München - Zunächst gab es Küsschen für die Liebsten. Als moralische Unterstützung hatte Mehdi Benatia seine Frau und seine beiden kleinen Kinder zu seinem ersten öffentlichen Auftritt beim FC Bayern München mitgebracht. Auch anschließend vermittelte der neue Innenverteidiger einen bodenständigen Eindruck. Seine Vorfreude auf die neue Aufgabe ist dabei ebenso groß wie sein Selbstbewusstsein.

"Ich weiß, dass ich Großes leisten kann", sagte der 27-Jährige, "aber ich muss es auch zeigen." In der vergangenen Saison präsentierte Benatia sein Können im Trikot des AS Rom, trug seinen Teil dazu bei, dass die Roma in 38 Spielen nur 25 Gegentore kassierte und spielte sich so in den Fokus des FC Bayern.

Vertrauensvorschuss soll sich auszahlen

"Wir haben ihn seziert", sagte Sport-Vorstand Matthias Sammer, der nach intensivem Videostudium die Stärken des neuen Defensiv-Juwels klar umriss: "Er ist sehr robust, dabei trotzdem schnell und beweglich. Hat ein sauberes Passspiel, eine gute Technik und gutes Kopfballspiel in der Defensive und Offensive." Aufgrund dieser Qualitäten statteten die Münchner den gebürtigen Franzosen mit marokkanischem Pass mit einem Fünf-Jahres-Vertrag aus.

Ein Vertrauensvorschuss, den Benatia mit Leistung zurückzahlen will: "Ich möchte die Mannschaft noch stärker machen." Mit Blick auf die überragenden Leistungen der vergangenen Jahre, hat sich der Abwehrspieler damit sehr ehrgeizige Ziele gesteckt. Und in der Bundesliga kommt viel Arbeit auf ihn zu. "Die Bundesliga ist eine sehr interessante Liga, in der viele Tore geschossen werden", weiß auch Benatia, der die Anzahl an Gegentoren bei den Bayern möglichst gering halten soll.

Nach dem langfristigen Ausfall von Javi Martinez, soll er dessen Part in der Dreierkette übernehmen. Wie Martinez gilt Benatia als resoluter Zweikämpfer, aber auch Kartensammler. Im Gegensatz zum Spanier sieht sich Benatia jedoch als reiner Verteidiger. "Im Mittelfeld sehe ich mich nicht", stellt Benatia klar. "Ich kann in einer Vierer- oder Dreierkette spielen, wie es bei Udine der Fall war."

Udine statt Freiburg

Ehe er im Sommer 2013 zur Roma wechselte spielte er drei Jahre für Udinese Calcio. Mit insgesamt 80 Spielen in der Serie A und 13 Partien in der Europa League schaffte Benatia dort letztlich den Durchbruch. Dabei wäre er ein Jahr vor seinem Wechsel 2010 zu Udine um ein Haar schon damals in der Bundesliga gelandet.

2009 hatte der SC Freiburg ein Auge Benatia geworfen, der damals bei Clermont Foot in der zweiten französischen Liga spielte. Die Breisgauer luden den Innenverteidiger als potenziellen Ersatzmann für den verletzten Ömer Toprak zum Probetraining. Doch ein Transfer kam letztlich aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande.

"Mein damaliger Berater hatte mir gesagt, ich solle nach Freiburg kommen, mit dem Trainer sprechen und dann unterschreiben. Aber als ich dort ankam, sollte ich trainieren. Darauf war ich nicht vorbereitet", erklärte Benatia. Und es gab ein weiteres Problem: "Ich sollte Deutsch sprechen. Während der zweistündigen Zugfahrt war es aber nicht möglich, Deutsch zu lernen."

Benatia befolgt Riberys Rat

Bei den mit internationalen Topstars gespickten Bayern soll das jedenfalls keine Barriere darstellen. "Auf dem Spielfeld ist die Sprache einheitlich, da wird es keine Probleme geben", betonte Sport-Vorstand Sammer. Mit Franck Ribery trifft Benatia zudem auf einen alten Bekannten. Beide kennen sich noch aus gemeinsamen Tagen bei Olympique Marseille. Und Ribery war es auch, der Benatia zu einem Wechsel zu den Bayern riet.

Unterstützung bei der Eingewöhnung wird er aber nicht nur vom französischen Mittelfeldspieler erhalten. "Wir wollen ihm gemeinsam helfen, sich schnell zu integrieren", sagte Sammer. "Bei Mehdi ging es nicht darum, hoffentlich spricht er Deutsch oder Englisch - wir akzeptieren seine Persönlichkeit, so wie er ist." Benatias Bodenständigkeit gepaart mit seinem Selbstbewusstsein werden sicher dazu beitragen, dass ihn auch die Fans des FC Bayern schnell in ihr Herz schließen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz