Köln - Julian Baumgartlinger folgt in Leverkusen auf Weltmeister Christoph Kramer, den es nach Mönchengladbach zog. Bei der Werkself will der Österreicher nach fünf erfolgreichen Jahren in Mainz nun ebenfalls zu einer festen Größe im defensiven Mittelfeld werden. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 28-Jährige über seine Ziele mit Bayer 04 und das Topspiel in Mönchengladbach.

bundesliga.de: Julian Baumgartlinger, nach fünf Jahren in Mainz zog es Sie im Sommer zu Bayer 04 Leverkusen. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, das gewohnte Umfeld zu verlassen und eine neue Herausforderung anzunehmen?

Julian Baumgartlinger: Das war sicherlich kein ganz leichter Schritt für mich. Aber ich habe dann die zwei möglichen Karrieremodelle gegenübergestellt. Es hätte schon auch einiges dafür gesprochen, in Mainz zu bleiben – der Klub, die Stadt, das sehr positive Umfeld. Ich hatte eine wunderbare Zeit dort, da geht man nicht so einfach weg. Außer es kommt eben etwas noch Besseres.

bundesliga.de: Welche Argumente sprachen für Leverkusen? Wie plant Roger Schmidt mit Ihnen?

Baumgartlinger: Leverkusen ist letztendlich der logische nächste Schritt auf meinem Karriereweg. Ich wollte immer in die Champions League. Jetzt habe ich die Chance dazu bekommen, das ist für mich wirklich eine riesige Herausforderung. Und ich bin zu ehrgeizig, mich ihr nicht zu stellen. Zumal man sich in Leverkusen sehr bemüht hat, mich von einem Wechsel zu überzeugen. Das haben sie dann auch ganz gut hingekriegt.

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bundesliga.de: Mit welchen Ambitionen mit der Mannschaft und persönlichen Zielen gehen Sie in die Saison?

Baumgartlinger: Bei Bayer 04 sind die Ambitionen sehr anspruchsvoll, natürlich wollen alle hier endlich einmal wieder einen Titel. Wir tanzen in dieser Saison ja auf drei Hochzeiten. Das Ziel ist es, in allen drei Bewerben so lange wie möglich im Rennen zu bleiben. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt.

"Der Stil von Bayer 04 liegt mir"

bundesliga.de: Die Mainzer haben Leverkusen oft Probleme bereitet und in den fünf Jahren, die Sie dort waren, von zehn Spielen vier gewonnen und auch nur vier verloren. Wie haben Sie zu Mainzer Zeiten die Werkself wahrgenommen? Inwieweit wurden Ihre Eindrücke nun im Trainingsalltag bestätigt?

Baumgartlinger: Diese Statistik liest sich gar nicht so schlecht gegen einen deutschen Spitzenklub wie Bayer 04. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es immer extrem unangenehm war, gegen Leverkusen zu spielen, auch wenn wir gewonnen haben. Gerade in den vergangenen Jahren hat uns Bayer mit seiner speziellen und intensiven Art des Fußballs sehr zugesetzt. Das ist extrem fordernd für eine gegnerische Mannschaft. Es ist wirklich schön, das jetzt mal von der anderen Seite zu erleben und Teil dieses Fußballs zu sein. Es macht riesigen Spaß.

bundesliga.de: Bayer 04 spielt ein anderes System als die meisten anderen Topvereine und versucht permanent Druck auf den Gegner auszuüben und dann schnell zu attackieren. Lange Ballstafetten sind eher unüblich. Einem Christoph Kramer fiel die Umstellung in der letzten Saison nicht leicht. Wie sehr mussten Sie sich umstellen und Ihr Spiel anpassen? Haben Sie das neue System schon verinnerlicht?

Baumgartlinger: Ich denke schon, dass mir dieser Stil liegt. Er ist sehr laufintensiv und zweikampfbetont, auf Balleroberung angelegt. Das alles sind Dinge, über die auch ich mich definiere. Auch im Mainzer System waren diese Attribute gefragt. In Leverkusen werden sie vielleicht noch etwas anders betont, aber grundsätzlich passt das schon ganz gut.

bundesliga.de: In Mainz waren Sie unumstrittener Leader und Stammspieler. In Leverkusen saßen Sie beim Pokalspiel zunächst auf der Bank. Die Konkurrenz gerade auf der Sechser-Position ist groß. Wie gehen Sie damit um?

Baumgartlinger: Mir ist bewusst, dass wir einen starken Kader haben, in dem der Konkurrenzkampf groß ist. Da kann sich jeder ab und an mal auf der Bank wiederfinden. Aber Konkurrenz macht einen auch stärker, man muss sich täglich beweisen. Es liegt jetzt ganz alleine an mir, diesen Kampf anzunehmen und mir Schritt für Schritt einen Stammplatz zu erarbeiten. Das ist etwas, worauf ich mich unheimlich freue. Zumal wir so viele Spiele haben werden, dass jeder Einzelne gebraucht wird, um erfolgreich zu sein.

bundesliga.de: Zum Auftakt gastiert Bayer 04 im rheinischen Derby bei Borussia Mönchengladbach. Wie kann Leverkusen dort bestehen, wie schwer wird die Aufgabe?

Baumgartlinger: Die Borussia ist ein direkter Konkurrent für uns, mit ihr werden wir uns über die komplette Saison messen müssen. Eine sehr starke Truppe, die sich in den vergangenen Jahren auf ganz hohem Niveau stabilisiert hat. Aber natürlich wollen wir von dort etwas mitnehmen. Ich denke, dass es ein tolles Spiel werden wird.

bundesliga.de: Hertha-Trainer Pal Dardai tippt Leverkusen als kommenden Meister. Halten auch Sie das für möglich?

Baumgartlinger: Dieser Tipp zeigt eine gewisse Wertschätzung, aber letztlich ist es schon schwierig genug, sich überhaupt für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Wir haben extrem starke Konkurrenz. Gegen die wollen wir uns natürlich durchsetzen. Doch an Tipps anderer orientieren wir uns da sicherlich nicht.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski