Albert Bunjaku - vor wenigen Wochen noch kannten nur wenige Fans der Bundesliga diesen Namen. Mittlerweile hat sich der Bekanntheitsgrad allerdings wesentlich erhöht: Bunjaku ist nun nicht nur frischgebackener Schweizer Nationalspieler, sondern mit sechs Bundesligatoren auch Zweiter der Torjägerliste hinter Stefan Kießling. Zudem zeichnete er sich als Nürnberger Doppeltorschütze beim Sieg gegen den Deutschen Meister VfL Wolfsburg aus.

Die Geschichte von Bunjaku in Deutschland beginnt im Januar 2006, als er vom Schweizer Erstligisten FC Schaffhausen nach Ostwestfalen zum SC Paderborn wechselte. Nachdem er ein halbes Jahr in der 2. Bundesliga beim SCP meist nur als Joker zum Einsatz kam, entschied Bunjaku sich dazu, sein Glück in Erfurt und der Regionalliga Nord zu suchen. Mit den "Rot-Weißen" schaffte er 2008 schließlich auch den Sprung in die neugegründete 3. Liga.

Bunjaku verdarb beinahe Klinsmanns Bayern-Debüt

Dort sollte er erstmalig für bundesweites Aufsehen sorgen: Beim DFB-Pokalspiel zwischen Rot-Weiß Erfurt und dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München am 10. August 2008 war es soweit. Zu Beginn der zweiten Hälfte eingewechselt, erzielte Bunjaku - beim Debüt von Jürgen Klinsmann als Chef-Trainer der Bayern - zwei Treffer und hatte damit großen Anteil daran, dass die Erfurter dem großen Favoriten in der ersten Runde beinahe ein Bein gestellt hätten. Schlussendlich setzten sich Klinsmanns Jungs beim drittklassigen "Underdog" knapp mit 4:3 durch.

Für Bunjaku selbst sollte sich seine starke Leistung in dieser Partie allerdings noch auszahlen. Sein Name hatte seinen Platz nun in einigen Notizbüchern der Bundesligen: Ein knappes halbes Jahr und neun Tore in der 3. Liga später, sicherte sich dann der "Club" aus Nürnberg seine Dienste.

Er erzielte fünf der vergangenen sieben "Club"-Tore

Zunächst musste sich Bunjaku in der vergangenen Aufstiegssaison bei den Franken allerdings wieder mit der Jokerrolle begnügen. Unter Coach Michael Oenning waren meist die erfahrenen Bundesligaspieler Christian Eigler, Isaac Boakye oder auch Angelos Charisteas gesetzt. "Etwas Zeit gebraucht habe ich zunächst schon, bis ich reingefunden habe", erklärt Bunjaku.

Jetzt scheint der 25-jährige Bunjaku aber endgültig in Nürnberg und der Bundesliga angekommen zu sein. In den vergangenen fünf Partien stand er stets in der Startelf und zahlte das ihm entgegengebrachte Vertrauen eindrucksvoll mit Toren zurück. Von den vergangenen sieben "Club"-Treffern gehen gleich fünf auf das Konto des Schweizers. Mit insgesamt sechs Saisontreffern liegt er derzeit auf Rang 2 der Bundesliga-Torschützenliste. Gemeinsam mit Stars wie Vedad Ibisevic, Claudio Pizarro oder Zvjezdan Misimovic.

Hitzfeld hat ihn auf dem Zettel

Mit seiner Leistung in Deutschland schoss sich Bunjaku auch in das Blickfeld des Schweizer Nationaltrainers Ottmar Hitzfeld. Der "Nati"-Coach berief den Nürnberger Goalgetter sogleich in den Kader eines Freundschaftsspiels gegen Norwegen, und Bunjaku feierte in den zweiten 45 Minuten sein Debüt im Nationaltrikot.

Der Angreifer mit kosovarischen Wurzeln wurde 1983 im ehemaligen Jugoslawien geboren, kam aber bereits als Kind mit seinen Eltern in die Schweiz und entschied sich früh für die "Nati". Insgesamt absolvierte der "Club"-Stürmer 15 Einsätze in der U-21-Nationalmannschaft der Eidgenossen und konnte dabei sieben Treffer markieren. Jetzt, mit 25 Jahren, folgte also die erste Berufung in die A-Elf. Für Bunjaku ein tolles Gefühl: "Das ist eine feine Auszeichnung und Ansporn für mich!"

Bunjaku bezwingt Jugendfreund Benaglio

Wiedergesehen hat Bunjaku bei seinem Debüt in der Nationalelf auch den Wolfsburger Torhüter und "Schweizer Spieler des Jahres 2009" Diego Benaglio. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Jugendzeiten bei Grasshoppers Zürich und trafen sich nach langer Zeit nun unter Hitzfeld wieder. Der "Wölfe"-Keeper lobte noch vor dem Bundesligaspiel am vergangenen Spieltag gegen Nürnberg seinen Landsmann: "Er ist ein technisch versierter Spieler, der vor dem Tor nicht lange fackelt."

Dass Benaglio mit seiner Einschätzung voll ins Schwarze getroffen hatte, stellte Bunjaku in der Partie beim Deutschen Meister am vergangenen Samstag dann eindrucksvoll unter Beweis. Der auswärts bis dahin noch sieglose Aufsteiger gewann überraschend mit 3:2. Mann des Spiels war Bunjaku, der zwei Tore schoss und dazu noch fünf weitere Torschüsse auf Benaglios Kasten abgab. Mit seinem zweiten "Doppelpack" in der Bundesliga bescherte Bunjaku dem "Club" drei wichtige Zähler im Kampf um den Klassenerhalt.

Oenning lobt die Torjäger-Qualitäten

"Dass Albert die Qualitäten eines Torjägers hat, das wusste ich, dass er so überragend spielen würde, konnte man allerdings nicht erwarten", verkündete Oenning nach dem "Dreier" bei den "Wölfen" und fügte lachend an: "Ich lasse ihn das gerne tun."

Wohin wird Albert Bunjakus Weg in den nächsten Wochen und Monaten also führen? Immerhin hat seine Karriere in Deutschland mit einer Einwechslung zur zweiten Halbzeit erst richtig begonnen. Gegen Norwegen wurde Bunjaku von Hitzfeld auch nach dem Seitenwechsel gebracht. Nächstes Jahr steht für die Schweiz die Weltmeisterschaft in Südafrika auf dem Programm - und von Zeit zu Zeit wiederholt sich Geschichte…

Sebastian Bisch