
Jürgen Klopp: "Ich möchte gar nicht woanders sein"
Die Faust in den Himmel gestreckt, die Backen aufgeblasen, die Kappe tief im Gesicht - auch mehr als zehn Jahre nach seinem Abschied aus Dortmund sind die Bilder des charismatischen BVB-Trainers Jürgen Klopp nicht vergessen. Im Interview mit bundesliga.com äußert sich der 58-Jährige zu seinen neuen Aufgaben sowie der Zeit in Dortmund und Liverpool.
Die Bilder von damals sind noch präsent, die Aufgaben haben sich aber grundlegend verändert. Seit dem 1. Januar 2025 ist Jürgen Klopp Head of Global Soccer bei Red Bull und damit verantwortlich für diverse Fußballvereine des Unternehmens, wie unter anderem RB Leipzig.
Nach 25 Jahren auf dem Platz oder an der Seitenlinie für Klopp eine Reise ins Ungewisse, aber eine Reise, die den 58-Jährigen nach eigener Aussage "nicht mehr begeistern" könnte. Und genau diese Begeisterung ist auch ein Jahr nach Amtsantritt nicht erloschen.
"Sprecht mich an!"
Anstatt selbst wieder von der Seitenlinie ins Spiel einzugreifen, bildet der gebürtige Stuttgarter Trainer aus, hilft den acht RB-Clubs beim Scouting, vermittelt die spielerische Philosophie und möchte eine Art Mentor sein. "Meine Idee mit den Trainern ist es […], eine Person zu sein, die ich in diesem Geschäft nie hatte", erklärte der ehemalige Coach von Mainz, Borussia Dortmund und Liverpool.
"Ich saß sehr, sehr oft allein in meinem Büro. Alle meine Assistenten waren meine Freunde. Ich musste nie schwierige Zeiten alleine durchstehen, aber Entscheidungen zu treffen bedeutet, alleine zu sein", so Klopp weiter. "Jetzt, in Momenten, in denen ich weiß, dass sie alleine sind oder sich alleine fühlen, da möchte ich für sie da sein. Sprecht mich an! Ich werde niemanden verurteilen – denn ich weiß genau, wie das ist.“
Viel Erfahrung, aber weitere Entwicklung
Zwei Mal Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, der Erfolg in der Champions League, der in der Premier League sowie der Gewinn der FIFA Club-WM - Klopp blickt auf eine sehr erfolgreiche, aber dementsprechend auch auf viel Erfahrung im Fußballgeschäft zurück.
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich der ehemalige Trainer nicht ständig weiterentwickeln will. "Ich habe im vergangenen Jahr sehr viel gelernt", sagte Klopp. "Ich war bei Businessplan-Meetings dabei – da gab es sehr viele Wörter, die ich in meinem Leben noch nicht gehört habe!“

Der Fußball ist in ständiger Entwicklung
Aber auch die Arbeit auf und abseits des Platzes hat sich verändert: "Als ich in Mainz damals angefangen habe, hatte ich einen Assistenten, der war Torwartrainer. Als ich aufgehört habe, konnte ich die Personen um mich herum gar nicht mehr zählen", sagt Klopp.
"Es hat sich so viel verändert. Damals wurde noch mit DVDs gearbeitet, heute schneiden sie dir Clips [von einem Spieler; Anm. d. Red.] in sekundenschnelle zusammen. Erst gab es Videos, dann DVDs und jetzt das - und ich bin immer noch hier. Ich will das wirklich alles lernen", so der 58-Jährige weiter.

Zeit für Entwicklung
Egal ob in Mainz, Dortmund oder Liverpool - Klopp bekam immer mindestens sieben Jahre Zeit, um ein erfolgreiches Team aufzubauen. Ein Luxus, von dem die meisten modernen Trainer nur träumen können.
"Warum hatte ich so viel Zeit? Das kann ich heute natürlich nicht mehr genau sagen“, so Klopp. "Ich denke, es war immer klar, dass wir eine Entwicklung durchmachen mussten, Schritt für Schritt. Wären wir zum Beispiel in Mainz im ersten Jahr in die Bundesliga aufgestiegen, wären wir sofort wieder abgestiegen – hundertprozentig. Das wäre ein herber Rückschlag gewesen, aber die Entwicklung war klar", erklärt der Ex-Trainer.

"Wir waren bereit für Europa"
Legende in Liverpool
Ähnlich verlief es in Liverpool. Die Reds entwickelten sich unter Klopps Führung zu einer der gefürchtetsten Mannschaften Europas. 2019 gewann Liverpool die Champions League sowie im darauffolgenden Jahr die Premier League. Im Mittelpunkt wollte der Coach bei den Feierlichkeiten aber auch nicht stehen. Den Pokal bekam er fast schon in die Hand gedrückt.
"Ich hätte gern eine andere Persönlichkeit. Verlieren war zu 1000 Prozent meine Verantwortung, aber gewinnen? Da war ich immer nur ein Mitläufer. Ich musste nicht Erster werden. Natürlich habe ich es genossen, mit den Fans zu feiern, aber der Rest, die Pokalübergabe, das war so gar nicht mein Ding“, sagt Klopp.
