Irgendwann geht es einfach nicht mehr. Irgendwann wird es schlichtweg zu viel, der Widerstand bricht und man wird einfach überrollt. So erging es auch Karlsruhe am Samstag.

65 Minuten hielt der KSC am 11. Spieltag mit 1899 Hoffenheim mit, hätte zu dem Zeitpunkt sogar einen Punkt geholt. Und dann kam es wieder - das "Phänomen" Hoffenheim.

Wieder an der Spitze

Elf Minuten dauerte es diesmal, bis der Aufsteiger seinen Gegner auseinandergenommen und erneut einen deutlichen Sieg eingefahren hatte. Durch den doppelten "Doppelpack" von Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic hieß es am Ende 4:1 für die Truppe von Trainer Ralf Rangnick.

Durch den achten Saisonsieg übernimmt Hoffenheim auch wieder die Führung in der Tabelle. Übrigens schon zum fünften Mal in dieser Spielzeit.

Wie Kaiserslautern 1998?!

Angesichts dieser Saisonleistung rückt unweigerlich ein Bild in das kollektive Gedächtnis der Bundesliga-Fans: Ciriaco Sforza, Kapitän des 1. FC Kaiserslautern, reckt am 9. Mai 1998 im Hamburger Volksparkstadion die Meisterschale in den Himmel. Zum ersten Mal ist ein Aufsteiger Deutscher Meister!

"Einmalig!", dachten damals viele. Doch am 23. Mai 2009 - dem letzten Spieltag der aktuellen Saison - könnte sich erneut ein Aufsteiger zum Meister krönen, zumindest wenn man so manchem Fußballexperten glauben mag. "Ich bin mir völlig sicher, dass Hoffenheim sich nachhaltig in der Spitze etablieren und bis zum letzten Spieltag um den Titel mitspielen wird", sagt Uli Hoeneß.

Heimstarke Tormaschine

Dass der Manager des FC Bayern München nicht phantasiert, belegt ein Vergleich zwischen 1899 und dem FCK in seiner Meistersaison 1997/98. Die "Roten Teufel" hatten nach elf Spieltagen 26 Punkte auf dem Konto, Hoffenheim ist mit 25 nur einen Zähler schlechter.

Besser ist jedoch die Torausbeute der Badener. 31 Treffer sind sieben mehr als bei den Pfälzern damals und zugleich Aufsteiger-Rekord in der Bundesliga. Auch in der Heimbilanz ist das Team aus dem Kraichgau besser. In der vorübergehenden Heimat Mannheim gab es in sechs Spielen fünf Siege und ein Unentschieden. Kaiserslautern hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Niederlage auf dem Betzenberg einstecken müssen.

Hoffenheim gegen Barcelona?

Angesichts des starken Auftretens der Hoffenheimer ist auch Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann vom Potenzial des Aufsteigers überzeugt: "Hoffenheim wird bei der Vergabe der Meisterschaft ein Wort mitreden und die Bundesliga im nächsten Jahr auf jeden Fall in einem internationalen Wettbewerb vertreten."

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sieht den Aufsteiger bereits in Europas Königsklasse: "Es ist möglich, dass Hoffenheim nächstes Jahr gegen den FC Barcelona in der Champions League spielt."

"Platz 9 ist realistisch"

Von all diesem Lob wollen die Verantwortlichen des Erfolgs nichts wissen. "Über die Meisterschaft zu philosophieren, ist doch völlig unrealistisch. Darauf lassen wir uns nicht ein", erklärt Manager Jan Schindelmeiser. Und Trainer Rangnick bekräftigt, dass "bei uns niemand darüber nachdenkt, ob wir Deutscher Meister werden können". Das Ziel des Aufsteigers sei es nach wie vor, den Klassenerhalt zu schaffen.

Dies ist in den Augen von Dietmar Hopp so gut wie geschehen. "Ich denke, dass wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben", sagt Club-Mäzen im ZDF-Sportstudio und fügt hinzu, dass er nun Platz 9 am Ende der Saison für realistisch halte.

"Würde gerne Meister werden"

Andere stapeln weniger tief. Auf die Frage, ob er denn nicht Meister werden wolle, antwortet der mit 13 Treffern in der Torschützenliste führende Vedad Ibisevic: "Auf jeden Fall. Das würde ich gern werden."

Und wieso nicht schon jetzt als Aufsteiger? Dass dies möglich ist, hat Kaiserslautern vor zehn Jahren bewiesen.

Gregor Nentwig