Es war die Szene des 16. Spieltags! Nein, nicht Luca Tonis Last-Minute-Tor im Spitzenspiel der Bayern gegen Hoffenheim, sondern das Duell zwischen Wolfsburg-Stürmer Edin Dzeko und "Elfer-Killer" Jan Rosenthal. Bitte wem? Ja, Jan Rosenthal, dem Mittelfeldspieler von Hannover 96.

Wegen einer Notbremse an VfL-Stürmer Dzeko im Strafraum musste 96-Torhüter Florian Fromlowitz in der 81. Minute des Niedersachsen-Derbys vom Feld. Da Trainer Dieter Hecking aber bereits drei Mal gewechselt hatte, musste ein Feldspieler zwischen die Pfosten, um beim fälligen Strafstoß wenigstens die Minimal-Chance auf eine Parade zu haben.

Rosenthal zwei Mal glänzend

Rosenthal schlüpfte in die Handschuhe seines Keepers und machte auf seiner neuen Position eine sehr gute Figur! Dzekos Flachschuss war zwar scharf, doch Rosenthal hatte richtig spekuliert. Er hechtete ins rechte Eck, fuhr die linke Hand aus und lenkte den Ball an den Pfosten. Gehalten!

Auch acht Minuten später, in der 90. Minute, hielt der U21-Nationalspieler wie einst Oliver Kahn. Erneut war es Dzeko, der den Mittelfeldspieler prüfte, diesmal mit einem Schuss von rechts auf das kurze Eck. Rosenthal tauchte ab und faustete die Kugel sicher aus der Gefahrenzone.

"Dafür kann ich mir nichts kaufen"

Trotz toller Leistung auf der ungewohnten Position war Rosenthal nach dem Spiel enttäuscht. "Für den gehaltenen Elfer können wir uns nichts kaufen. Das ist eine ganz bittere Niederlage", sagte der 22-Jährige nach der knappen 1:2-Schlappe bei den "Wölfen".

Aber woher kommen die ungeahnten Qualitäten von Hannovers neuem, "drittem" Keeper? Vielleicht hat er sich ja an die glanzvollen Auftritte einiger Kollegen erinnert, die auch schon mal als Aushilfs-Torhüter ungeahnte Qualitäten gezeigt hatten. bundesliga.de stellt die vier besten Auftritte torhütender Feldspieler vor:

Jan Koller - Borussia Dortmund

Die bisher beste Leistung eines Feldspielers als Torhüter lieferte wohl Jan Koller in der Saison 2002/03 ab. Im Top-Spiel gegen Bayern musste BVB-Keeper Jens Lehmann beim Stande von 2:1 für den FCB in der 66. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Da Dortmund nicht mehr wechseln durfte, stellte sich Koller zwischen die Pfosten - und hielt grandios. Er fing problemlos Flanken ab und parierte glänzend einen Ballack-Schuss. Am Ende landete Koller sogar in der "kicker"-Elf des Spieltags - als bester Torhüter.

Michael Schjönberg - 1. FC Kaiserslautern

Auch Michael Schjönberg vom 1. FC Kaiserslautern zeigte in der Saison 1999/2000 gegen den SC Freiburg eine gute Leistung. Nach 30 Minuten hatte sich Torwart Georg Koch verletzt und wurde durch Uwe Gospodarek ersetzt. Doch auch er verletzte sich und so musste Schjönberg nach der Pause als Torhüter ran. In der 59. Minute kassierte der Däne durch Levan Kobiashvili zwar das 1:2, doch in der 84. Minute krönte er seine ansonsten gute Leistung, als er einen Strafstoß von Alexander Iashvili hielt.

Stephan Sieger - Kickers Offenbach

Im Achtelfinale des DFB-Pokals 2005/06 muss Kickers Offenbach bei Hansa Rostock antreten. Das es nach 120 Minuten 1:1 steht, gibt es Elfmeterschießen. Für einen Kopfstoß gegen Hansa-Torwart Mathias Schober muss Offenbachs Keeper Sead Ramovic vom Platz. Da die Gäste nicht mehr wechseln dürfen, geht Stephan Sieger ins Tor. Er hält zwar keinen der folgenden drei Elfer, verunsichert Kim Madsen und Amir Shapourzadeh jedoch so sehr, dass sie verschießen und Offenbach ins Viertelfinale einzieht.

Michael Tarnat - FC Bayern München

Am 5. Spieltag 1999/2000 steht es im Spiel Frankfurt - Bayern 1:0, als Oliver Kahn nach 53 Minuten wegen einer Gehirnerschütterung raus muss. Ersatzmann Bernd Dreher verletzt sich elf Minuten später am Knie und so geht Michael Tarnat in den Kasten. Der Aushilfskeeper fürchtet einen Sturmlauf der Eintracht, doch der bleibt aus. Den einzigen gefährlichen Eintracht-Schuss pariert der Mittelfeldspieler souverän. Am Ende heißt es durch zwei Tore von Elber und Kuffour sogar 2:1 für die Münchener.