Köln - 19 Jahre spielte Karl-Heinz Körbel für Eintracht Frankfurt. Mit 602 Bundesliga-Partien ist er bis heute der Rekordspieler der Bundesliga. Viermal gewann er den DFB-Pokal, einmal den UEFA-Cup. Der heute 61-Jährige feierte aber nicht nur große Erfolge mit der Eintracht, zweimal musste er mit den Hessen auch in die Relegation. Im Interview mit bundesliga.de erzählt die Eintracht-Legende von seinen Erfahrungen und spricht über die Frankfurter Chancen in der diesjährigen Relegation.

bundesliga.de: Herr Körbel, Sie haben selbst schon mit der Eintracht zwei Relegationen als Spieler erlebt. Bei der ersten Frankfurter Teilnahme an einer Relegatiion - 1984 gegen den MSV Duisburg - haben Sie aber gar nicht mitgespielt. Wie kam es dazu?

Kar-Heinz Körbel: Ich habe vorher im Spiel gegen Nürnberg im Abstiegskampf zwei Tore gegen Andreas Köpke gemacht, was ja bei mir auch nicht alle Tage vorkam, und mir dann das Schien- und Wadenbein gebrochen. Das war die einzige schwere Verletzung meiner Karriere. Selbst ich konnte mit dieser Verletzung die Relegation leider nicht spielen (lacht). Wir hatten damals eine Mannschaft, in der eine neue Generation mit talentierten, jungen Spielern wie Thomas Berthold, Uwe Müller, Ralf Falkenmayer und andere nachrückten. Wir haben dann in Duisburg 5:0 gewonnen und die Relegation problemlos gemeistert.

bundesliga.de: Fünf Jahre später gegen den 1. FC Saarbrücken (2:0, 1:2) waren Sie dann mit von der Partie. Diesmal wurde es eine engere Kiste als gegen den MSV.

Körbel: Relegation ist immer eine heikle Situation. Es hat ja Gründe, warum du in der Relegation spielst. Unsere Saison lief damals nicht optimal. Bei der Zusammensetzung der Mannschaft gab es Probleme. Wir hatten auch mit Saarbrücken eine gestandene Mannschaft als Gegner, in deren Reihen Spieler wie Anthony Yeboah oder Eugen Hach spielten. Es war ein unglaublich schwieriges Kampfspiel, weil wir auch zunächst das Heimrecht hatten und etwas vorlegen mussten. Wir haben das Hinspiel über den Willen 2:0 zu unseren Gunsten entschieden. Schön ist, dass jetzt, wo es um alles geht, die Zuschauer tausendprozentig hinter der Mannschaft stehen. Sie verzeihen Fehler. Es geht nur noch um das Ziel drinzubleiben.

"Die Eintracht ist stabiler geworden"

bundesliga.de: Sie haben auch DFB-Pokal- oder UEFA-Cup-Endspiele gespielt. Ist der Druck in der Relegation vergleichbar mit solchen Highlights?

Körbel: Nein. Der Druck in der Relegation ist bedeutend größer. Wenn die schief geht, bist du aus der Bundesliga abgestiegen. Wenn du ein Pokalendspiel verlierst, bleibst du ja in der Bundesliga. Zum Glück musste ich das nie mitmachen. Die Eintracht hat in dieser Saison seit Wochen nur noch Endspiele, angefangen mit dem Derby gegen Mainz, danach die Spiele in Darmstadt, gegen Dortmund und in Bremen. Jetzt kommen noch zwei dazu. Die Mannschaft ist bereits erprobt in Drucksituationen.

bundesliga.de: Wie erleben Sie den Eintracht-Trainer Niko Kovac in diesen Wochen?

Körbel: Ich finde es von den Kovac-Brüdern bewundernswert, wie sie das Positive hervorheben, auch wenn sie nach dem Bremen-Spiel selbst frustriert waren. Sie haben sich kurz geschüttelt und dann die Situation sofort angenommen.

bundesliga.de: Welche Trümpfe sprechen in der Relegation noch für die Eintracht?

Körbel: Die Eintracht hat unter Niko Kovac wieder zur alten Heimstärke zurückgefunden. Wir sind stabiler geworden. Aber die letzten Spiele lagen anders als jetzt die Relegation. Gegen Mainz oder Dortmund war die Eintracht Außenseiter, jetzt ist sie Favorit. Wir können uns gegen Nürnberg nicht hinten reinstellen, wir müssen nach vorne spielen, um ein gutes Ergebnis zu erreichen. Zum Glück sind jetzt auch alle Spieler wieder fit. Das war in dieser Saison ja auch nicht oft der Fall. Unser großes Plus ist, dass auch Alex Meier wieder einsatzbereit ist. Ich gehe davon aus, dass er von Anfang an spielen wird. Er ist eine Waffe, vor der auch Nürnberg einen Riesenrespekt haben wird. Auch unser Torwart Lukas Hradecky hat uns in den letzten Wochen im Spiel gehalten, unsere überragenden Innenverteidiger Marco Russ und David Abraham haben die Mannschaft stabilisiert. Auch Stefan Aigner war komplett weg und kommt jetzt wieder und trifft.

"Vor der Arbeit in Nürnberg muss man den Hut ziehen"

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bundesliga: Der 1. FC Nürnberg ist die beste Rückrundenmannschaft der 2. Bundesliga. Sie haben 65 Punkte geholt und 68 Tore geschossen. Der Club konnte sich seit ein paar Wochen auf die Relegation einstellen. Ist das ein Vorteil?

Körbel: Das weiß ich nicht. Man muss aber vor der Arbeit in Nürnberg den Hut ziehen. Wie es Trainer Rene Weiler geschafft hat, eine so schlagkräftige Mannschaft, in der keine Superstars stehen, zu formen, verdient Respekt. Sie treten als Mannschaft auf. Darin besteht die große Gefahr.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Chancen der Eintracht ein?

Körbel: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Eintracht knapp durchsetzen wird. Der Trend der letzten Wochen spricht für uns, sonst wären wir schon lange abgestiegen. Beide Spiele werden sehr eng, aber wir werden den Kopf noch aus der Schlinge ziehen und uns retten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski