Spät am Abend, als die große "BVB-Familie" den 100. Vereinsgeburtstag in der Westfalenhalle feierte, setzte Jürgen Klopp wieder sein verschmitztes Lächeln auf: "Ich bin froh, dass wir gegen Freiburg gewonnen haben. Wir wollten ja auch mitfeiern dürfen!"

Das klingt bescheiden und war wohl auch so gemeint. Und tatsächlich setzte der 1:0-Erfolg über den Aufsteiger das I-Tüpfelchen auf ein Jubiläumswochenende der Superlative. Doch auch ohne diesen Sieg wäre Klopps junge Mannschaft wohl euphorisch auf der Geburtstagsbühne begrüßt worden.

Zehn Spiele ohne Niederlage

Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen hat sich das junge Team nicht nur in die Bundesligaspitze auf Rang 5, sondern auch tief in die Herzen der Fans gespielt. Präsident Reinhard Rauball sprach mit seinem Lob den Anhängern aus der Seele: "Was da heranwächst, ist schwarz-gelb-würdig!"

Zehn Spiele in Serie ist Borussia Dortmund ungeschlagen. Nach Siegen gegen Nürnberg sowie in Hoffenheim und Wolfsburg gelang gegen Freiburg der vierte "Dreier" in Folge - und das unter erschwerten Bedingungen. Schwierige Bodenverhältnisse bei minus 13 Grad und rutschigem Rasen, ein imposantes Rahmenprogramm mit Feuerwerk und Lasershow als Ablenkung, dazu der Druck, ausgerechnet am Geburtstag nicht zu enttäuschen - all das steckte die Elf weg.

Konzentration und Konstanz als ständige Begleiter

Und das gegen "die taktisch beste Mannschaft, auf die wir in den letzten vier Spielen getroffen sind", zollte Klopp dem Gegner aus Freiburg ein großes Lob. Noch größer aber fiel die Wertschätzung fürs eigene Team aus, das mit einem Altersdurchschnitt von rund 23 Jahren alles andere als erfahren ist: "Wir haben das souverän gelöst!"

Noch vor einigen Wochen wäre das vielleicht anders gewesen, "Viele Leute hätten uns so eine Serie nicht zugetraut", weiß auch Dede. Aber die Dortmunder Mannschaft ist unverkennbar gereift. Konzentration und Konstanz sind ihre ständigen Begleiter geworden. Aggressives Arbeiten gegen den Ball hat Klopp seinen Profis verordnet. Dazu absolvieren sie regelmäßig ein enormes Laufpensum und spulen meist deutlich mehr Kilometer ab als ihre Gegner.

Subotic wehrt Komplimente ab

Das Ergebnis - auch der Abkehr von der Mittelfeldraute, hin zu zwei defensiven Mittelfeldspielern und einer offensiven Dreierreihe plus Sturmspitze - ist eine gut strukturierte und stabile Abwehrarbeit. Die bescherte Roman Weidenfeller jetzt einen neuen Rekord. Seit 510 Minuten ist der BVB vor heimischem Publikum ohne Gegentreffer - so etwas gab's zuvor noch nie in der 100-jährigen Geschichte.

Als Erfolgsgaranten für die stabile Deckung stehen dabei die Innenverteidiger Mats Hummels (21) und Neven Subotic (21). 19 Mal in Serie konnte dieser "Kinderriegel" nicht besiegt werden, doch Komplimente wehrt Subotic bescheiden ab: "Wir spielen unheimlich diszipliniert und dank der guten Abwehrarbeit schon im Sturm und im Mittelfeld kommt gar nicht so viel zu uns durch."

Der BVB demonstriert gelebten Teamgeist, den auch Weidenfeller bescheinigt: "Wir halten im Moment alle zusammen, und das sieht man auch auf dem Platz." Enger zusammengerückt sei man gerade nach dem holprigen Saisonstart, bestätigt Sven Bender: "Jetzt sind wir stabiler geworden, lassen wenige Chancen zu und schalten schnell nach vorne um."

Dede will "genauso heiß wiederkommen"

Über Letzteres darf sich vor allem Lucas Barrios freuen, mit dem die Borussia wieder einen echten Torjäger in ihren Reihen hat. Der Argentinier sorgte gegen Freiburg für einen Siegtreffer der besonderen Art: Barrios erzielte am Vereinsgeburtstag, dem 19. Dezember, in der 19. Minute für den BVB 09 sein neuntes Saisontor. In der Liga rangiert der Angreifer damit hinter Stefan Kießling auf Rang 2.

Dass nun die Winterpause den Erfolgslauf des BVB zumindest vorübergehend stoppt, stört zumindest den Trainer nicht wirklich. "Natürlich haben wie einen Lauf, aber die Jungs brauchen auch mal etwas Zeit zur Regeneration", meint Jürgen Klopp. Außerdem gibt's da ja noch das Versprechen von Dede: "Wenn wir wiederkommen, sind wir genauso heiß wie jetzt!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte