München - 1899 Hoffenheim hat einen Auftakt nach Maß in die Bundesligasaison hingelegt. Zwei Spiele, zwei Siege und gleichauf mit dem 1. FC Kaiserslautern auf dem 1. Tabellenplatz. Ralf Rangnick stellt mit seinem Team mal wieder die Liga auf den Kopf - und das in doppelter Hinsicht.

Denn 1899 braucht keine "alten Haudegen" mit viel Erfahrung, um einen Champions-League-Teilnehmer wie den SV Werder Bremen mit 4:1 nach Hause zu schicken. Und 1899 beweist, dass auch ein relativ neuer Club der Bundesliga langfristig Spieler aufbauen, fördern und auch im Verein halten kann.

Jugendstil bei 1899

Hoffenheim gehört zu den jüngsten Mannschaften der 18 Bundesliga-Clubs, in der mit Josip Simunic (32) überhaupt nur ein Spieler die 30-Jahre-Marke durchbrochen hat und in der der Altersdurchschnitt der Startelf an den ersten beiden Spieltagen unter 25 Jahren lag. Zudem ist Andreas Beck mit seinen 23 Jahren der jüngste Kapitän der Bundesliga.

Für Trainer Rangnick ist diese Konstellation nicht aus der Not geboren, sondern Hoffenheims klares Konzept. So hat der Coach in diesem Sommer bewusst neue Feldspieler verpflichtet, die allesamt in einer U-21-Mannschaft spielen könnten. Einzig auf der Torwartposition wechselte mit Tom Starke (29) ein älterer Spieler nach Hoffenheim.

Bereits zwei Pflichtspiel-Tore von Mlapa

Erst kurz vor Ende des Transferfensters kamen Sebastian Rudy und Gylfi Sigurdsson. Wie sehr sie ihren neuen Club weiterhelfen, wird erst in den kommenden Wochen sichtbar werden. Peniel Mlapa verpflichteten die Hoffenheimer bereits vor dem Sommer, und der deutsche U-21-Nationalspieler zahlte es bereits mit zwei Toren im DFB-Pokal und in der Bundesliga zurück. "Es war ein wenig riskant, aber es hat sich nun als richtig erwiesen, dass wir lange Zeit mit Peniel Mlapa nur einen neuen Feldspieler zu integrieren hatten", meinte Rangnick im "kicker".

Dieses Konzept erinnert stark an die erfolgreiche Hinrunde 2008, in der 1899 als Aufsteiger die Herbstmeisterschaft feierte. Auch damals machte es sich der Coach zur Aufgabe, junge Profis wie Andreas Beck in der Bundesliga-Mannschaft als Stammspieler zu etablieren. Eine Entwicklung, die auch dem Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft nicht verborgen blieb. Mit Beck, Marvin Compper und Tobias Weis debütierten in der Saison 2008/2009 gleich drei Hoffenheimer im Team von Bundestrainer Joachim Löw.

Stars verlängern vorzeitig bei 1899

Zudem baut man in Hoffenheim langfristig auf seine Stars. Mit Carlos Eduardo verließ diesen August nur ein Feldspieler aus dem Stamm-Team der vergangenen Jahre den Club in Richtung Rubin Kazan. "Als ein deutlich höheres Angebot kam und Carlos sowie sein Beraterumfeld diesen Transfer gerne machen wollten, stimmten wir zu", erzählte Rangnick. "In drei Jahren war das ja nun erst ein einziges Mal so."

Auch Top-Stürmer wie Vedad Ibisevic, der 2008/09 lange Zeit um die Torjägerkanone kämpfte und in der vergangenen Saison durch einen Kreuzbandriss die komplette Rückrunde ausfiel, verlängerte bereits im Frühjahr vorzeitig seinen Vertrag. Ebenso haben Isaac Vorsah, Demba Ba, Compper, Andreas Ibertsberger und Chinedu Obasi bereits in der Vorsaison verlängert.

Hoffenheim baut auf Kontinuität und so ist Ralf Rangnick auch nach Bremens Thomas Schaaf der dienstälteste Trainer in der Bundesliga. Das Ende für seine Mission "1899" sieht der Coach noch nicht: "Dafür ist der Verein in einer viel zu spannenden Phase."

Jessica Pulter