Wolfsburg - Josuha Guilavogui hat Glück im Unglück gehabt. Am 31. Juli zog sich der französische Nationalspieler vom VfL Wolfsburg einen Halswirbelbruch beim Testspiel gegen Sporting Lissabon zu. Vier Monate später ist Guilavogui wieder top fit und gesetzt in der Elf von Trainer Valérien Ismael. Im Interview mit bundesliga.de spricht er über sein Jahr 2016, seine Genesung und warum er bei dieser Verletzung wahnsinnig viel Glück hatte.

bundesliga.de: Monsieur Guilavogui, haben Sie ein bisschen Angst, wenn Sie in die Zweikämpfe gehen?

Josuha Guilavogui: Ich habe keine Angst, nur einen leichten Bammel. Das ist aber, denke ich, nachzuvollziehen, nachdem ich so viel durchmachen musste. Ich habe mich vor allem gefragt, wie ich in die Zweikämpfe gehen soll, um da heil heraus zu kommen. Aber es wird immer besser und ich fühle mich dabei immer wohler.

bundesliga.de: Wie sind Sie mit dieser Verletzung umgegangen?

Josuha Guilavogui: Es handelt sich nicht um eine normale Verletzung, sondern um eine sehr seltene Verletzung. Solche Verletzungen gibt es eher in anderen Sportarten, wie zum Beispiel im Rugby.

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bundesliga.de: Wie ist es eigentlich genau passiert in diesem Testspiel im vergangenen Sommer?

Guilavogui: Ich bin nach einem Duell in der Luft auf meinem Hals gelandet und sofort habe ich gespürt, dass irgendwas passiert ist. Im Nachhinein war es ein dreifacher Bruch des Halswirbels.

bundesliga.de: War Ihnen sofort bewusst, wie schwerwiegend diese Verletzung war?

Guilavogui: Überhaupt nicht. Ich habe ein komisches Geräusch gehört und es war definitiv nicht normal. Mein erstes Gefühl war aber eher, dass es nicht schwerwiegend ist. Ich habe mich auf den Rücken hingelegt. Ich konnte dann problemlos meinen Kopf auf die linke Seite drehen, aber auf der rechten Seite war ich nicht in der Lage, mich komplett zu drehen. Dann war mir klar, dass etwas Schlimmeres passiert war.

bundesliga.de: Was lief dann in Ihrem Kopf ab?

Guilavogui: Ich habe nur gehofft, dass diese Verletzung nicht so gravierend ist. Danach wurde ich in Portugal ins Krankenhaus eingeliefert und eingehende Untersuchungen ergaben, dass ich mir einen dreifachen Bruch zugezogen hatte.

bundesliga.de: Wie haben Sie dann reagiert?

Guilavogui: Es war schwer für meine Psyche. Als ich erfuhr, dass ich zwölf Wochen außer Gefecht sein würde, war es nicht einfach, damit umzugehen. Ich habe ein paar Tage benötigt, um mich davon mental zu erholen.

bundesliga.de: Aber es hätte noch gravierender enden können...

Guilavogui: Das ist mir bewusst. Als ich die Diagnose bekam, hatte ich nicht wirklich begriffen, dass ich Glück im Unglück hatte. Diese Zone ist sehr sensibel und es hätte anders ausgehen können. Ein paar Zentimeter weiter und ich hätte den Rest meines Lebens im Rollstuhl verbringen müssen. Das haben mir verschiedene Ärzte mitgeteilt. Im Endeffekt hatte ich großes Glück.

bundesliga.de: Sind Sie also wie durch ein Wunder gerettet worden?

Guilavogui: Das ist schwer zu sagen... Ich weiß nur, dass ich einfach viel Glück gehabt habe. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich wieder Fußball spielen darf - und zwar beschwerdefrei und auf dem höchsten Niveau.

bundesliga.de: Was kann man Ihnen nun für das neue Jahr 2017 wünschen?

Guilavogui: Ganz klar, die Gesundheit steht an erster Stelle. Außerdem möchte ich das Maximum an Spielen absolvieren und mit dem VfL Wolfsburg eine ruhigere und erfolgreichere Rückrunde erleben.

Das Gespräch führte Alexis Menuge