Leverkusen - Bei Mönchengladbachs letztem Sieg gegen Bayer Leverkusen war Patrick Herrmann drei Jahre alt. Jetzt hatte das 19-jährige Offensivtalent der Borussia mit zwei Treffern maßgeblichen Anteil daran, dass die "Fohlenelf" den rheinischen Rivalen beim 6:3-Erfolg in seine Einzelteile zerlegte.

"Patrick Herrmann hat schon in der letzten Rückrunde mit seiner Unbekümmertheit gezeigt, was er kann. Es kommt nicht von umsonst, dass ihn unser Trainer Michael Frontzeck schon damals in so wichtigen Spielen wie gegen Bayern oder in Köln gebracht hat", lobte Borussia Sportdirektor Max Eberl den Youngster: "Er hat jetzt wieder bestätigt, was er drauf hat. Dass er so torgefährlich ist, kannte ich aus der Jugend aber nicht so von ihm."

Der Vielgelobte gab sich im Interview mit bundesliga.de jedoch ganz bescheiden.

bundesliga.de: Glückwunsch zum 6:3-Sieg der Borussia in Leverkusen und zu Ihren beiden Toren. Wie haben Sie das Spiel gesehen?

Patrick Herrmannn: Wir haben sehr gut gespielt und verdient gewonnen. Wir haben alle ein Superspiel gemacht. Dass ich dann auch noch zwei Tore gemacht habe, hat gut dazu gepasst.

bundesliga.de: Wie kann man erklären, dass neun Tore fallen?

Herrmann: Das ist nur schwer zu erklären. Leverkusen hat eine gute Offensive, wir auch. Wir haben unsere Chancen genutzt. So können neun Tore fallen.

bundesliga.de: Sie haben zwei Mal getroffen. Ein Mal wie ein klassischer Mittelstürmer, ein Mal per sensationellem Dropkick. Erzählen Sie mal...

Herrmann: Ich hatte schon letzte Woche gegen Nürnberg so eine Chance wie bei meinem zweiten Tor gegen Leverkusen. Da hat es nicht so gut geklappt. Das lief gegen Leverkusen besser. Meine Mannschaftskollegen haben über mein zweites Tor gesagt, es sei wie ein Tippkick-Schuss gewesen. Aber das ist mir ziemlich egal, er war drin und nur das zählt.

bundesliga.de: Was erwarten Sie für Reaktionen im Umfeld der Borussia auf diesen 6:3-Sieg in Leverkusen, den ersten Erfolg gegen Bayer seit 1994 überhaupt?

Herrmann: Wir haben gut gespielt und unsere Chancen genutzt. Aber das ist noch kein Grund dafür, dass hier jetzt die große Euphorie ausbricht.

bundesliga.de: Aber Sie wussten von der Serie? Die Borussia hat nach 26 sieglosen Spielen gegen Leverkusen die längste Negativserie der Bundesliga geknackt.

Herrmann: Ja, wir haben vor dem Spiel von der langen Negativserie gehört, aber daran haben wir nicht gedacht. Serien sind dazu da, um gebrochen zu werden. Wir wollten das Spiel gewinnen, und das haben wir am Ende geschafft.

bundesliga.de: Haben Sie nach so einem großartigen Spiel Ambitionen, Stammspieler bei der Borussia zu werden?

Herrmann: Nein. Ich freue mich immer, wenn ich spiele. Je mehr Spiele ich mache, um so besser ist es für mich.

bundesliga.de: Borussia-Sportdirektor Max Eberl sagte, der Trainer könne Sie bedenkenlos auch in den wichtigen Spielen bringen. Wie sehen Sie denn Ihre Perspektive?

Herrmann: Warum soll mich der Trainer nicht bringen? Ich habe jetzt schon gegen Bayern, Köln, zwei Mal gegen Leverkusen gespielt. Ich habe viel Erfahrung gesammelt und hoffe, dass es für mich bei Borussia so weitergeht.

bundesliga.de: Auch bei der U-21-Nationalmannschaft ist man auf Sie aufmerksam geworden.

Herrmann: Ja, ich wurde für die beiden kommenden Qualifikationsspiele der U 21 nominiert, bin jetzt zehn Tage unterwegs und treffe die Jungs in Herzogenaurach. Wir spielen gegen Tschechien und gegen Nordirland. Ich freue mich sehr darauf, für Deutschland spielen zu dürfen.

bundesliga.de: Durch die Länderspielpause wird die Bundesliga kurz unterbrochen. Wie fällt Ihr erstes Fazit zum Saisonstart aus?

Herrmann: Gegen Nürnberg wäre mehr drin gewesen. Da haben wir kurz vor Schluss noch die Chance zum Sieg vergeben. Das war ein bisschen schade. Aber gegen Leverkusen haben wir jetzt ein Superspiel hingelegt. Wir hoffen, dass es so weitergeht.

bundesliga.de: Was ist für die Borussia in dieser Saison drin?

Herrmann: Trotz des tollen Sieges ändert sich unsere Zielsetzung nicht. Wir wollen eine ähnlich gute Saison spielen wie im letzten Jahr. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Wir schauen einfach, was am Ende dabei herausspringt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski