München - Am Ende konnte er schon wieder darüber lachen. Das Ergebnis tröstete über die Schmerzen hinweg. Die knallharte Intensität des Champions-League-Halbfinales gegen Real Madrid hat Thomas Müller schmerzhaft zu spüren bekommen. Und das, obwohl der 22-Jährige nur eine halbe Stunde auf dem Rasen stand.

In der 61. Minute kam der Bayern-Angreifer ins Spiel. Quasi zur Begrüßung senste Madrids Abwehrhaudegen Sergio Ramos den Bayern-Angreifer wüst um (76.). Und kurz vor Spielende trat auch noch Reals Marcelo dem deutschen Nationalspieler rüde in die Beine (90.+4). Schiedsrichter Howard Webb drückte beide Augen zu, ließ beide Madrilenen mit Gelb davon kommen.

Mindestens Marcelo hätte sich über glatt Rot nicht beklagen können. Zu diesem Zeitpunkt war bereits viel Frust im Spiel der Spanier. Denn Mario Gomez hatte in der letzten Minute der regulären Spielzeit den 2:1-Siegtreffer für den FC Bayern erzielt und damit die Tür zum Heimfinale am 19. Mai weit aufgestoßen.

Im Interview spricht Thomas Müller über den knappen Hinspielerfolg gegen das "Weiße Ballett", das besondere Flair, das die Bayern kommende Woche im Bernabeu erwartet und den Traum vom Endspiel.

Frage: Herr Müller, wie geht es Ihrem Bein nach dem Foul von Marcelo?

Thomas Müller: Vom Schmerz her geht es inzwischen. Ich habe die Szene leider nicht im Fernsehen gesehen, aber was ich gehört habe und wie es sich auf dem Spielfeld angefühlt hat, war der Ball an der rechten Eckfahne und er hat trotzdem noch versucht, mein Bein zu erwischen. So eine Szene braucht man eigentlich nicht kommentieren. Das hat jeder gesehen.

Frage: Wie schätzen Sie das Spiel und die Ausgangslage ein?

Müller: Wir haben gezeigt, dass wir den Kampf annehmen und wissen, um was es geht. Dass man Real nicht ganz in Schach halten kann, hat man auch gesehen. Wir haben beim Gegentor Fehler gemacht, aber sie haben den Konter auch super ausgespielt. In anderen Szenen waren sie zwar auch gefährlich, aber es war zu sehen, dass wir mithalten können. Mit dem 2:1 haben wir eine Ausgangssituation, die machbar ist. Aber jeder weiß: Im Bernabeu, da weht ein anderer Wind.

Frage: Inwiefern? Warum ist das Rückspiel im Bernabeu so etwas Besonderes?

Müller: Ich bin kein Spanienexperte, aber dort fallen manchmal sogar Torpfosten von alleine um - da herrscht ein besonderes Flair.

Frage: Das Münchner Publikum brauchte sich am Dienstagabend auch nicht zu verstecken. Hatte das bereits Finalqualität?

Müller: Die Fans waren sich des Halbfinales bewusst - so wie die Mannschaft auch. Von Anfang an haben sie uns nach vorne gepeitscht. So wollen wir es haben.

Frage: Haben Sie bereits realisiert, dass der Traum vom Heimfinale noch näher gerückt ist?

Müller: Im Moment befinden wir uns erst vor dem Halbfinalrückspiel. Wenn man im Halbfinale steht, dann träumt man nicht. Träumen tun vielleicht die Fans drumherum. Wenn wir träumen würden, hätten wir nicht 2:1 gewonnen. Auf dem Platz muss man arbeiten und sich bewusst sein, dass man alles in die Waagschale werfen muss. Träumen können andere.

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer