Schruns - Der Gang vom Platz zu den Kabinen im Stadion des FC Schruns führt über eine kleine Treppe. Und nach den schweißtreibenden Einheiten im Trainingslager, kann dieser Weg für die Profis des SC Freiburg schon mal zur Herausforderung werden. "Puh, geschafft", sagt Sascha Riether, "aber es ist wichtig, sich die Grundlagen für die neue Saison zu erarbeiten."

Der 31-Jährige ist nach sieben Jahren in seine fußballerische Heimat zurückgekehrt und möchte dem jungen Team mit seiner Erfahrung helfen. bundesliga.de traf den Rechtsverteidiger, der mit dem VfL Wolfsburg Deutscher Meister wurde und zuletzt zwei Jahre für den FC Fulham in der Premier League spielte, vor Ort im Montafon. Ein Gespräch über die Rückkehr zu den Wurzeln, den Wandel der Nachwuchsarbeit und Rafting.

bundesliga.de: Sascha Riether, wie sehr steckt Ihnen die Vorbereitung schon in den Knochen?

Riether: Ein Trainingslager muss man immer nur überstehen. Man muss versuchen, jede Einheit mitzumachen und verletzungsfrei zu bleiben. Es ist wichtig, sich die Grundlagen für die neue Saison zu erarbeiten. Jetzt ist wieder ein Training vorbei, wir haben es wieder geschafft und somit ist ein weiterer Tag abgehakt.

bundesliga.de: Sind dann solche Events, wie das Wildwasser-Rafting am Mittwoch eine willkommene Abwechslung?

Riether: Auf jeden Fall. Das war mal etwas anderes. Es hat riesig Spaß gemacht, wir hatten super Wetter und die Kulisse mit den Bergen und Wasserfällen war traumhaft. Wobei ich sagen muss, dass es auch sehr anstrengend war, vor allem, weil wir die Bewegungen nicht gewohnt sind. Und auf dem Fluss ging es mit den Wellen schon richtig ab. Nach den zweieinhalb Stunden waren alle fix und fertig und haben auf der Rückfahrt im Bus geschlafen.

bundesliga.de: Sie sind nach zwei Jahren beim FC Fulham nach Deutschland zurückgekehrt. Wie intensiv haben Sie während Ihrer Zeit in England die Bundesliga verfolgt?

Riether: Ich habe immer Bundesliga geguckt, englische Wochen, Pokal, alles! Erstens habe ich lange dort gespielt, zweitens kenne ich noch viele Jungs. Daher ist es ganz normal, dass das Herz für die Ex-Vereine noch mit schlägt.

bundesliga.de: Und für den SC Freiburg ganz besonders ...

Riether: Ja, natürlich. Der Kontakt ist nie abgebrochen. Ich habe dem SC immer die Daumen gedrückt. Gerade die letzte Saison war eine mit Höhen und Tiefen. Zum Glück hat der Sport-Club am Ende die Kurve gekriegt und den Klassenerhalt noch geschafft. Da habe ich mich riesig gefreut.

bundesliga.de: Jetzt sind Sie wieder in Freiburg, haben wie damals die Rückennummer 22 - auf den ersten Blick hat sich nichts verändert ...

Riether: Ich bin Freiburger, bin da groß geworden, hatte dort schöne Jahre und habe einiges gelernt. Ich war sieben Jahre weg und bin ein paar Jährchen älter geworden. Ich bin hier daher nicht mehr der junge Sascha. Ich versuche trotzdem mein Bestes zu geben und etwas von meiner Erfahrung an die vielen jungen Spieler in der Mannschaft weiterzugeben. Vielleicht kann ich denen, die noch einen langen Weg vor sich haben, so ein bisschen helfen.

bundesliga.de: Sehen Sie sich beim SC Freiburg als Führungsspieler?

Riether: In den Mannschaften, in denen ich gespielt habe, war ich immer ein Spieler, der Verantwortung übernommen hat. Das entspricht meiner Mentalität. Aber ich bin jetzt nicht speziell als Führungsspieler geholt worden.

bundesliga.de: Mit Matthias Ginter hat der SC Freiburg ein großes Talent aus der Freiburger Fußballschule, aber auch eine wichtige Identifikationsfigur verloren. Wie sehen Sie seinen Wechsel nach Dortmund?

Riether: Das ist ohne Frage schade für den SC Freiburg. Er war ein wichtiger Spieler, noch dazu ein richtig guter. Er ist Weltmeister geworden, da haben sich alle in der Region sehr mit ihm gefreut. Jetzt macht er den nächsten Schritt und wir wünschen ihm alles Gute dabei.

bundesliga.de: Sie wechselten 1998 aus Offenburg nach Freiburg, durchliefen ab der U 17 alle SC-Jugendmannschaften und feierten 2002 als 19-Jähriger Ihr Profidebüt. Aktuell ist der SC mit zehn Spielern aus der eigenen Jugend im Trainingslager. Ist die Situation heute überhaupt noch mit damals vergleichbar?

Riether: Generell wird in Deutschland wahnsinnig viel auf die Jugend gesetzt. Das ist in England zum Beispiel nicht so. Da heißt es, du musst erst einmal ein paar Jahre spielen, um ein etablierter Spieler zu werden. In der Bundesliga spielen heutzutage sehr viele junge Spieler. Gerade auch beim SC Freiburg sind wahnsinnig viele Spieler aus der Fußballschule hochgekommen, das ist eine klasse Sache.

bundesliga.de: Entsprechend groß ist das Gerangel um die Stammplätze. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Riether: Wir haben eine große Konkurrenzsituation, das ist ganz normal. Wichtig ist nicht, wer auf dem Platz steht, sondern, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht - das hat schließlich auch die Weltmeisterschaft gezeigt.

bundesliga.de: Sie sind jetzt wieder in Ihre fußballerische Heimat zurückgekehrt. Haben Sie sich schon Gedanken über die Zeit nach der aktiven Karriere gemacht?

Riether: Es ist ein Schritt nach Hause. Ich fühle mich noch fit genug, um ein paar Jahre zu spielen. Das will ich einfach genießen. Ich möchte so lange spielen, wie es mir Spaß macht und wie mein Körper mitmacht. Alles was danach kommt, sieht man dann. Weiter beim SC zu bleiben, ist mit Sicherheit eine Möglichkeit.

Das Gespräch führte Maximilian Lotz