Köln - Julian Schieber startete furios in die neue Spielzeit. Der Hertha-Stürmer traf in den ersten beiden Spielen als Joker und trug damit zum tollen Saisonauftakt der Berliner maßgeblich bei. Vor dem Topspiel bei seinem Ex-Verein Borussia Dortmund, bei dem er leider verletzungsbedingt passen muss, spricht der 27-Jährige im Interview mit bundesliga.de über seine aktuelle Form und Ziele.

bundesliga.de: Julian Schieber, Sie haben die Saison 2015/16 wegen eines Knorpelschadens weitgehend verpasst und erst am Ende noch ein paar Kurzeinsätze gehabt. Was hatten Sie sich für die neue Saison vorgenommen und inwieweit konnten Sie Ihre Ziele bereits verwirklichen?

Julian Schieber: Für die neue Saison habe ich mir vor allem eines vorgenommen: zu gewinnen. Nach sechs Spieltagen stehen wir mit 13 Punkten auf Tabellenplatz zwei und haben schon vier Mal gewonnen, bisher läuft es also ganz gut mit meinen Plänen.

bundesliga.de: Sie wurden in allen Spielen eingesetzt und haben auch bereits zwei wichtige Tore für Hertha erzielt, haben aber in den sechs Partien bislang eine Einsatzzeit von nur etwas mehr als 60 Minuten gehabt. Was macht Ihnen Hoffnung, dass Sie bald über die Jokerrolle hinauskommen und auch mal in der Startelf stehen? Wie ist das Feedback des Trainers?

Schieber: Ich habe in sechs Monaten sechs Mal gespielt. Einen Einsatz pro Spiel zu bekommen, ist mein großes Ziel – ob als Joker oder von Anfang an. Vom Trainer bekomme ich positives Feedback. Er kann sich auf mich verlassen. Ich weiß, was ich zu tun habe, wenn ich reinkomme und wie ich der Mannschaft helfen kann.

bundesliga.de: Wie würden Sie Ihren derzeitigen Gemütszustand beschreiben: demütig nach der langen Verletzung, ungeduldig, weil Sie mehr spielen wollen, ehrgeizig oder gelassen?

Schieber: Ich fühle mich sowohl gelassen als auch ehrgeizig, eine Mischung aus beidem. Ohne Ehrgeiz hätte ich nicht sechs Spiele machen können. Aber demütig bin ich auf keinen Fall. Ich bin endlich wieder da, wo ich sein will. Ich habe mich zurückgekämpft und kann der Mannschaft helfen, von daher bin ich gelassener geworden, was die Verletzung angeht.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie den Saisonstart der Hertha?

Schieber: Die Punkte sprechen für sich: Wir haben einen sehr guten Start hingelegt. Aber die Spielzeit ist noch lang, es sind noch sehr viele Punkte zu vergeben. Von daher backen wir ganz kleine Brötchen.

"Wir sind noch nicht am Limit"

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bundesliga.de: Spielt die Mannschaft schon am oberen Limit?

Schieber: Ich finde es schwer, über ein Limit in einer Mannschaft zu sprechen. Es gibt Phasen, mal gute, mal schlechte. Wir hatten schon ganz gute Spiele, vor allem das gegen den Hamburger SV war eines der besten Spiele der Saison, das gibt eine gute Richtung vor. Aber am Limit sind wir noch nicht, da können wir noch mehr machen.

bundesliga.de: Schon in der letzten Spielzeit spielte Hertha eine starke Hinrunde, baute dann aber im letzten Saisonviertel ab. Welche Lehren wurden daraus gezogen? Glauben Sie, dass die Mannschaft jetzt stabiler ist und woran machen Sie das fest?

Schieber: Wir werden sehen, ob wir Lehren daraus gezogen haben (lacht). Wir wissen, wie es ist, nach einer guten Hinrunde einzubrechen. Das wollen wir diesmal nicht. Wir arbeiten daran, stabiler zu werden, damit es nicht nochmal passiert.

bundesliga.de: Was ist drin in dieser Saison?

Schieber: Mit solchen Einschätzungen tue ich mich schwer, gerade zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison. Wir versuchen, so viele Punkte wie möglich zu sammeln und dann werden wir sehen, wozu das reicht.

bundesliga.de: Am Freitag gastiert Hertha zum Topspiel in Dortmund. Sie haben selbst zwei Jahre das BVB-Trikot getragen. Was ist aus dieser Zeit hängen geblieben?

Schieber: An die Zeit beim BVB habe ich schöne Erinnerungen. Ich habe viele tolle Momente erlebt, die mich mein ganzes Leben begleiten werden und an die ich gerne zurückdenke. Ich war stolz für Schwarz-Gelb zu spielen, weil es eine fußballverrückte Region ist. Die Fans sind super und das Stadion schön. Jetzt bin ich bei Hertha und hier sehr glücklich.

bundesliga.de: Sehen Sie Hertha in Dortmund in der Außenseiterrolle oder schon auf Augenhöhe mit dem BVB? Wie stehen die Chancen auf einen Erfolg?

Schieber: Wir sind ganz klar der Außenseiter. Für den BVB ist es ein Heimspiel, da ist es klar, dass sie Favorit sind. Aber das tut uns auch mal ganz gut. Wir wissen, wenn die Dortmunder ins Rollen kommen, kann es gefährlich werden. Das probieren wir natürlich zu verhindern, denn es ist nichts unmöglich.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski