Der Hamburger SV ist die einzige Mannschaft in der Bundesliga, die noch auf mehreren Hochzeiten tanzt - daran ändert auch das dramatische Ausscheiden im DFB-Pokalhalbfinale am Mittwoch gegen Werder Bremen nichts.

"Wir stehen in der Meisterschaft weiterhin sehr gut da und haben auch im UEFA-Cup noch alle Chancen auf das Finale." Nach dem für ihn in doppelter Hinsicht bitteren Ausscheiden im Pokal betont Mladen Petric im Interview mit bundesliga.de die weiterhin guten Titelchancen der Hamburger.

Der Stürmer des HSV, der sich gegen Bremen am Schienbein verletzte, spricht über das Dauer-Derby gegen Werder, die Stärken seiner Mannschaft und gibt zu verstehen, dass er fest mit einer Rückkehr in dieser Saison rechnet.

bundesliga.de: Herr Petric, herzlichen Glückwunsch zum Sieg und zu ihrem "Doppelpack" gegen Hannover am 28. Spieltag. War das Spiel ein hartes Stück Arbeit?

Mladen Petric: Ja, es war ein hartes Stück Arbeit. Mit der 2:0-Führung im Rücken hätten wir gerne bis zum Ende gespielt, doch durch den Anschluss wurde es noch mal eng. Letztlich waren aber nur die drei Punkte wichtig, die haben wir eingefahren.

bundesliga.de: Bereits 13 Mal in dieser Saison hat der HSV ein Spiel mit nur einem Tor Unterschied gewonnen. Sehen Sie darin eine Stärke der Mannschaft oder droht bei solch knappen Spielen auch große Gefahr?

Petric: Sicher wäre es schön, wenn wir ein paar Spiele deutlicher gewonnen hätten. Mehr Punkte bekommt man dafür jedoch nicht. Und wenn man die Spiele öfter knapp gewinnt als verliert, dann würde ich das schon eher als Stärke bezeichnen.

bundesliga.de: Ihr Trainer Martin Jol hat gesagt, dass er am Ende der Saison gern etwas in den Händen halten wolle. Die Saison ist sicherlich auch jetzt schon ein Erfolg. Aber sehen Sie das ähnlich?

Petric: Wir spielen ohne Zweifel eine sehr starke Saison. Daran ändert auch das sehr bittere Ausscheiden im DFB-Pokal nichts. Wir stehen in der Meisterschaft weiterhin sehr gut da und haben auch im UEFA-Cup noch alle Chancen auf das Finale.

bundesliga.de: In der Meisterschaft ist der HSV der einzige Titelkandidat, der auf mehr als einer Hochzeit tanzt. Was tut Martin Jol, um der Mannschaft die nötige körperliche Fitness und geistige Lockerheit und Stärke für das verbleibende Marathonprogramm zu vermitteln?

Petric: Es ist ja völlig normal, dass man angesichts der vielen Spiele nicht mehr so trainieren kann wie in der Vorbereitung. Zudem weiß unser Trainer genau, worauf es ankommt und vermittelt uns durch seine Art die nötige Lockerheit. Wobei es natürlich auch immer an einem selbst liegt, die nötige Lockerheit beizubehalten und nicht zu verkrampfen.

bundesliga.de: Der HSV und Werder Bremen starteten am Mittwoch eine im deutschen Fußball einzigartige Serie. Vier Duelle in 19 Tagen: Im Eishockey oder Basketball ist so etwas in den Playoffs nicht ungewöhnlich. Doch wie schwer werden diese Spiele für einen Fußballer?

Petric: Es sind Spiele in drei verschiedenen Wettbewerben, deshalb muss man unterscheiden. Die Bremer haben nun das erste Aufeinandertreffen hauchdünn für sich entschieden, doch schon die beiden Spiele im UEFA-Cup werden sicherlich wieder ganz anders. Und in der Bundesliga ist es wieder anders. Natürlich kommt so eine Situation nicht allzu oft vor, doch wir werden uns darauf einstellen.

bundesliga.de: Am Wochenende spielt der HSV in Dortmund. Beim 2:1 im Hinspiel haben Sie das erste Tor selbst erzielt und das zweite vorbereitet. Aufgrund der Verletzung, die Sie sich im Pokal zugezogen haben, fällt die Rückkehr nach Dortmund für Sie leider aus. Wie bitter ist das für Sie?

Petric: Ich hätte natürlich sehr gerne im Signal Iduna Park gespielt. Durch meine Verletzung am Schienbein ist das jetzt leider nicht möglich. Gerade in der jetzigen Phase auszufallen, ist schon bitter. Ich bin aber optimistisch, dass ich in dieser Serie noch mal spielen kann.

bundesliga.de: Ihr Ausfall trifft die Mannschaft sicher hart. Zudem sind die Dortmunder aktuell brandgefährlich. Wie schwer wird diese Aufgabe?

Petric: Es wird sicher keine einfache Aufgabe, das steht fest. Das Pokalspiel von Mittwoch hat auch Kraft gekostet, doch wir sind diesen Rhythmus mittlerweile gewöhnt und ich bin sicher, dass wir auch in Dortmund unsere Chancen bekommen werden. Diese wollen wir dann nutzen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz