Hannover - Bis zum ersten Eckstoß für Werder Bremen in der 61. Minute sah Hannover 96 im Nord-Derby gegen die Gäste von der Weser wie der sichere Sieger aus. Doch nach diesem Standard bliesen die Bremer zur Aufholjagd.

Zwölf Minuten vor Ende der Partie war es dann auch wieder mal ein Standard, der Werder zurück ins Spiel brachte. Zlatko Junuzovic legte sich den Ball zum Freistoß zurecht und traf, "unhaltbar", wie sich alle Beteiligten einig waren, zum 1:1 Endstand. Es war der fünfte direkt verwandelte Freistoß des Österreichers in der Saison. Mehr schaffte zuletzt im Werder-Trikot Mario Basler, der in der Saison 1995/96 sieben Freistöße versenkte.

Insgesamt erzielten die Bremer 18 ihrer bisher 48 Saisontore nach einem Junuzovic-Standard. Eine Marke, die zuletzt Rodolfo Esteban Cardoso 1994/95 im Trikot des SC Freiburg setzen konnte. Kein Wunder, dass Werder-Coach Viktor Skripnik den 27-Jährigen als "Riesen-Waffe" lobte. Nach der Partie stellte sich ein blendend aufgelegter Junuzovic den Medienvertretern.

Frage: Herr Junuzovic, wir haben zwei verschiedene Halbzeiten gesehen...

ZlatkoJunuzovic: Das ist richtig. Die erste Halbzeitz war richtig schlecht von uns. 96 hat ganz stark aufgespielt, war fußballerisch klar besser. Mit den Fans im Rücken vor vollem Haus, da denkst du nicht nach und spielst einfach drauf los.

Frage: In der zweiten Hälfte lief es klar besser. Was hat der Trainer in der Pause gesagt?

Junuzovic: Gesagt weniger. Er hat verlangt, dass wir eine Reaktion zeigen sollen und die Mannschaft umgestellt. Mit Öztunali und Bartels waren wir offensiver aufgestellt.

"Ich hatte ein gutes Gefühl"

Frage: Den Ausgleich haben Sie dann wieder mal per Freistoß erzielt?

Junuzovic: (lächelt): Ich hatte ein gutes Gefühl. Beim zweiten Freistoß (neun Minuten nach dem Ausgleich von halbrechts in der 78. Minute verfehlte Junuzovic das 95er-Tor von halblinks nur knapp; die Red.) hatte ich sogar ein noch besseres Gefühl. Leider ging es knapp daneben. Aber das ist okay so. Mehr als einen Punkt haben wir nicht verdient.

Frage: Lassen Sie uns noch einmal über den ersten Freistoß sprechen. Edgar Prib lief sehr spät zurück zur Torlinie. Hat er seinen Torwart irritiert?

Junuzovic: Nein. Wenn er früher zurückgeht, können unsere Spieler nachrücken ohne abseits zu stehen. Er wollte helfen. (lächelt) Es ist in der Liga ja mittlerweile bekannt, wie gefährlich meine Freistöße sind. Die kommen immer gefährlich aufs Tor. Gegen den HSV hab' ich mal einen in die Mauer geschossen, aber das passiert sehr selten.

"Im Herbst waren wir doch abgestiegen"

Frage: Sie sagen, mehr als ein Unentschieden war nicht verdient. Hat Werder nicht trotzdem - wie schon beim 2:2 in Paderborn - zwei Punkte bei einem Abstiegskandidaten liegen lassen?

Junuzovic: Halt, stopp. Wir dürfen nicht vergessen, wie viel Kräfte wir während der Saison gelassen haben. Wir kamen aus der Hölle. Im Herbst waren wir doch schon abgestiegen. Wann haben wir denn die Situation gehabt, dass wir mal frei aufspielen konnten? Erst haben wir gegen den Abstieg gekämpft, dann ging es plötzlich um die Europa League. 26 Punkte in der Rückrunde sind doch super. Wir müssen lernen, das auch mal zu genießen.

Frage: Platz sieben könnte für die Europa League reichen. Das kann Werder noch schaffen, allerdings kommen mit Mönchengladbach und zum Abschluss Borussia Dortmund zwei Teams aus der oberen Region auf Werder zu. Schwere Aufgaben?

Junuzovic: Das sehe ich sogar positiv. Wir sind in diesen Spielen nicht der Favorit, das ist besser für uns. Wir sind noch nicht so weit, Mannschaften wie Paderborn und Hannover zu beherrschen. Wir werden auf jeden Fall alles versuchen, die Europa League zu erreichen. Wichtiger aber ist, dass wir uns Schritt für Schritt entwickeln wollten, und da haben wir eine Super-Entwicklung gemacht. Wenn wir am Ende dann noch die Europa League schaffen, bin ich der Erste, der sich freut.

Zusammengestellt von Jürgen Blöhs