Es kommt selten vor, dass ein Neuzugang auf Anhieb zum Kapitän seines neuen Teams ernannt wird. Im Fall von Heiko Westermann ist das aber gar nicht so verwunderlich.

Schon bei seinem Ex-Club Schalke 04 war er der "Chef". Und diese Rolle soll er nun beim Hamburger SV mit ähnlicher Leidenschaft ausfüllen. Für Westermann kein Problem, wie er im bundesliga.de-Interview bekräftigt. "Ich bin als Führungsspieler nach Hamburg gekommen und ich werde mit der richtigen Einstellung auf dem Platz vorangehen", so Westermann.

Dass sein erstes Bundesliga-Spiel mit der Raute auf der Brust gleich gegen seinen alten Arbeitgeber geht, ist für den Nationalspieler "eine besondere und kuriose Situation".

bundesliga.de: Herr Westermann, Sie sind jetzt seit gut vier Wochen ein "Hamburger Jung". Wie gefällt Ihnen die Weltstadt Hamburg?

Heiko Westermann: Sehr gut. Die Stadt hat unglaublich viel zu bieten, man hat hier eine enorm hohe Lebensqualität. Ich kenne die Stadt auch schon recht gut, denn ich war in der Vergangenheit immer mal wieder in Hamburg.

bundesliga.de: Und wie haben Sie sich im Verein und der Mannschaft eingelebt?

Westermann: Ebenfalls sehr gut. Ich wusste ja schon vorher, dass der HSV ein besonderer Verein ist. Der HSV ist der "Dino" der Liga, hat somit sehr viel Tradition. Hinzu kommen das tolle Stadion und die Anhänger, die wie eine Wand hinter der Mannschaft stehen. Innerhalb der Mannschaft wurde es mir sehr leicht gemacht, ich wurde toll aufgenommen.

bundesliga.de: Der Wechsel vom FC Schalke 04 zum HSV ging relativ zügig über die Bühne. Ist es schwierig, sich mitten in der Vorbereitungsphase mit neuen Gepflogenheiten und Eigenarten zu arrangieren und vor allem zu identifizieren?

Westermann: Natürlich braucht man ein paar Tage, um sich einzuleben und zu arrangieren. Doch wenn man sich wohl fühlt, geht das natürlich schneller. Für mich ist zudem wichtig, dass meine Familie bei mir ist.

bundesliga.de: Sie sind auf Anhieb von Trainer Veh zum neuen Kapitän ernannt worden. Was bedeutet das für Sie und was hat das sportlich für Auswirkungen auf dem Platz?

Westermann: Es ist eine sehr große Ehre für mich und es freut mich, Kapitän des HSV zu sein. Ich bin als Führungsspieler nach Hamburg gekommen und ich werde mit der richtigen Einstellung auf dem Platz vorangehen.

bundesliga.de: Ihr Vertrag läuft bis 2014. Wie lauten Ihre kurz- aber auch Ihre langfristigen Ziele - persönlich und mit der Mannschaft?

Westermann: Wir wollen eine erfolgreiche Saison spielen und besser abschneiden als zuletzt. Von einer genauen Zielsetzung vor der Saison halte ich nicht allzu viel. Wir sollten uns darauf konzentrieren, einen guten Start zu erwischen und weiterhin gut zu arbeiten. Dann kann man weitersehen. Persönlich werde ich Verantwortung übernehmen und möchte gute Leistungen zeigen. Langfristig ist es zudem ein Ziel, einen Titel mit dem HSV zu erreichen. Und die Nationalmannschaft ist für mich selbstverständlich immer wichtig. Nachdem ich bei der WM ja leider verletzt passen musste, möchte ich unbedingt bei der nächsten EM dabei sein.

bundesliga.de: Zusammen mit Joris Mathijsen bilden Sie eines der wohl stärksten Innenverteidiger-Duos der Liga. Aber gibt es nominell auch einen Abwehrchef?

Westermann: Meiner Meinung nach geht es nicht darum, einen Abwehrchef zu benennen. Viel wichtiger ist, dass wir auf dem Rasen als gesamte Mannschaft funktionieren. Ich freue mich darauf, gemeinsam und an der Seite von Joris in der Innenverteidigung zu spielen.

bundesliga.de: Der Spielplan meint es gut für uns Journalisten: Denn Ihr erstes Bundesligaspiel mit der Raute auf der Brust absolvieren Sie gleich gegen Ihren Ex-Club. Bis vor wenigen Wochen haben Sie mit Spielern wie Jefferson Farfan noch in einem Boot gesessen, jetzt sind Sie Rivalen auf dem Feld. Geht das so einfach?

Westermann: Ich kann mir vorstellen, dass das für die Journalie reizvoll ist (lacht). Ich muss ehrlich sagen, dass es für mich schon eine besondere und kuriose Situation ist. In der Vorbereitung haben wir ja bereits gegen Schalke gespielt. Ich freue mich auf die Partie. Ich bin davon überzeugt, dass es ein toller Auftakt in der ausverkauften Imtech Arena wird.

bundesliga.de: Hegt man bei aller Freundschaft dennoch den motivierenden Gedanken: Jetzt zeige ich Euch, dass Ihr mich nicht hätten gehen lassen sollen?

Westermann: Nein, so gehe ich nicht in die Partie. Vielmehr möchte ich mein erstes Heimspiel vor unseren Fans unbedingt gewinnen und einen guten Saisonstart hinlegen.

bundesliga.de: Sie haben bislang zwölf Mal in der Champions League - inkl. Quali - gespielt. Wann kommen die nächsten Einsätze dazu?

Westermann: Hoffentlich so schnell wie möglich. Wie gesagt, wir wollen besser abschneiden als zuletzt. Doch jetzt konzentrieren wir uns ausschließlich auf die ersten Spiele.

bundesliga.de: Helfen Sie bitte den bundesliga.de-Usern beim offiziellen Tippspiel zur Bundesliga: Wie geht die Partie Hamburger SV gegen den FC Schalke 04 aus?

Westermann: Also, ich würde auf einen knappen HSV-Sieg tippen.

Die Fragen stelle Michael Reis