Bremen - Die Zeit für einen Wechsel zu einem europäischen Topclub sei noch nicht reif, betonte Roberto Firmino in der Saisonvorbereitung. Zum Glück für die TSG 1899 Hoffenheim bleibt der Brasilianer den Kraichgauern vorerst erhalten (Vertrag bis Juli 2016). Beim Auswärts-Remis in Bremen zeigte der 22-Jährige wieder einmal sein großes Potenzial.

"Roberto hat bei dem 1:0 seine ganze Klasse gezeigt und die Flanke mit nur einem Kontakt mitgenommen und dann eingeschoben", lobte Assistgeber und Mittelfeldmotor Sebastian Rudy seinen Teamkollegen für dessen Treffer, den die User von bundesliga.de zum Tor des Spieltags gewählt haben. Besonders auffällig im Gegensatz zur letzten Saison ist aber die verbesserte Defensivarbeit des Brasilianers.

Zweikämpfe - Firminos neue Liebe

In der starken ersten Halbzeit der TSG war Firmino der überragende Mann auf dem Platz. Alles, was er machte, hatte Hand und Fuß. Der filigrane Techniker scheute im Mittelfeld keinen Zweikampf. Kein anderer Spieler auf dem Feld bestritt am Samstag mehr Duelle Mann gegen Mann. Insgesamt waren es 32 Zweikämpfe (46% gewonnen) am Boden und fünf Kopfballduelle (20% gewonnen). Diese Werte zeigen, dass der Brasilianer mehr ist als nur der Edeltechniker mit Torgarantie. Firmino kann auch anders. (Matrix zum Spiel Bremen - Hoffenheim)

Dass seine Qualitäten trotz alledem in der Offensive liegen, ist klar. In der vergangenen Saison war er mit seinen 16 Saisontreffern in bester Gesellschaft, auch Adrian Ramos und Marco Reus hatten die gleiche Anzahl erreicht.

Nur Robert Lewandowski  (20), Mario Mandzukic (18) und Josip Drmic (18) waren noch treffsicherer. Im Kalenderjahr 2014 sind sogar nur Klaas-Jan Huntelaar und der Neu-Leverkusener Drmic (beide elf Tore) torhungriger als der Brasilianer (neun Tore).

In der Form seines Lebens

Im Kader der Hoffenheimer ist Firmino schon so etwas wie ein Urgestein. Seit dem 1.1.2011 trägt er bereits das Trikot der TSG. Sein erster Trainer war Marco Pezzaiuoli. Vier weitere Übungsleiter sollten kommen und gehen, bis Markus Gisdol in der Saison 2012/13 übernahm und die TSG noch spektakulär vor dem Abstieg rettete. Seitdem Gisdol da ist, geht es auch für den 22-Jährigen wieder steil bergauf. Die technisch angelegte Spielweise des Trainers, die auf Passspiel und schnelles Umschalten nach vorne ausgelegt ist, ist dem 1,81 Meter großen Firmino wie auf den Leib geschneidert.

Das zeigen auch die Statistiken. In den saisonübergreifenden letzten 39 Pflichtspielen war Firmino an 39 Toren direkt oder indirekt beteiligt. Eine tolle Quote, die in der Liga seinesgleichen sucht. Insgesamt steht Firminos Bilanz bei den Hoffenheimern momentan bei 119 Pflichtspielen, 40 Toren und 20 Assists.

Bald auch in der Nationalelf?

Für Roberto Firmino steht jetzt erst einmal die Länderspielpause vor der Tür. Viele seiner Kollegen reisen zu den Nationalteams, während sich der Offensivspieler mit den verbliebenen TSG-Spielern ganz in Ruhe auf das nächste Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg vorbereiten kann. Bringt Firmino weiterhin so gute Leistungen, wird bald vermutlich Brasiliens neuer Trainer Carlos Dunga nicht mehr auf ihn verzichten können. Vorerst finden die beiden ersten Länderspiele der Brasilianer nach der WM gegen Kolumbien und Argentinien ohne den Hoffenheimer statt.

Alexander Barklage