München - Die Trendfarbe der Bundesliga ist ein roter Kreis auf weißem Grund. Die japanische Nationalflagge weht zwar noch nicht durch die Stadien, doch das Land der aufgehenden Sonne erlebt seit der laufenden Saison in der Bundesliga einen einzigartigen Boom.

Spätestens nach der sensationellen Hinrunde von BVB-Schnäppchen Shinji Kagawa, der mit Borussia Dortmund souverän die Herbstmeisterschaft holte, gelten Nippons Spieler als zuverlässige und begehrte Musterprofis.

"Ich habe keine Bedenken"

Dabei hatte bereits in den 80er Jahren ein japanischer Profi die deutsche Eliteliga im Sturm erobert. Yasuhiko Okudera
machte zwischen 1977 und 1986 insgesamt 234 Bundesligaspiele (26 Tore) für Werder Bremen und den 1. FC Köln - doch er blieb für lange Zeit die Ausnahme. Auch Naohiro Takahara, der für Hamburg und Frankfurt 135 Bundesligaspiele absolvierte und 25 Mal ins Schwarze traf, konnte noch keine Trendwende einleiten.

Erst Makoto Hasebe, der beim VfL Wolfsburg Stammspieler wurde und 2009 die Meisterschale gewann, gelang es, die Vorzüge der japanischen Spielweise dauerhaft transparent zu machen. "Ich habe keine Bedenken, dass sich ein Japaner schnell in der Bundesliga integriert. Deren Disziplin ist mit der eines deutschen Spielers vergleichbar", sagte der damalige VfL-Cheftrainer Felix Magath - und behielt Recht.

Japans Fußball auf dem Vormarsch

Guido Buchwald erklärt bei bundesliga.de die Vorzüge japanischer Spieler: "Sie sind technisch stark, schnell und spielen einen etwas anderen Fußball. Die Spieler kommen vor allem in die Bundesliga, um zu lernen, verfügen aber schon jetzt über eine unheimlich hohe Qualität. Das werden sie auch schnell unter Beweis stellen beziehungsweise haben es teilweise ja auch schon gezeigt."

Buchwald war selbst jahrelang als Spieler und Trainer in der japanischen J-League aktiv und beschreibt, wie der Fußball in dem ostasiatischen Inselstaat aus seinem Dornröschenschlaf erwachte: "Als ich in Urawa spielte, haben wir teilweise auf präparierten Reisfeldern trainiert. Doch der Fußball in Japan hat stark aufgeholt und liegt in der Popularität dicht hinter Baseball, dem Volkssport Nummer eins."

In der Bundesliga stehen aktuell sechs Japaner unter Vertrag. Neben Kagawa haben Atsuto Uchida (Schalke 04) und Kisho Yano (SC Freiburg) vor der laufenden Saison den Sprung nach Deutschland gewagt. Weil vor allem Kagawa wie eine Bombe einschlug, war der BVB-Star zugleich Wegbereiter für weitere Nippon-Spieler, die im Winter verpflichtet wurden. Tomoaki Makino (1. FC Köln) und Shinji Okazaki (VfB Stuttgart) verdienen ab sofort ihre Brötchen in der Bundesliga.

Weitere japanische Verstärkung für Köln?

Dabei dürfte Kölns neuer Sportdirektor Volker Finke als weiterer Türöffner für japanische Spieler wirken. Bereits bei seiner Vorstellung am Dienstag kündigte der langjährige Urawa-Coach an, dass mit weiteren Transfers aus Fernost zu rechnen sei. "Die japanischen Spieler sind sehr interessant. Es könnte sein, dass noch jemand nach Köln kommt."

Beim FC Bayern ist der fernöstliche Trend zwar noch nicht in der Mannschaft angekommen - doch Kontakte nach Japan pflegt auch der Rekordmeister. Nicht umsonst kann man die vereinseigene Homepage auch auf japanisch lesen - und ab sofort werden die Neuigkeiten von der Säbener Straße auch in Tokio veröffentlicht.

FC Bayern kooperiert mit japanischer Tageszeitung

Die Münchner sind eine Kooperation mit der japanischen Zeitung "Yomiuri Shimbun" eingegangen. Die mit einer Auflage von zehn Millionen größte Tageszeitung der Welt wird künftig ausführlich über den FCB berichten. Auch die Sporttageszeitung "Hochi", die im selben Verlag erscheint, ist in die Partnerschaft eingebunden. Da scheint es eine Frage der Zeit, bis sich der erste Japaner das Bayern-Trikot überstreift.

Dass eine derartige Welle, wie sie zurzeit aus Japan durch die Bundesligastadien rollt, kein Einzelfall ist, beweist ein Blick in die Statistiken. Zwischen 1996 und 1998 wurden fünf der zehn Ukrainer, die bislang in der Bundesliga spielten, in die deutsche Eliteklasse geholt: Sergei Yuran, Victor Skripnik, Andrey Voronin, Jurij Maximov und Andrej Polunin waren Ausdruck der in Mode gekommenen Osteuropäer.

Im ähnlichen Zeitraum - zwischen 1997 und 1999 - wurden sechs Iraner in die Bundesliga gelockt: Ali Daei, Karim Bagheri, Khodadad Azizi, Mehdi Mahdavikia, Vahid Hashemian und Rasoul Khatibi. Doch auch der persische Trend war nach einigen Spielzeiten wieder verflogen. Ob das japanische Wunder ebenfalls nur ein Strohfeuer ist, wird sich erst noch herausstellen. Vieles spricht aber dafür, dass sich die Söhne Nippons dauerhaft in der Bundesliga etablieren werden.

Johannes Fischer