Borussia Dortmund marschiert in der Bundesliga weiter ungebremst Richtung Tabellenspitze.

Nach dem 3:2 beim 1. FC Köln, dem fünften Sieg in Folge und dem elften Spiel in Serie ohne Niederlage, rangiert der BVB bereits auf Platz 5, ausgestattet mit einem komfortablen Fünf-Punkte-Vorsprung auf den derzeit Sechsten Werder Bremen.

Borussias Innenverteidiger Mats Hummels war in Köln zweifacher Torschütze und ein gefragter Gesprächspartner. Während er eloquent seinen ganz persönlichen Interview-Marathon absolvierte, gratulierte auch BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball mit der gewagten Prognose: "Das nächste Mal machst Du drei Tore."

bundesliga.de: Mats Hummels, Glückwunsch zum 3:2-Sieg in Köln und Ihren beiden Toren. Wie fühlen Sie sich nach Ihrem ersten Doppelpack in der Bundesliga?

Mats Hummels: Hätte Kevin Großkreutz nicht in der 90. Minute noch das 3:2 gemacht, hätten meine Tore im Endeffekt sehr wenig gebracht und ich mir nicht viel dafür kaufen können, zumal ich beim ersten Gegentor auch nicht gut ausgesehen habe. So haben wir drei Punkte geholt, und ich freue mich über die Tore.

bundesliga.de: Gab es nach Ihrem ersten Doppelpack schon Flachs in der Kabine über den neuen Torjäger Mats Hummels?

Hummels: Nein, ich hatte in der Saison auch schon viele gute Chancen vergeben. Wenn Nuri Sahin die Ecken und Freistöße so gut reinschlägt, werden sie auch verwertet. Ich habe Nuri versprochen, dass er in der Rückrunde ein paar Assists bekommt. Jetzt ist es schon einer geworden, das hat ihn auch gefreut.

bundesliga.de: Das Spiel schien nach der 2:0-Führung schon gelaufen zu sein, dann wurde es noch einmal hochdramatisch und richtig spannend. Warum?

Hummels: Wir haben ein sicheres Spiel fast noch aus der Hand gegeben mit Konzentrationsschwächen und ein paar Nachlässigkeiten, die so nicht sein dürfen. Ich hoffe, das wird uns nicht mehr allzu oft passieren. Wir hatten auch Anfang der 2. Halbzeit noch relativ wenig Probleme. Wir hatten viele Situationen, aus denen wir mehr hätten machen müssen. So haben wir den Kölner den Glauben zurückgegeben, dass sie es noch drehen können. Fast hätten sie es ja noch geschafft.

bundesliga.de: Das war der fünfte Bundesliga-Sieg in Serie. Der BVB hat jetzt fünf Punkte Vorsprung auf Werder Bremen. Das muss sich gut anfühlen.

Hummels: Ja, das kann ich unterschreiben. Jetzt haben wir aber gegen Hamburg ein sehr schweres Spiel vor der Nase und wollen schauen, was wir da erreichen können.

bundesliga.de: Was ist gegen den HSV am kommenden Samstag drin?

Hummels: Natürlich wollen wir auch das Spiel gegen den HSV gewinnen. Und wir wollen zeigen, dass wir uns im Hinspiel unter Wert verkauft haben. Zuhause haben wir immer die Voraussetzung, dass wir das Spiel gewinnen wollen und müssen. Wir werden dementsprechend antreten und den Hamburgern alles andere als ein leichtes Spiel machen. Wir gehen in jedes Spiel mit der richtigen Einstellung rein und hoffen, dass uns ein Sieg gelingt. Dann würden wir eine gute Tabellensituation erreichen. Wir haben aber nicht die Pflicht, am Ende unter den ersten Fünf zu landen.

bundesliga.de: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Borussia Dortmund in dieser Saison auswärts so stark ist und seit dem Spiel in Hamburg auf fremden Plätzen nicht mehr verloren hat?

Hummels: Vielleicht liegt es uns, dass der Gegner eine gewisse Pflicht hat, das Spiel zu machen. Es ist immer schwer, sich gegen tiefstehende Mannschaften durch zu setzen. Wenn sich eine Heimmannschaft gegen uns hinten reinstellt, wird sie von den Fans kritisiert. So ergeben sich automatisch ein paar mehr Räume als das in den Heimspielen der Fall ist. Aber wir spielen auch zuhause nicht unbedingt schwach.

bundesliga.de: War der Sieg in Köln ein Big Point im Kampf um die internationalen Plätze?

Hummels: Es sind noch 16 Spiele. Wir machen uns keinerlei Druck. Wie gesagt, wir müssen nicht Fünfter werden. Wir wollen wieder einfach nur eine gute Saison spielen. Der Sieg in Köln gibt uns die Hoffnung, dass wir nicht wie in den ersten Spielen der Hinrunde das Pech an den Fersen kleben haben. Das Pendel ist noch einmal zu unseren Gunsten ausgeschlagen. Gegen Hamburg können wir uns aber nicht auf das Glück verlassen, sondern müssen da noch eine Schippe drauflegen.

bundesliga.de: Aber die Europa League ist für den BVB schon ein Thema?

Hummels: Wenn wir am 34. Spieltag wieder die Chance bekommen, in die Europa League einzuziehen, wollen wir sie diesmal nutzen. Wir haben das aber nicht als Zielvorgabe.

bundesliga.de: Die Fans sehen das anders: Sie träumen und singen schon von der Meisterschaft.

Hummels: Das habe ich gar nicht mitbekommen. Man kann das den Fans nicht verwehren. Bei jedem der 18 Bundesligisten gibt es wenigstens einen Fan, der an die Meisterschaft glaubt. Deswegen lassen wir den Fans das natürlich.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski