Zusammenfassung

  • Julian Weigl ist nach seiner Sprungelenksverletzung ins Lauftraining eingesteigen

  • Sein Ziel ist es, Anfang September wieder mit der Mannschaft zu trainieren

  • Im Interview spricht er auch über das neue System von Peter Bosz

Bad Ragaz - Entspannt sitzt Julian Weigl beim Pressegespräch mit den Mitgereisten Medienvertretern im Teamhotel im schweizerischen Bad Ragaz, wo sich Borussia Dortmund derzeit im Trainingslager befindet. Weigl wirkt gelöst, schließlich durfte er am heutigen Freitag endlich wieder ins Lauftraining einsteigen. "Das ist ein Meilenstein, wenn man eine lange Verletzungszeit hat und in der Reha ist", sagt er erleichtert. Im Interview spricht er ausführlich über seine Verletzung und auch über die Philosophie von Peter Bosz.

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Frage: Herr Weigl, wie geht es Ihnen und wie verläuft der Heilungsprozess?

Julian Weigl: Mir geht es sehr gut. Ich durfte heute das erste Mal wieder Lauftraining machen. Das ist ja schon ein Meilenstein, wenn man in der Reha ist. Darauf arbeitet man hin. Beim Laufen kann sich die Muskulatur wiederaufbauen, da kann man endlich große Fortschritte machen. Insgesamt gesehen, ist die Reha bisher sehr gut und ohne Rückschläge verlaufen. Wir sind voll im Plan. Nach der ersten Länderspielpause Anfang September soll dann die Zeit kommen, wo ich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann und voll belastbar bin.

Frage: Wie schwierig war es, diese erste, schwerere Verletzung Ihrer Karriere, zu verarbeiten? Wie sind Sie damit umgegangen?

Weigl: Das war schon schwer, gerade am Anfang, als das Pokalfinale und der Confed-Cup vor der Tür standen. Da ist mir zuhause erstmal die Decke auf den Kopf gefallen. Zur Verletzung selbst: Ich habe zwar sofort gemerkt, dass mehr kaputt ist, konnte es aber schlecht einschätzen. Ich hatte ja noch keine gröbere Verletzung bis zu diesem Moment. Erst als die Ärzte vor dem Röntgengerät angefangen haben, den Kopf zu schütteln, ist es mir klargeworden. Da ist man natürlich erstmal niedergeschlagen, aber ich bin ein positiver Mensch. Mein Umfeld hat mir sehr geholfen, deshalb war ich nie tottraurig. Der Zeitpunkt der Verletzung hatte seine Vor- und Nachteile. Einerseits habe ich das Finale und auch das Turnier verpasst, andererseits konnte ich aber die Sommerpause für die Reha nutzen, ohne viele Spiele für den BVB zu verpassen. Ich bin in so einer Situation eher der Typ, der die positiven Dinge in den Vordergrund rückt.

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"Geht auch darum, in die Mannschaft hineinzufühlen"

Frage: Wen zählen Sie zu den Leuten, die in Ihrem Umfeld besonders wichtig für Sie sind?

Weigl: Natürlich meine Freundin und meine Familie. Mein Vater war ja sogar die ganze Zeit im Krankenhaus da. Aber auch meine Mannschaftskollegen. Mich haben in den vier Tagen im Krankenhaus unglaublich viele besucht, das war überwältigend, darüber habe ich mich sehr gefreut. Jetzt in der Reha-Phase hat es gerade meine Freundin nicht immer leicht gehabt. Wenn man die anderen trainieren sieht und selbst nicht mit auf den Platz kann, ist man natürlich nicht immer super gelaunt. Sie ist da einfach ein großer Rückhalt für mich.

Frage: Es war eine sehr lange Saison für Sie. Ist es ein Nachteil, keinen richtigen Urlaub gehabt zu haben?

Weigl: Natürlich hätte ich mir einen ausgiebigen Urlaub gewünscht, aber auch so hatte ich – wenn auch nicht am Stück – drei Wochen Urlaub und konnte immer mal wieder weg. Klar, das war nicht der Urlaub, den ich mir vorgestellt habe, aber ich habe versucht, das Beste daraus zu machen. Das muss man nehmen, wie es ist.

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Frage: Wie froh sind Sie, hier in Bad Ragaz mit vor Ort zu sein? Ist das gut, oder schmerzt es, die Kollegen jeden Tag mit dem Ball zu sehen?

Weigl: Ich bin schon sehr froh, hier zu sein. Ob nun das gemeinsame Essen, oder mit den Jungs auf dem Zimmer zu sein und Playstation zu spielen: Es geht einfach um dieses Gefühl, wieder Teil der Mannschaft zu sein, in die Mannschaft hineinzufühlen. Genauso geht es aber auch darum, die Philosophie des Trainers zu verinnerlichen und bei den Mannschaftssitzungen dabei zu sein, um zu sehen, wie er spielen will. Nicht, dass ich zurückkomme und keine Ahnung habe, wie unser neues System funktioniert oder wie die Abläufe sind.

"Sehr hoch pressen und dem Gegner keine Ruhe lassen"

Frage: Wie sah Ihr Kontakt mit Peter Bosz bislang aus?

Weigl: Wir haben schon miteinander gesprochen. Er hat mir gesagt, dass er mich in den Sitzungen dabeihaben möchte, damit ich sein Spiel kennenlerne. Es gibt immer mal wieder kurze, sehr positive Gespräche.

Frage: Wie wird sich das Spiel des BVB unter dem neuen Trainer verändern?

Weigl: Seine Philosophie ist, dass wir sehr hoch pressen und dem Gegner keine Ruhe lässt. Wir wollen offensiv spielen und den Ball so schnell wie möglich zurückerobern, falls wir ihn mal verlieren. Alle Spieler sollen dabei mithelfen und aggressiv zu Werke gehen.

Frage: Wie wird sich Ihr Spiel dadurch verändern, gerade wenn der Ballbesitz nicht mehr die wichtigste Komponente ist?

Weigl: Peter Bosz ist es schon wichtig, den Ball zu haben. Aus den bisherigen Sitzungen habe ich mitgenommen, dass der zentrale Mittelfeldspieler etwas weiter vorne steht, weil wir eben dieses Gegenpressing machen wollen. Dadurch könnte ich auch die Gelegenheit bekommen, dann und wann mal den entscheidenden Pass zu spielen und vielleicht sogar mal ein Tor zu erzielen. Genauer werde ich das dann aber erst sehen, wenn ich wieder auf dem Platz dabei bin.

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