Augsburg - Während Augsburgs Torwart-Trainer Zdenko Militic mit einem breiten Grinsen die erste Kiste Bier in die Kabine brachte, konnte Halil Altintop es noch gar nicht richtig fassen. Mit dem Last-Minute-Ausgleich auf Schalke und dem 1:1-Endstand hat sich der FC Augsburg nach einer turbulenten Saison den Klassenerhalt gesichert. Altintop gab nach dem Abpfiff einen Einblick in sein Gefühlsleben.

Frage: "Halil Altintop, was für ein Krimi für den FCA – mit einem guten Ende."

Halil Altintop: "Ich kann es immer noch nicht glauben. Das war ja Wahnsinn! Nach dem Aufwärmen kommen wir in die Kabine, auf einmal fallen zwei Spieler aus. Da mussten wir schon vor dem Anpfiff wechseln. Aber trotz allem haben wir versucht, das Beste daraus zu machen. Wir wollten vor allem gut verteidigen und vielleicht irgendwie ein Tor schießen. Es stand unheimlich viel auf dem Spiel für uns."

"Wir sind alle sehr stolz"

Frage: "Die Ausfälle vor dem Spiel waren nicht das einzige Problem für Augsburg."

Altintop: "Egal, was heute passiert ist - ob wir mitten in der ersten Halbzeit nochmal wechseln mussten oder ob wir das Gegentor kurz vor Spielende bekommen - wir wussten immer eine Antwort. Das zeigt einfach, was für ein Wille und ein Glaube in unserer Truppe steckt. Es ist unglaublich, wir sind alle sehr stolz."

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Frage: "Am Ende hat es quasi das letzte Aufgebot richten müssen."

Altintop: "Wir haben die ganze Zeit, schon während der Vorbereitung im letzten Sommer, immer davon gesprochen, dass wir es nur gemeinsam schaffen. Und dass wir zusammen halten müssen, um gewisse Ziele zu erreichen. Das sind nicht einfach nur leere Worte. Umso schöner ist es, dass wir es auf den Punkt beweisen, wenn es darauf ankommt. Umso stolzer können wir darauf sein. Und wir werden es definitiv genießen, dass wir auch in der nächsten Saison wieder in der 1. Liga spielen können."

"Plötzlich war der Ball drin"

Frage: "Was ging Ihnen durch den Kopf, als Schalke plötzlich kurz vor Ende in Führung gegangen ist?"

Altintop: "Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, was ich in diesem Moment denken soll. Ich habe nur auf die Uhr gestarrt, es war schon die 82. Minute. Ich habe dann nur gesagt: 'Komm, irgendwie versuchen, hier noch was holen!' Dann haben wir uns einen Tick mehr getraut und plötzlich war der Ball drin. Dass ausgerechnet Daniel Baier das Tor macht, ist natürlich phänomenal. (lacht) Er hebt sich seine Tore für die besonderen Momente auf."

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Frage: "Wann haben Sie es dann realisiert, dass der Klassenerhalt perfekt ist?"

Altintop: "Ehrlich gesagt habe ich es immer noch nicht ganz realisiert. (lacht) Ich muss es erst Schwarz auf Weiß sehen. Aber erst haben die Spieler es auf dem Platz gesagt, dann die Verantwortlichen – und dann wird es schon stimmen."

"Ein Bierchen werden wir uns schon gönnen"

Frage: "Ist es jetzt noch einmal eine besondere Freude, am Samstag das letzte Spiel vor heimischem Publikum zu haben?"

Altintop: "Ich hoffe, dass wir bis dahin alles ein bisschen sacken lassen können. Und dass wir realisieren, was wir in dieser Saison alles auf die Beine gestellt haben. Die internationalen Spiele waren für uns etwas ganz Neues. Keiner konnte es richtig genießen, weil wir in der Bundesliga in einer sehr schlechten Position standen. Das müssen wir jetzt alles nochmal Revue passieren lassen. Und dann können wir unser Heimspiel am Samstag hoffentlich auch entsprechend genießen."

Frage: "Wie groß ist die Erleichterung, dass es im letzten Spiel nicht um Alles geht?"

Altintop: "Riesig! Dass wir zuletzt solche fünf Spiele hingelegt haben, so effektiv waren und die nötigen Punkte geholt haben, ist unbeschreiblich."

Frage: "Und jetzt darf gefeiert werden?"

Altintop: (lacht) "Na, ein Bierchen werden wir uns schon gönnen."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte