Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?

Vogt: Ich versuche, der Truppe zu helfen, wo ich kann. Ich versuche, Verantwortung zu übernehmen, ohne darüber großartig neben dem Platz zu reden, sondern das auf dem Platz zu tun.

"Wir machen uns nicht kleiner als wir sind"

bundesliga.de: Während der FC auswärts schon zehn Punkte geholt hat, lief es in den Heimspielen noch nicht so gut. Gegen Freiburg gab es zuletzt bei der 0:1-Niederlage ein paar Pfiffe des Publikums. Ist die Erwartungshaltung des Publikums etwas zu hoch?

Vogt: Ich bin noch neu in Köln, habe aber schon mitbekommen, dass die Erwartungshaltung der Zuschauer recht schnell nach oben geht, wenn die Mannschaft zuvor einschließlich Pokal drei Spiele in Folge gewinnt. Wir wissen das alles gut einzuordnen. Wir sind Profis genug, um auch mal mit Pfiffen wie im Freiburg-Spiel umzugehen.

bundesliga.de: Die Situation könnte sich im nächsten Heimspiel gegen Hertha BSC wiederholen. Die Berliner stehen auch in der Tabelle hinter dem FC. Da werden die Fans wieder einen Sieg erwarten und dann auch bald den Angriff auf Bayer Leverkusen.

Vogt: Diese Denkweise können wir nicht verhindern. Wichtig ist, dass wir das alles richtig einordnen können, und das tun wir. Das macht das Trainerteam sehr gut. Hertha hatte sicher ein paar Rückschläge. Die Berliner werden uns alles abverlangen. Wir müssen von der ersten Minute an da sein. Wir machen uns aber auch nicht kleiner, als wir sind. Wir werden alles dafür tun, um die Hertha zu schlagen und die drei Punkte in Köln zu behalten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski