Wolfsburg - Stadionsprecher und Fans haben ihre liebe Not, den Namen der Nummer 23 fehlerfrei über die Lippen zu bringen: Josuha Guilavogui.

Seit Beginn der Saison trägt der Franzose das Trikot des VfL Wolfsburg. Auf Leihbasis holten Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking den 24-Jährigen für zwei Jahre in die Autostadt. Das Duo hatte den Defensiv-Spezialisten als eventuellen Nachfolger von Luiz Gustavo schon länger auf dem Zettel.

"Er ist ein junger Spieler mit großem Potenzial, der bereits über internationale Erfahrung verfügt und seinen Teil dazu beitragen wird, die Mannschaft in ihrer Entwicklung weiter voranzubringen", prophezeite der Sportdirektor bei der Vorstellung des Franzosen.

Vergleich mit Vieira

Gelernt hat Guilavogui das Fußballspielen beim französischen Erstligisten AS St. Etienne zu dem er im Alter von 15 Jahren wechselte. Zwei Jahre später wurde er in die französische U-18-Auswahl berufen. Im Lande des Weltmeisters von 1998 verglich man den 1,88 Meter großen Guilavogui mit dem Fußball-Helden Patrick Vieira. "Es ist immer schön, mit ihm verglichen zu werden, ich möchte mir das aber nicht anmaßen. Ich muss hart arbeiten, um mal auf sein Level zu kommen", blieb der so Gelobte bescheiden.

Mit 18 feierte Guilavogui 2009 sein Debut in der Ligue 1. Bereits eine Spielzeit nach seiner Erstliga-Premiere avancierte er zum Stammspieler.  Die Saison 2012/13 wurde zu seiner erfolgreichsten.

Mit St. Etienne zurück nach Europa

Dank starker Auftritte in der Defensive hatte er großen Anteil daran, dass der Traditionsverein, der 1976 im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Bayern München knapp mit 0:1 verlor, erstmals seit Beginn der 80er Jahre wieder auf europäischer Bühne zu sehen war. Außerdem gewann der Club in der Spielzeit den französischen Ligapokal.

Die starken Leistungen des defensiven Mittelfeldspielers waren auch Didier Deschamps nicht entgangen. Der französische Nationaltrainer berief Guilavogui am 5. Juni gegen Uruguay (0:1) erstmals in die A-Nationalmannschaft. "Er zählt zu dieser jungen hoffnungsvollen Generation und er ist ein feiner Spieler, der es auf der internationalen Bühne sehr weit bringen kann", so Deschamps. Kein Wunder, dass europäische Top-Clubs das Talent jagten. Den Zuschlag bekam Atletico Madrid. Es war "ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte", gab Guilavogui zu.

Nur eine Minute Primera División

Kam es zu früh? Auf jeden Fall gab es den ersten Bruch in der Karriere des Franzosen, die bis dahin stetig bergauf verlief. An Gabi, Tiago oder Mario Suarez im defensiven Mittelfeld der Rojiblancos gab es für ihn keinen Weg vorbei. Lediglich eine Minute kam er in der ersten spanischen Liga zum Einsatz. Nur sechs Monate später kehrte er auf Leihbasis zurück nach ST. Etienne.

Und auch in der Nationalmannschafts-Karriere gab es einen Bruch. Verletzungsbedingt verpasste Guilavogui die WM 2014. Statt nach Brasilien führte ihn sein Weg nach Wolfsburg. "Der VfL hat sich enorm um mich bemüht. Das macht den Unterschied aus, wenn ein Club einfach nicht locker lässt", erklärte der 24-Jährige seine Entscheidung gegen Mitbewerber wie den 33-maligen portugiesischen Meister Benfica Lissabon.

Aubameyang und Mandzukic empfehlen Bundesliga

Außerdem habe er "mit Pierre-Emerick Aubameyang (Mannschaftskamerad beim AS St. Etienne; die Red.) gesprochen. Er hat mir über Wolfsburg und die Bundesliga berichtet. Auch mit Mario Mandzukic habe ich in Madrid noch geredet, das war sehr aufschlussreich."

Der in Wolfsburg befürchtete Abgang von Luiz Gustavo blieb aus, der brasilianische Nationalspieler blieb in der Autostadt und bei Trainer Hecking gesetzt. Anders als Guilavogui, der aber den Kampf um einen Stammplatz annahm.

Traum von der EM im eigenen Land

"Ich will mich in Wolfsburg weiterentwickeln, kann mich auf europäischer Bühne präsentieren", sagte Guilavogui dem "kicker". Und natürlich träumt er von einer Rückkehr in die Equipe Tricolore. "Mein Traum ist es, 2016 bei der EM im eigenen Land dabei zu sein." Geht es nach Hecking, ist Guilavogui dabei auf dem besten Weg. "Zwei Weltklasse-Sechser" adelte der VfL-Coach Guilavogui und Luiz Gustavo nach dem 2:0 gegen den Hamburger SV.

In Wolfsburg sieht nach nur vier Monaten alles danach aus, dass der Verein nach Ablauf der Leihfrist 2016 die Kauf-Option ziehen wird. Der "unaussprechliche Name" wird Stadionsprecher und Fans bis dahin sicher fließend über die Lippen gehen.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs