Köln – Der VfL Wolfsburg hat sich die erste Vizemeisterschaft seiner Vereinsgeschichte gesichert. Nach dem 2:2-Remis beim 1. FC Köln haben die Niedersachsen Platz 2 verteidigt und den Vorsprung auf Borussia Mönchengladbach auf drei Punkte ausgebaut. Überhaupt haben die Wölfe mit 69 Punkten auf dem Konto ihren Vereinsrekord aus der Meistersaison 2008/09 eingestellt. Im Interview zieht Wolfsburgs Kapitän Marcel Schäfer ein Fazit und blickt auch voraus auf das Pokalfinale am kommenden Samstag.

Frage: Marcel Schäfer, der VfL Wolfsburg hat sich dank des 2:2-Unentschiedens beim 1. FC Köln die Vizemeisterschaft gesichert. Wie zufrieden sind Sie jetzt mit dieser Saison?

Marcel Schäfer: Auf die Saison können wir wirklich stolz sein. Nach der Meisterschaft hatten wir einige Jahre, in denen wir unseren Ansprüchen hinterher hinkten. Diese Jahre waren nicht so einfach und teilweise eine Leidenszeit. Aber sie waren auch nicht so verkehrt. Denn solche Spielzeiten helfen auch dabei, sich mit dem Verein zu identifizieren. Aber es ist natürlich viel angenehmer, in der Tabelle von oben herunterzuschauen. Ich glaube, dass sich der ganze Verein, das Umfeld und die Fans de Vizemeisterschaft verdient haben. Viele Leute haben gesagt, dass es eine Freude ist, uns Fußball spielen zu sehen. Das ist ein Riesenkompliment.

"Darauf können wir stolz sein"

Frage: Das Potenzial war in Wolfsburg ja immer da. Warum hat es in dieser Saison funktioniert? Liegt es an der sportlichen Leitung?

Schäfer: Natürlich. Mit Klaus Allofs und Dieter Hecking haben wir zwei Leute am Werk, die uns den Schlüssel in die Hand geben. Sie legen sehr viel Wert auf Konstanz sowohl im Kader als auch auf dem Platz. Mit Klaus Allofs und dem Trainerteam passt es einfach perfekt. Wir haben das sehr gut hingekriegt und sind froh, dass er jetzt seinen Vertrag verlängert hat.

Frage: Was hat die Mannschaft in dieser Saison ausgezeichnet?

Schäfer: Wir haben in diesem Jahr eine Siegermentalität entwickelt und uns auch nie von Rückschlägen in einem oder durch ein Spiel von unserem Weg abbringen lassen. Wir sind immer wieder zurückgekommen, auch nach Schicksalschlägen, die mit dem Sport überhaupt nichts zu tun hatten. Es war alles andere als einfach, den Tod von Junior Malanda wegzustecken. Diese Situation haben wir als Gesamtverein bravourös gemeistert. Darauf können wir stolz sein.

"An der Zeit den Pokal nach Wolfsburg zu holen"

Frage: Noch ist die Saison nicht vorbei, am kommenden Samstag steigt in Berlin das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Wie gehen Sie dieses Finale an?

Schäfer: 20 Jahre nach dem letzten Finale ist es an der Zeit, den Pokal nach Wolfsburg zu holen. Ich war bei der ersten Meisterschaft des Vereins dabei, jetzt will ich auch den ersten Pokal unbedingt holen. Im Herbst hatten wir einen Bowlingabend mit der Mannschaft gemacht und die ganze Geschäftsstelle dazu eingeladen. Damals haben Diego Benaglio und ich eine Ansprache gehalten und den Pokalsieg in Berlin als Ziel ausgegeben. Am Anfang haben einige vielleicht ein bisschen gelächelt. Dann wurden allen immer bewusster, dass wir es schaffen können. Und am nächsten Sonntag wollen wir den Pokal in Wolfsburg präsentieren.

Frage: Wie ist es um Ihre Fitness bestellt, nachdem Sie in den letzten Wochen einige Probleme hatten?

Schäfer: Ich hatte nach dem Bielefeld-Spiel (das Pokalhalbfinale, die Red.) keinen richtigen Rhythmus mehr, in den Wochen danach ein paar Probleme und selten richtig trainiert. Aber ich denke, das Spiel in Köln war jetzt ganz okay.

Frage: Was werden Sie gleich Ihrem alten Kumpel Christian Gentner am Telefon sagen, nachdem er mit dem VfB Stuttgart doch noch den Klassenerhalt geschafft hat?

Schäfer: Ich freue mich riesig für "Gente". Ich habe trotz unseres Spiels immer auf die Zwischenstände auf den anderen Plätzen geguckt. Dafür ist unsere Freundschaft einfach zu groß. Er ist auch der Einzige, für den ich bis zum Schluss noch zwei Finalkarten geblockt habe, obwohl ich viele Anfragen hatte. Ich freue mich sehr, dass er die jetzt nächste Woche in Anspruch nimmt, uns besuchen kommt, die Daumen drückt und bei unseren Familien sitzt.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski