Hamburg - Es war sein allererstes Tor im seinem 70. Einsatz in der Bundesliga und dann noch so ein wichtiges. HSV-Kapitän Johan Djourou brachte das Volksparkstadion nach 89 Minuten mit seinem Siegtreffer zum 3:2 gegen den VfB Stuttgart zum Beben und bescherte dem Hamburger SV damit den ersten Saisonsieg. Im Interview spricht der Schweizer über seine Torjäger-Qualitäten und wie wichtig der Erfolg für den HSV war.

Frage: Herr Djourou, das war ihr erstes Bundesliga-Tor. Wissen Sie eigentlich, wann Sie das letzte Mal in Ihrer Karriere getroffen haben?

Johan Djourou: Ja, das weiß ich. Es waren ja nicht so viele Tore (lacht). Ich habe das letzte Mal für Arsenal London getroffen. In der Saison 2010/11 traf ich per Kopf zum 2:0 für Arsenal. Am Ende stand es nach einer 4:0-Führung für uns noch 4:4.

"Haben und den Sieg verdient"

Frage: Ähnlich dramatisch war es auch heute gegen den VfB Stuttgart. Gleich zweimal machte der HSV einen Rückstand wett, um am Ende sogar noch zu triumphieren. Wie wichtig war dieser Heimerfolg im neuen, alten Volksparkstadion?

Djourou: Ich habe eigentlich von Beginn an gemerkt, dass wir heute ganz gut dabei sind. Bei den beiden Gegentoren haben wir es den Stuttgartern zu leicht gemacht, aber wir sind immer wieder zurückgekommen. Am Ende haben wir so gedrückt und uns den Sieg verdient. Die Mannschaft hat einfach einen guten Charakter. Sie steht immer zusammen.

"Ich wusste, dass es ein Tor wird"

© gettyimages / Martin Rose

Frage: Ihr Siegtor leiten Sie selbst mit ein, nachdem Sie Martin Harnik den Ball wegspitzeln und dann zu Ivo Ilicevic passen, der Lasogga im Strafraum findet und per Kopf auf Sie ablegt. Haben Sie gewusst, dass der Ball reingeht?

Djourou: Ja, klar. Ich habe schon vor dem Spiel gesagt, dass ich mehr Offensivaktionen haben möchte und in dieser Situation habe ich den Platz gesehen und den Ball Harnik abgenommen. Danach bin ich durchgelaufen und Pierre-Michel hat den Ball dann auch super abgelegt. Ich wusste, als der Ball meinen Fuß verlassen hatte, dass es ein Tor wird. Diesen Sprunggelenksschuss habe ich von Thierry Henry gelernt (Teamkollege bei Arsenal London, Annahme der Redaktion). Das war perfekt. Ich habe früher in der Jugend bei meinem Heimatverein in der Schweiz (Etoile Carouge FC, Annahme der Redaktion) Stürmer gespielt und habe viele Tore geschossen, doch dann bin ich im Laufe der Jahre immer weiter nach hinten gerückt. Ich will nicht sagen, dass ich Stürmerqualitäten habe, aber ich habe die Ruhe vor dem Tor.

Frage: Hat der Platzverweis des Stuttgarters Florian Klein Ihnen noch einmal in die Karten gespielt?

Djourou: Es war auch ein Faktor, dass wir in Überzahl waren. Aber wir haben uns in der Endphase viele gute Chancen erspielt, das war das Wichtigste.

"Ich muss vorangehen"

Frage: Sie sind als Kapitän voran gegangen und haben dann als Verteidiger sogar das Siegtor erzielt. Sind Sie durch das Kapitänsamt noch selbstbewusster geworden?

Djourou: Ja, ich glaube, das muss ich sein. Ich habe mehr Verantwortung, ich muss vorangehen.

Frage: Wie wichtig war dieser Heimerfolg auch im Hinblick auf die beiden folgenden Auswärtsspiele in Köln und in Gladbach?

Djourou: Gott sei Dank haben wir diese drei Punkte. Das war ganz wichtig. Wir haben in den letzten Wochen so viel gelesen und so viel über uns ergehen lassen müssen, aber die Mannschaft ist eine Einheit, das ist wichtig. Die Fans waren heute der zwölfte Mann, das haben wir auch als Mannschaft gespürt.

Aufgezeichnet von Alexander Barklage aus Hamburg