Frankfurt/Main - Durch das 2:0 bei Eintracht Frankfurt nach Toren von Martin Harnik und Tamas Hajnal schöpft der VfB Stuttgart Mut im Abstiegskampf. Besonders Torhüter Sven Ulreich warf durch seine herausragende Leistung viel Ballast ab.

Der erst 22 Jahre alte Ulreich erlebte in der letzten Woche die Höhen und Tiefen des Profifußballs im Schnelldurchlauf: Vor dem Europa-League-Spiel vergangenen Donnerstag gegen Benfica Lissabon setzte VfB-Trainer Bruno Labbadia die bisherige Nummer eins auf die Bank und ersetzte ihn durch Marc Ziegler.

Doch der Routinier musste beim Aus gegen die Portugiesen wegen einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Plötzlich stand Ulreich wieder im Stuttgarter Tor. Nur drei Tage später war der Schlussmann durch seine tollen Paraden Garant für den so wichtigen Stuttgarter Auswärtssieg in Frankfurt und großer Rückhalt seiner dezimierten Mannschaft (Kapitän Matthieu Delpierre sah schon in der 15. Minute die Rote Karte wegen ein Tätlichkeit gegen Maik Franz, der Franzose wurde für drei Spiele gesperrt; Anm. d. Red.).

Nach dem Spiel sprach Sven Ulreich über das Auf und Ab der Gefühle und warum er das Gespräch mit seinem Vorgänger Jens Lehmann gesucht hat.

Frage: Herr Ulreich, war das Ihr emotionalstes Spiel in der Bundesliga?

Ulreich: In der Bundesliga sind alle Spiele emotional. Aber es lag schon eine gewisse Brisanz in der Begegnung, auch weil wir durch den Platzverweis von Delpierre früh in Unterzahl gekommen sind.

Frage: Aber es war Ihr größter Sieg, oder?

Ulreich: Einige Spieler sind zu mir gekommen und haben gesagt, das sei mein Sieg gewesen. Aber so sehe ich das nicht. Wir haben alle gut verteidigt und zum richtigen Zeitpunkt vorne die Tore gemacht. Das war ein wichtiger Sieg für die Mannschaft und für mich. Ich hoffe, dass noch viele große Siege folgen werden.

Frage: Sie saßen gegen Lissabon zunächst nur auf der Bank, wie haben Sie diese Entscheidung verarbeitet?

Ulreich: Man ist natürlich schon enttäuscht, es fällt eine gewisse Anspannung von einem ab. Ich habe die Zeit genutzt, noch einmal alles reflektiert, mir viele Statistiken und noch einmal alle Spiele angeschaut und schließlich analysiert, was ich besser machen kann.

Frage: Was haben Sie gelernt?

Ulreich: Ich habe festgestellt, dass nicht alles so schlecht war, wie es gemacht wurde. Insgesamt habe ich meine Sache als junger Kerl auch vorher schon ganz gut erledigt.

Frage: Mit Marc Ziegler wollte der Trainer mehr Routine in die Mannschaft bringen.

Ulreich: Dass ich mit 22 Jahren noch nicht die Erfahrung habe, ist klar. Ich wünsche Marc, dass er schnell wieder gesund wird.

Frage: Hatten Sie eigentlich Kontakt mit Ihrem Vorgänger Jens Lehmann?

Ulreich: Ich habe Jens angerufen und mit ihm gesprochen. Es hat mir auf jeden Fall geholfen, was Jens gesagt hat.

Frage: Was hat er Ihnen geraten?

Ulreich: Jens riet mir, bei Flanken noch mutiger raus zu gehen. Hinterher wusste ich aber auch, dass nicht alles schlecht war, was ich geleistet habe.

Frage: Glauben Sie, dass Sie nach der Rückkehr von Marc Ziegler weiter die Nummer eins bleiben?

Ulreich: Ich werde weiter meinen Weg gehen. Ich werde im Training Gas geben und um meinen Platz kämpfen.

Aufgezeichnet von Tobias Schächter