Sinsheim - Bei der bislang größten Nachricht, die ihn bislang erreichte, hatte Jonas Hector "keinen Empfang" Von seiner Nominierung für die Nationalmannschaft erfuhr der Linksverteidiger des 1. FC Köln erst durch ein Gespräch mit Vereinstrainer Peter Stöger, die kurze Mitteilung von Nationaltrainer Joachim Löw hörte er am Freitag erst nach dem Training auf der Mobilbox ab - er hatte vorher eben: keinen Empfang.

Jonas Hector erzählte diese Anekdote verschmitzt lächelnd am Samstag nach dem Abpfiff des 4:3-Sieges seiner Kölner bei der TSG Hoffenheim in den Katakomben der Sinsheimer Arena.

Hector hatte an diesem Tag ja auch lange auf dem Platz "keinen Empfang" und tat sich schwer gegen seinen neuen Nationalmannschaftskollegen Kevin Volland von der TSG. Hector steigerte sich aber in Halbzeit zwei und stabilisierte die linke Seite dann. Löws Assistent Thomas Schneider werden die Anlaufschwierigkeiten des gar nicht mehr so ganz jungen Nachwuchsmannes (24) nicht verborgen geblieben sein.

Hector von Nominierung überrascht

Jonas Hector ist zurückhaltend, wenn er auf seine Einladung des DFB angesprochen wird. Der 24-Jährige wirkt selbst ein bisschen überrascht von der Nominierung in Deutschlands Eliteauswahl. "Ich habe ja auch erst elf Bundesligaspiele“, sagt er bescheiden. Und auf die Idee, Jonas Hector in die Nationalmannschaft zu berufen, sei er als Playstation-Spieler auch noch nicht gekommen, erzählte Hector schmunzelnd: "Der war einfach nicht gut genug.“ Humor hat der Saarländer.

Vielleicht ist sein Anspruch, jetzt bei der Nationalmannschaft erst eimal "reinschnuppern“ zu wollen, gar nicht so unklug. Der Junge, der nie in einer Junioren-Auswahl des DFB gespielt hat, nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten ausgebildet wurde und bis zu seinem 20. Lebensjahr beim SV Auersmacher im Saarland gekickt hat, wirkt sehr geerdet.

Vakuum auf Außenverteidigerpositionen

Mit guten Leistungen auch in Liga zwei hat er sich für eine Berufung in Deutschlands A-Team empfohlen. Nach dem Rücktritt von Philipp Lahm herrscht noch mehr ein Vakuum auf den Außenverteidigerpositionen als vor dem Rücktritt des Kapitäns. Ob Hector davon profitieren kann? Gemach, gemach, Hector ist erst einmal froh, dabei zu sein, merkt er an.

FC-Coach Peter Stöger nennt den schnellen Außenbahnflitzer einen "Vorzeigeprofi“, dem alle im Club die Nominierung gönnten. Mit Kindersekt wurde am Freitag in der Kölner-Kabine mit den Mitspielern auf den Ruf des Weltmeisters abgestoßen. Brav! In Köln nehmen sie die Berufung des Saarländers aber auch als Bestätigung ihrer Arbeit. Manager Jörg Schmadtke sagt: "Wir sind natürlich auch ein bisschen stolz. Momentan ist Jonas ja nur eingeladen, aber ich hoffe, dass er auch zum Einsatz kommt.“

Hector jetzt am 11.11. in Köln verhindert

Jonas Hector erlebt gerade die aufregendsten Tage seiner Laufbahn - ob er nun gegen Gibraltar und Spanien zum Einsatz kommt, oder nicht. Jonas Hector, 24, elf Bundesligaspiele, ist aber niemand, der dazu neigt nun Funkenmariechentänze aufzuführen.

Der Nationalmannschaftsnovize kann wegen seinen hohen Weihen ja nicht am Karnevalsbeginn in Kölle, dem Elften im Elften, teilnehmen. Aber auch das nahm Jonas Hector mit Humor, er sagte: "Es ist ein bisschen schade, dass ich den 11.11. verpasse - aber es gibt schlimmere Gründe.“ Stimmt: Nationalmannschafsnominierung ist ja keine Krankheit - schon gar nicht eine ins Weltmeisterteam.

Tobias Schächter